Sie stehen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Dieses Haus ist in Schichten gewachsen, und jede Schicht hat einen Grund. Sehen Sie es sich von unten nach oben an. Am Anfang stand ein Kauf. Ab dem 28. Mai 1433 erwarb die Stadt verschiedene Häuser am Marktplatz, um sie abzureißen. Ab 1435 entstand an ihrer Stelle das Rathaus, ein zweistöckiger alemannischer Fachwerkbau. Das Stadtgericht hielt seine Verhandlungen zu dieser Zeit noch nach altem Brauch unter freiem Himmel ab, wahrscheinlich auf diesem Platz. Später zog es ins Haus. Die erste bekannte Urkunde einer Gerichtsverhandlung im Rathaus trägt das Datum 19. September 1458, offiziell dokumentiert wurde die Verlegung durch eine Urkunde Kaiser Friedrichs III. vom 12. August 1471. Dann wuchs das Haus nach oben, weil das Gericht wuchs. Zwischen 1495 und 1496 ließ Graf Eberhard im Bart ein Stockwerk aufsetzen, in dem der Gerichtssaal lag. 1508 folgte wahrscheinlich ein drittes Obergeschoss. Und am 18. August 1514 wurde Tübingen zum ständigen Sitz des Hofgerichts des Landes Württemberg bestimmt, als Dank für die Haltung der Stadt während des Aufstands des Armen Konrads. Fast dreihundert Jahre blieb es dabei. Erst am 30. März 1805 wurde das Hofgericht nach Stuttgart verlegt. Im Erdgeschoss ging es weniger erhaben zu. Dort waren bis ins 16. Jahrhundert ein Gefängnis, eine Bäckerei, eine Metzgerei und ein Zuchthäuslein untergebracht, der Keller stand dem Spital zur Verfügung. 1548 kam ein Salzhaus an, dazu eine Erweiterung nach Westen. Im ersten Stock entstand 1596 der Öhrn, ein Empfangs- und Warteraum mit Holzgestaltungen aus dem 15. Jahrhundert. Dort liegen auch die Lederbühne, ein Versammlungsort der Bürgerschaft, sowie Verkaufsräume von Gerbern und das Salzmagazin der Stadt. Jetzt schauen Sie an der Fassade hoch. 1511 konstruierte der Tübinger Professor Johannes Stöffler, geboren 1452, gestorben 1531, die astronomische Uhr und brachte sie an. Bis 1849 hing sie neben der Rathauskanzlei, danach wurde sie in den Turm umgesetzt. Das originale Zifferblatt liegt im Stadtmuseum, zu dem wir noch kommen. Suchen Sie dann die Südostecke. Dort wurde um 1600 eine Plastik angebracht, eine Bacchantin, die trunken ihr Kleid hinter sich wirft. Sie verweist nach St. Urban, dem Patron der Weingärtner, auf die Bedeutung dieses Platzes als Umschlagplatz für Wein. Die bemalte Fassade, die Sie sehen, ist jünger als das Haus. 1876 erhielt sie zum vierhundertjährigen Jubiläum der Universität eine Sgraffito-Bemalung von Ludwig Lesker. Gewünscht war eine altertümliche Skizze, geliefert wurde Neurenaissance der Gründerzeit. Gemalt sind Allegorien der Gerechtigkeit, des Wohlstands und der Wissenschaft. Die Friese im ersten Stock zeigen Personen der Stadt, darunter den Vogt Konrad Breuning, den Bürgermeister Heinrich Dann und den Dichter Ludwig Uhland. Zuletzt die Zahlen zum Bau: etwa zwanzig Meter lang, etwa fünfzehn Meter breit, etwa zwanzig Meter bis zur Traufe und etwa dreißig bis zum First. Von 2012 bis 2015 wurde für rund elf Millionen Euro saniert, unter anderem wegen statischer Mängel, die frühere Sanierungen verursacht hatten. Bei der Arbeit kam der vergessene Hofgerichtssaal wieder zum Vorschein.
Sie stehen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Es wurde ab 1435 als zweistöckiger Fachwerkbau erbaut und mehrfach aufgestockt. Von etwa 1471 bis 1805 tagte hier das Hofgericht des Landes Württemberg. An der Fassade hängt eine astronomische Uhr von 1511.
Du stehst vor dem Rathaus am Marktplatz. Hier arbeitet die Stadtverwaltung, und hier wurde früher Recht gesprochen. Zuerst saßen die Richter draußen auf dem Platz, bei jedem Wetter. Ab 1435 bauten sie ein Haus, erst zwei Stockwerke, dann drei, dann vier. Das Haus wuchs nach oben, weil immer mehr Platz gebraucht wurde. Im Erdgeschoss war früher ein Gefängnis, daneben eine Bäckerei und eine Metzgerei. Alles in einem Haus. Jetzt schau an der Wand nach oben. Dort hängt eine besondere Uhr. Ein Professor hat sie 1511 gebaut, und sie zeigt nicht nur die Zeit, sondern auch, wo der Mond und die Sterne stehen. Suche auch die bunte Malerei an der Wand und den Mann mit dem langen Bart. Findest du die Uhr?
Koordinaten: 48.5203, 9.05324 · auf der Karte