Sie stehen vor dem Zimmertheater in der Bursagasse 16, mitten in der Häuserreihe an der Neckarfront. Der Name ist wörtlich zu nehmen. Dieses Theater begann in einem Zimmer, und es ist klein geblieben: Seit 2019 ist es als kleinstes deutsches Stadttheater Mitglied im Deutschen Bühnenverein. Zur Jahreszahl zwei Angaben: Die Einleitung des Quelle nennt 2019, der Text die Aufnahme im Dezember 2018, unter der Intendanz von Dieter und Peer Mia Ripberger. 1958 fand die freie Theatergruppe Der Thespiskarren hier eine feste Bühne. Heinz E. Johst, Werner Johst und Tom Witkowski gründeten daraus das Tübinger Zimmertheater. Der Raum, in dem sie anfingen, war das ehemalige Labor der Trappschen Apotheke. Am 6. Dezember 1958 wurde zum ersten Mal gespielt, mit John Osbornes Blick zurück im Zorn. Tübingen hatte damals 9000 Studenten, und diese waren neben den Bürgern die wesentlichen Theatergänger. Das Stück lief fünfundachtzig Mal und wurde zum Motor des Hauses. Die Räume wuchsen in den Keller. Um 1972 wurde der Keller an der Bursagasse zu einem zweiten Bühnenraum ausgebaut. Seitdem wird wahlweise im Zimmer am Neckar mit sechzig Zuschauerplätzen oder im Gewölbe mit achtzig gespielt, dazu dient das Foyer für Lesungen und kleine Konzerte. Als dritte Spielstätte bespielt das Theater das ehemalige Kino Löwen in der Kornhausstraße 5 mit neunundneunzig Plätzen, gleich neben dem Kornhaus, an dem Sie vorhin standen. Rechnen Sie zusammen: Das größte Haus dieses Stadttheaters hat weniger Plätze als ein Linienbus Fahrgäste. Was auf diesen kleinen Bühnen stattfand, ging weit über die Stadt hinaus. 1972 übernahm George Tabori übergangsweise die Leitung, während er hier die Uraufführung seiner Clowns inszenierte, die am 2. Mai 1972 stattfand. Dasselbe Jahr trägt eine dunkle Zahl: Am 12. Februar 1972 nahm sich der Intendant Salvatore Poddine das Leben, im Kellergewölbe, das er als zweiten Spielort eingerichtet hatte. Er hatte aus diesem Haus mit minimalem finanziellem Aufwand eines der lebendigsten deutschen Kleintheater gemacht. Dann kam der Pantomime Helfrid Foron, Intendant von 1972 bis 1979, und mit ihm zwei Zahlen, die alles über dieses Haus sagen. Erstmals in der Geschichte des Zimmertheaters wurde eine Gage von 1.000 Mark brutto im Monat bezahlt. Bis dahin lag die Spitze bei 720 Mark. Und zum Ende: vierundneunzig Prozent Platzausnutzung, und von 258 Vorstellungen fanden fünfzig nicht in der Bursagasse statt, sondern weit verstreut in Europa. Forons Inszenierung von Dario Fos Farce Der Dieb, der nicht zu Schaden kam wurde in verschiedenen Städten Europas gespielt, und das Stuttgarter Kultusministerium spendete als Anerkennung einen Kleintransporter im Wert von 20.000 Mark, damit das Theater seinen Auslandsverpflichtungen nachkommen konnte. Ein Theater mit sechzig Plätzen, das einen Lieferwagen brauchte. Eine Inszenierung weist auf unsere nächste Station. Hartmut Wickert, Intendant von 1984 bis 1988, begründete mit dem Theater Lindenhof aus Melchingen das Tübinger Sommertheater. 1987 spielte dort eine Aufführung in der ganzen Stadt: Hölderlin Tübingen Turm. Das Schwäbische Tagblatt wählte sie zur Aufführung des Jahres. Zu diesem Turm gehen wir jetzt. Noch ein Wort zur Gegenwart: Von September 2018 bis zum Ende der Spielzeit 2024/25 gehörte zum Haus das Institut für theatrale Zukunftsforschung. Im März 2021 war das Zimmertheater eines von bundesweit nur zwei Theatern, die in einem Modellprojekt drei Wochen lang unabhängig von der Inzidenz öffneten. Seit 2025 leitet Thomas Bockelmann das Theater.
Sie stehen vor dem Zimmertheater in der Bursagasse 16. Es wurde 1958 im ehemaligen Labor der Trappschen Apotheke gegründet. Der Saal am Neckar hat sechzig Plätze. Als kleinstes deutsches Stadttheater ist es Mitglied im Deutschen Bühnenverein.
Hier ist ein Theater, und es ist winzig. Es heißt Zimmertheater, weil es wirklich in einem Zimmer angefangen hat. Der Raum war früher das Labor einer Apotheke. Dort wurden Medikamente gemischt, heute wird dort gespielt. Nur sechzig Leute passen hinein. In einem großen Theater sitzen tausend. Später bauten sie auch den Keller zu einer zweiten Bühne um, da passen achtzig Zuschauer hin. Das Theater ist das kleinste Stadttheater in ganz Deutschland. Trotzdem ist es mit seinen Stücken durch Europa gereist, bis nach Istanbul. Einmal bekam es dafür sogar einen kleinen Lastwagen geschenkt, damit die Schauspieler ihre Bühne transportieren konnten. Würdest du lieber in einem großen oder in einem kleinen Theater spielen?
Koordinaten: 48.519575, 9.056487 · auf der Karte