Sie stehen vor dem Stadtmuseum in der Kornhausstraße 10. Das Haus ist ein über fünfhundert Jahre altes Kornhaus, und darin wohnt eine Sammlung mit einer eigenen Wandergeschichte. Sie begann in den 1890er Jahren, und sie begann bei einem einzelnen Mann. Ungewöhnlich ist nicht, dass ein Oberbürgermeister die Idee hatte, sondern dass er sie selbst ausführte: Julius Gös kümmerte sich persönlich um die Sammlung. Sein Anliegen war offenbar, das Aussehen seiner Stadt auf Veduten für die Nachwelt zu dokumentieren. Er knüpfte Kontakte zu Antiquitätenhändlern und kaufte systematisch die damals noch erhältlichen, aber sehr seltenen Ansichten von Johann Christian Partzschefeldt, Carl Baumann, Ludwig August Helvig, Carl Dörr, Jacob Kull und anderen. Gesammelt wurde zunächst im Rathaus, Ende April 1897 gab es dort die erste Ausstellung. Dann wurde es eng, und die Sammlung zog. Vom Rathaus in den Südflügel des Schlosses, über die Schlosskapelle. Ab 1931 kümmerte sich der 1911 gegründete Kunst- und Altertumsverein um sie, in dieser Zeit wurde sie eine eigenständige Institution. Ab Ende der 1960er Jahre saß sie im Theodor-Haering-Haus in der Neckarhalde 31. Am 24. Januar 1989 brach dort ein Brand aus, bei dem die Sammlung des Malers Theodor Schüz teilweise vernichtet wurde. Unter Thomas Schuler wurde aus den Sammlungen das Stadtmuseum, das in das umgebaute Kornhaus einzog. Für den Umbau von 1986 bis 1992 war der Architekt Johannes Manderscheid zuständig. Zur Jahreszahl des Einzugs gibt es zwei Angaben: Eine Quelle zum Stadtmuseum nennt 1992, eine Quelle zum Kornhaus nennt 1991 als Eröffnung. Ich nenne Ihnen beide. Im Haus liegen drei Ebenen übereinander: unten die Wechselausstellungen, im zweiten Stock Lotte Reiniger, im dritten die Stadtgeschichte. Der stadthistorische Spaziergang dort oben hat genau die Themen, die Sie heute abgehen: Rathaus, Schloss, Stiftskirche, Oberstadt, Unterstadt, Marktplatz, Universitätsviertel, Studentenhäuser, Handwerkerviertel, Industrieviertel, Orte des politischen und kulturellen Engagements. Zu Lotte Reiniger ein Satz, der größer ist, als er klingt. Die Ausstellung heißt Die Welt in Licht und Schatten und zeigt Scherenschnitt, Schattentheater und Silhouettenfilm. Reiniger verwendete ihre Kunstfertigkeit im Scherenschnitt für Filme. Der erste abendfüllende Animationsfilm der Geschichte, Die Abenteuer des Prinzen Achmed, entstand zwischen 1923 und 1926 und machte sie weltbekannt. Papier, Schere, Licht. Seit 2015 betreibt das Haus systematisch Provenienzforschung, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Es untersucht, wem seine Objekte einst gehörten, und zwar vor allem mit Blick auf Kulturgut, das in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen wurde. Einige Objekte haben eine verdächtige Herkunft: jüdische Vorbesitzer, oder Kunsthandlungen, die nachweislich mit Raubgut gehandelt haben. Bei vielen ist die Provenienz noch nicht erschlossen, ein Verdacht kann sich erhärten oder gegenstandslos erweisen. Zurückgegeben wurden bereits eine Thorascheibe, ein Tuch mit hebräischer Inschrift und ein Fundamentstein der Tübinger Synagoge. 2019 zeigte die Ausstellung Abgestaubt! einige dieser Objektgeschichten. Ein Hinweis zum Weitergehen: Gleich neben der Eingangstür steht jeden Monat von außen sichtbar ein besonderes Objekt. Schauen Sie hin, bevor wir in die Unterstadt hinuntergehen.
Sie stehen vor dem Stadtmuseum in der Kornhausstraße 10, in einem über fünfhundert Jahre alten Kornhaus. Es zeigt sechshundert Jahre Stadtgeschichte und eine Dauerausstellung zur Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger. Dazu kommen vier bis sechs Wechselausstellungen im Jahr.
In diesem alten Haus ist das Museum der Stadt. Früher wurde hier Getreide gelagert, heute stehen Bilder und Dinge aus sechshundert Jahren darin. Die Sammlung hat ein Bürgermeister angefangen, vor etwa hundertdreißig Jahren. Er hieß Julius Gös und kaufte alte Bilder von Tübingen, damit später jeder sehen kann, wie die Stadt früher ausgesehen hat. Im zweiten Stock geht es um Lotte Reiniger. Sie hat aus schwarzem Papier Figuren geschnitten und sie vor einer Lampe Stück für Stück bewegt und fotografiert. So entstand ein Film, der erste lange Zeichentrickfilm der Welt. Er heißt Die Abenteuer des Prinzen Achmed. Direkt neben der Eingangstür steht jeden Monat ein anderes besonderes Ding. Schau mal, was heute dort liegt.
Koordinaten: 48.521156, 9.053415 · auf der Karte