Sie stehen vor St. Gangolf, der Markt- und Stadtkirche von Trier. Nach dem Dom ist sie der älteste Kirchenbau der Stadt, und neben Dom und Liebfrauenkirche gilt sie als eines ihrer Wahrzeichen. Sehen werden Sie davon zunächst wenig. Die Kirche steht hinter einer Häuserreihe südlich des Hauptmarkts und ist von jeher fast vollständig von Häusern umgeben. Nur die Ostseite grenzt beinahe an die Grabenstraße, und selbst dort sind ebenerdig niedrige Geschäftsbuden vorgebaut, im Volksmund Gädemcher genannt. Diese Verkaufsstände gibt es bereits seit dem Mittelalter. Vom Hauptmarkt kommt man nur durch ein kleines Rokoko-Tor hinein, das der Augustiner Joseph Walter 1731 und 1732 zwischen zwei Häuser setzte. Über dem Torbogen steht in einer Muschelnische der heilige Gangolf mit Schild und Speer. In dem Medaillon über der Statue steckt das Baujahr: Die übergroßen Buchstaben der lateinischen Inschrift sind römische Zahlen, und zusammengezählt ergeben sie 1732. Die Baugeschichte in drei Schritten: Die erste Marktkirche wurde 958 errichtet, zwischen 1284 und 1344 durch einen Neubau ersetzt, und das heutige spätgotische Bauwerk ging aus einer um 1500 begonnenen Erneuerung hervor. Barocke Elemente kamen 1731 und 1746 hinzu. Jetzt zum Turm, denn an ihm hängt ein Machtkampf. Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden die ersten vier Geschosse des Westturms. 1507 kamen dank einer Stiftung der Bürgermeisterwitwe Adelheid von Beßlich die beiden oberen Stockwerke mit der Turmgalerie und den vier kleinen Ecktürmchen hinzu. Damit war der Turm zweiundsechzig Meter hoch, und das war ein Problem. Er überragte die Türme des Trierer Doms. Daraufhin ließ Erzbischof Richard von Greiffenklau den Südturm des Doms aufstocken. Eine Bürgerstiftung baut einen Turm, und der Erzbischof baut höher. Hören Sie abends um zehn in diese Richtung. Dann schlägt die Gangolfglocke, die sogenannte Lumpenglocke. Gegossen hat sie 1475 Nicolaus von Enen, und ihren Namen erhielt sie, weil sie früher die abendliche Sperrstunde einläutete. Sie gehört so sehr in die Trierer Lokalkultur, dass ihr Klang in der ersten Radiosendung aus Trier am 16. Juni 1930 über den Äther ging. Im Turm hängt außerdem die Zündel, eine Feuerglocke aus dem Mittelalter. Die zwei Türmer der Stadt hatten im Brandfall die Aufgabe, tagsüber mit einer Fahne und nachts mit einer Laterne in die Richtung des Feuers zu weisen. Der letzte Türmer arbeitete hier bis 1905. Innen ist das bedeutendste Stück die Ausmalung hinter dem Altar, ein hundertfünfzehn Quadratmeter großes Fresko von August Gustav Lasinsky aus der Zeit um 1850. Es gilt als eines der bedeutendsten Werke nazarenischer Monumentalmalerei. Links unten steht darauf der heilige Gangolf in Ritterrüstung und trägt ein Modell seiner Kirche auf dem Arm. Von Sommer 2020 bis Frühjahr 2023 wurde St. Gangolf umfangreich saniert, weil vom Dach Wasser eindrang. Säulen und Gewölberippen waren lange gelb gehalten und sind jetzt wieder rot mit weißen Fugenstrichen, nach gefundenen Spuren der Originalbemalung. Am Ostermontag 2023 wurde die Kirche wieder eröffnet.
Sie stehen vor St. Gangolf, der Markt- und Stadtkirche von Trier. Nach dem Dom ist sie der älteste Kirchenbau der Stadt. Die erste Marktkirche wurde 958 errichtet, das heutige spätgotische Gebäude ging aus einer um 1500 begonnenen Erneuerung hervor. Die Kirche ist fast vollständig von Häusern umbaut.
Diese Kirche ist nach dem Dom die älteste in Trier. Du siehst sie fast nicht, denn rundherum stehen Häuser, und davor sind kleine Läden gebaut. Die gibt es hier schon seit dem Mittelalter. Vom Marktplatz führt nur ein kleines Tor hinein. Der Turm ist zweiundsechzig Meter hoch, und damit war er höher als die Türme am Dom. Das wollte der Erzbischof nicht, also ließ er einen Domturm höher bauen. Abends um zehn schlägt hier eine Glocke von 1475. Früher bedeutete das: Jetzt gehen alle nach Hause. Hättest du Lust, ihr abends zuzuhören?
Koordinaten: 49.756244, 6.640761 · auf der Karte