Stadtohr

Stadtrundgang Tübingen · Station 10 von 16

Alter Botanischer Garten

1535 · park, botanik, palmenhaus, denkmal

Ausführlich

Sie stehen im Alten Botanischen Garten, nördlich der Altstadt, zwischen der Straße Am Stadtgraben und der Ammer. Heute ist es ein Stadtpark, und unter dem Gras liegen mehrere Anlagen übereinander. Zuerst zum Datum. Wikidata nennt 1535. Das ist das Jahr, ab dem der Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs Professor in Tübingen war. Er wohnte im Nonnenhaus und legte dort einen Heilpflanzengarten an, den ersten botanischen Garten der Stadt. Danach wechselten die Standorte mehrmals. Die Anlage, in der Sie stehen, ist jünger: Herzog Friedrich ordnete sie in einem Dekret von 1804 an und beauftragte Carl Friedrich Kielmeyer mit dem Aufbau, entstanden ist sie zwischen 1806 und 1809. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Das Nonnenhaus sehen Sie bald. Auch vorher war hier etwas. Anfang des 17. Jahrhunderts lag an dieser Stelle der Tummelgarten, den die adeligen Studenten des Collegium Illustre für Kämpfe und Turniere nutzten. Im Südosten standen Reitschule und Reitbahn, die Bahn entlang dem Ammerkanal, der damals offen durch den Garten floss. Heute ist der Kanal ab der Straße Am Stadtgraben überdeckt und für Sie nicht mehr zu sehen. Und noch eine Schicht. Als der Garten entstand, lag nördlich der Ammer im Westen der Gottesacker, der damalige Stadtfriedhof, von dem wir gerade kommen. Nachdem 1829 der neue Friedhof eröffnet war, wurde hier schnell nicht mehr beerdigt. Um 1850 legte man auf dem Gelände ein Arboretum an und machte beide Flächen zu einer. Eine Quelle sagt es trocken: Nicht eingeweihte Besucher merken nicht, dass es ursprünglich verschiedene Anlagen waren. Jetzt wissen Sie es. Das Gebäude, das diesem Garten fehlt, war sein wichtigstes. 1839 wurde der alte Gewächshaus-Komplex durch ein großes Haus aus Stein und Glas ersetzt, Palmenhaus oder Orangerie genannt. 1885 und 1886 kam an seine Stelle ein neues Palmenhaus aus Glaspaneelen und Metallverstrebungen, mit Stilelementen der Neurenaissance und des Jugendstils, der Sockel aus Gönninger Tuffsteinen. Es war in Südwestdeutschland das einzige Bauwerk dieser Art und orientierte sich architektonisch am großen Kristallpalast der ersten Weltausstellung in London von 1851. 1970 wurde es abgetragen, trotz zahlreicher Bürgerproteste, obwohl es als eines der wenigen erhaltenen Glas-Eisen-Bauten Süddeutschlands galt. Suchen Sie die leichte Erhöhung mit der kleinen Platanenallee. Dort stand es. Zwei Menschen aus diesem Garten sollen Sie kennen. Der Pflegearbeiter Christian Schmid arbeitete hier knapp dreiundvierzig Jahre, vom 30. März 1886 bis 1930. Besucher nannten ihn Schwägerle, und 1927 wurde er nicht nur von der Leitung und der württembergischen Regierung, sondern auch von Reichspräsident Hindenburg gewürdigt. Und Carl Correns arbeitete hier von 1894 bis 1902 als Privatdozent an Pflanzenkreuzungen. Aus diesen Versuchen gelang es ihm, die wiederentdeckten Mendelschen Regeln neu zu formulieren. In diesem Garten wurde die Vererbungslehre neu geschrieben. Zum Schluss der Lorbeerkranz, den ich Ihnen am Friedhof versprochen habe. Am östlichen Rand der Grünfläche steht seit 1881 das Hölderlin-Denkmal, eine Marmorskulptur, die Emmerich Andresen bereits 1872 für die Weltausstellung 1873 in Wien geschaffen hatte. Es stellt nicht den Dichter dar, sondern den Genius des Ruhms, der dem Dichter einen Lorbeerkranz reicht. Die Statue hielt den Kranz in der rechten Hand. Der rechte Arm fehlt heute. Am Grab ein Haken ohne Kranz, hier ein Arm, der ihn nicht mehr halten kann.

Kurzfassung

Sie stehen im Alten Botanischen Garten, heute ein Stadtpark. Ein Dekret Herzog Friedrichs von 1804 ordnete die Anlage an, entstanden ist sie zwischen 1806 und 1809. Bis 1970 war sie der Botanische Garten der Universität. Die Gesamtanlage gilt als Kulturdenkmal.

Für Kinder

Dieser Park war früher ein Garten der Universität. Dort wurden Pflanzen aus der ganzen Welt gezogen, um sie zu erforschen. Vor dem Garten war hier ein Übungsplatz, auf dem adelige Studenten gekämpft und Turniere geritten sind. Und daneben lag sogar einmal ein Friedhof. Das Schönste in diesem Garten gibt es nicht mehr: ein großes Haus aus Glas und Eisen, das Palmenhaus. Darin standen Palmen, mitten in Deutschland, auch im Winter. 1970 wurde es abgerissen, obwohl viele Leute dagegen waren. Heute ist dort nur ein kleiner Hügel mit Bäumen. Suche die große Buche mit dem Zaun darum. Sie ist älter als der Park. Und suche die weiße Figur aus Stein. Sie hält einen Kranz für den Dichter Hölderlin in der Hand. Nur: Der Arm fehlt. Siehst du es?

Quellen

Koordinaten: 48.5234, 9.0571 · auf der Karte

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