Sie stehen vor der Steipe am Hauptmarkt, und wir kommen zur eigentlichen Geschichte dieser Stadt. Der Vorgängerbau hieß bereits Stype, trierisch für Stütze, und war das älteste Trierer Gemeindehaus, das im 14. Jahrhundert zeitweise als Rathaus genutzt wurde. Die Steipe selbst wurde um 1430 als Fest- und Empfangsgebäude der Bürgerschaft erbaut, an der Einmündung von Fleisch- und Dietrichstraße in den Hauptmarkt, und bereits 1481 bis 1483 weitgehend umgebaut. Sie diente als Filiale des damaligen Rathauses am Kornmarkt, besonders für repräsentative Anlässe. In der Bauform folgt sie den älteren Trierer Wohntürmen, von denen der Turm Jerusalem, der Frankenturm, der Konviktsturm und das Dreikönigenhaus erhalten sind. Deren Wehrfunktionen sind hier aber nur noch spätgotisches Zitat. Das Haus hat vier Geschosse, einen Zinnenkranz und ein steiles Walmdach. Im Erdgeschoss hat es offene Spitzbogenarkaden, und deren Säulen, auf trierisch Steipen, also Stützen, gaben dem Bau seinen Namen. Zwischen den Arkaden stehen die Trierer Stadtpatrone: von links Jakobus der Ältere, Helena, Petrus und Paulus. Jetzt schauen Sie eine Etage höher. Dort stehen zwei Ritter in voller Rüstung. Sie repräsentierten die städtische Freiheit, vergleichbar den norddeutschen Rolandsstatuen. Und nun sehen Sie genau hin, denn hier wird aus Architektur Politik. Die linke Figur ist der Bürgerkirche St. Gangolf zugewandt und trägt ihr Visier zur Kirche hin offen. Die rechte Figur ist dem kurerzbischöflichen Dom zugewandt, und ihr Visier ist geschlossen. Offen zu den Bürgern, geschlossen zum Erzbischof. Deutlicher kann ein Haus nicht sprechen. Die Figuren, die Sie sehen, sind Kopien. Die Originale wurden vor der Kriegszerstörung abgenommen und befinden sich im Stadtmuseum Simeonstift. Am 21. Dezember 1944 wurde die Steipe vollkommen zerstört. Nur ein quadratischer Treppenturm im Nordwesten blieb stehen. Nach dem Krieg wurde das Gelände die Terrasse eines Cafés. Dann kam eine Debatte, die Jahre dauerte. Diskutiert wurde, an dieser Stelle ein modernes Gebäude zu errichten. Entschieden haben am Ende der Wunsch der Bürgerschaft, das historische Wahrzeichen zurückzuerhalten, und Zweifel daran, ob ein moderner Bau sich in dieses Stadtbild fügen würde. Von Mai 1968 bis Juli 1970 wurde der Gebäudekomplex originalgetreu wieder aufgebaut, zusammen mit dem Roten Haus daneben. Dass die Farben stimmen, ist einem Zufall zu danken: Kurz vor dem Krieg hatte man bei einer Restaurierung genaue Untersuchungen vorgenommen. Spätere Veränderungen ließ man beim Wiederaufbau weg, zugunsten eines ursprünglichen Zustands, der nicht immer ganz sicher nachweisbar war. Was Sie hier sehen, ist also eine Rekonstruktion, und zwar eine, über die lange gestritten wurde. Heute sind in der Steipe eine Gaststätte im Ratskeller, ein Café im Erdgeschoss und in den oberen Geschossen ein Spielzeugmuseum. Wikidata nennt für dieses Gebäude das Jahr 1970. Das ist das Jahr des Wiederaufbaus. Erbaut wurde die Steipe um 1430.
Sie stehen vor der Steipe am Hauptmarkt. Sie wurde um 1430 als Fest- und Empfangsgebäude der Bürgerschaft erbaut. Der Name kommt von den Säulen der Arkaden im Erdgeschoss, auf trierisch Steipen, also Stützen. Am 21. Dezember 1944 wurde sie vollkommen zerstört und von 1968 bis 1970 wieder aufgebaut.
Dieses Haus gehörte den Bürgern der Stadt. Hier haben sie Feste gefeiert und Gäste empfangen, ab etwa 1430. Unten tragen Säulen das Haus. Auf trierisch heißen Säulen Steipen, davon kommt der Name. Schau nach oben zu den beiden Rittern aus Stein. Der linke schaut zur Kirche der Bürger, und sein Helm ist offen. Der rechte schaut zum Dom des Erzbischofs, und sein Helm ist zu. Damit wollten die Bürger sagen: Dir trauen wir, dir nicht. Im Krieg wurde das Haus ganz zerstört und später genau so wieder aufgebaut. Welchen Helm hättest du offen gelassen?
Koordinaten: 49.7567, 6.64083 · auf der Karte