Stadtohr

Stadtrundgang Tübingen · Station 11 von 16

Nonnenhaus Tübingen

· fachwerk, beginen, botanik, denkmalpflege

Ausführlich

Sie stehen vor dem Nonnenhaus, und es hat zwei Geschichten, eine mittelalterliche und eine sehr junge. Das Haus ist eines der am besten erhaltenen Beginenhäuser Deutschlands. Beginen waren Frauen, die religiös zusammenlebten, ohne einem Orden anzugehören. Vermutlich bewohnten 1488 zunächst Dominikanerinnen das Fachwerkhaus, dann die Beginen, die Nonnen, von denen es seinen Namen hat. Gehen Sie ein paar Schritte zurück und schauen Sie die Fassade entlang: dreißig Meter Länge. Damit zählt es zu den größten Fachwerkhäusern der Tübinger Altstadt. In der Reformationszeit, nach der Auflösung der Klöster, kam das Haus 1534 in den Besitz des Medizinprofessors und Botanikers Leonhart Fuchs. Damit hängt es an einer Station, an der Sie gerade waren. Fuchs kultivierte im anliegenden Garten zahlreiche Arzneipflanzen, und dieser Garten war der Ursprung des Tübinger Botanischen Gartens. Der Alte Botanische Garten, in dem Sie eben standen, trägt in Wikidata das Jahr 1535 und meint damit diesen Garten hier. Die zweite Geschichte ist die der Reparatur, und sie ist ungewöhnlich gut dokumentiert. Bis Mai 2008 wurde das spätmittelalterliche Gebäude zwölf Monate lang historiengetreu renoviert. Heute bietet es auf über 800 Quadratmetern Platz für Wohnungen und zwei Ladengeschäfte. Eine Geigenwerkstatt erreicht man über die Außentreppe ins Sprachhaus. Dieses Sprachhaus ist der Hausvorbau zum Ammerkanal hin, und er diente vormals als Abort. Das Wort ist höflicher als die Sache. Ein Detail, für das es sich lohnt, hineinzugehen. In der Buchhandlung im Erdgeschoss ist vor der Ladentheke ein Sichtfenster in den Boden eingelassen. Darunter liegt der historische Ziegelestrich aus dem Erbauungsjahr 1488. Der heutige Fußbodenbelag ist diesem Estrich nachempfunden. Sie laufen also über eine Kopie und schauen durch ein Fenster auf das Original. Für die Instandsetzung bekam das Haus mehr Auszeichnungen als die meisten Neubauten. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg ernannte es zum Denkmal des Monats April 2008. Die Eigentümer erhielten im selben Jahr den Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg des Schwäbischen Heimatbunds. Im Mai 2012 kam der KfW-Award Bauen und Wohnen dazu. Drei Preise für ein Haus, das man nicht neu gebaut hat. Von hier gehen wir zur Collegiumsgasse, wo einmal ein Kloster stand.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Nonnenhaus, einem der am besten erhaltenen Beginenhäuser Deutschlands. Vermutlich wohnten hier 1488 zuerst Dominikanerinnen, dann Beginen. Mit dreißig Metern Länge ist es eines der größten Fachwerkhäuser der Altstadt. 1534 kam es an Leonhart Fuchs.

Für Kinder

Dieses lange Fachwerkhaus heißt Nonnenhaus. Es ist dreißig Meter lang, also etwa so lang wie zwei Busse hintereinander. Gebaut wurde es 1488. Darin wohnten Frauen zusammen, die man Beginen nannte. Sie lebten wie Nonnen, gehörten aber zu keinem Kloster. Später zog ein Professor ein, der sich mit Heilpflanzen beschäftigte. Er pflanzte im Garten hinter dem Haus Kräuter und Blumen, mit denen man Kranke behandeln konnte. Aus diesem Garten wurde später der große Botanische Garten der Stadt. Geh in die Buchhandlung im Erdgeschoss. Vor der Kasse ist ein Fenster im Boden eingebaut. Dadurch siehst du den echten Boden aus dem Jahr 1488, auf dem schon die Beginen gelaufen sind.

Quellen

Koordinaten: 48.5219, 9.05583 · auf der Karte

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