Stadtohr

Stadtrundgang Trier · Station 11 von 16

Rotes Haus

1684 · buergerhaus, inschrift, sage, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Roten Haus in der Dietrichstraße am Markt. Gebaut wurde es 1684 durch den Baumeister Wolfgang Stuppeler für den Domsekretär Johann Wilhelm Polch. Aber hier geht es um einen Satz, nicht um ein Haus. Schauen Sie auf die Frontseite. Dort steht in lateinischen Großbuchstaben: Eher als Rom stand Trier eintausend und dreihundert Jahre. Möge es weiter bestehen und sich ewigen Friedens erfreuen. Amen. Das ist eine Ansage. Eine Stadt, die seit der Antike nach Rom hin ausgerichtet war, deren Kaiserpalast, deren Thermen und deren Stadttor römisch sind, schreibt an ihren Marktplatz, dass sie älter sei als Rom. Dreizehnhundert Jahre älter. Das stimmt nicht. Die Zeilen beziehen sich auf eine Sage, die 1105 erstmals aufgezeichnet wurde: Trier sei von Trebeta gegründet worden, einem legendären assyrischen Prinzen. Tatsächlich gründeten die Römer die Stadt, wie wir am Ensemble gehört haben, kurz vor der Zeitenwende. Dass diese Sage einmal geglaubt wurde, lässt sich an anderer Stelle zeigen. Der mittelalterliche Autor der Gesta Treverorum, der auch den Namen Porta Nigra zum ersten Mal erwähnt, ging davon aus, Trier sei im Jahr 203 vor Christus von den Treverern erbaut worden. Die Inschrift am Roten Haus ist also kein Scherz, sondern ein Rest städtischen Selbstbewusstseins aus einer Zeit, in der man die eigene Vorgeschichte noch frei erzählen konnte. Es gibt noch eine Verwirrung mit diesem Haus, und die hat mit dem Nachbarn zu tun. Von 1807 an war die Steipe gleich daneben in Privatbesitz und wurde als Hotel mit Weinstube genutzt. Es entstand der Gasthof zum rothen Haus, der sich mindestens über das Rote Haus und die Steipe erstreckte. Auch die Steipe trug an ihrer Fassade den Namenszug Red House, und so hielt sich die Bezeichnung Rotes Haus für beide Gebäude noch weit bis ins 20. Jahrhundert. Wenn Sie in Trier von einem Roten Haus lesen, müssen Sie also prüfen, welches gemeint ist. Am 21. Dezember 1944 wurde dieses Haus zerstört. Es ist derselbe Tag, an dem auch die Steipe vollkommen zerstört wurde, und wir werden an der nächsten Station darüber sprechen, was danach geschah. Von 1968 bis 1970 wurde das Rote Haus wiederaufgebaut, zusammen mit der Steipe. Was Sie also lesen, ist eine wiederhergestellte Inschrift an einem wiederhergestellten Haus, und sie wünscht der Stadt ewigen Frieden. Heute befindet sich im Haus ein Café.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Roten Haus in der Dietrichstraße am Marktplatz. Gebaut wurde es 1684 durch den Baumeister Wolfgang Stuppeler für den Domsekretär Johann Wilhelm Polch. Am 21. Dezember 1944 wurde es zerstört und von 1968 bis 1970 wiederaufgebaut. Auf der Frontseite steht eine lateinische Inschrift.

Für Kinder

Lies mal die Schrift an der Hauswand. Sie ist auf Latein und bedeutet: Trier stand schon 1300 Jahre, bevor es Rom gab. Das ist eine tolle Behauptung, aber sie stimmt nicht. Sie kommt von einer alten Sage. Darin gründet ein Prinz aus einem fernen Land die Stadt. Wirklich gegründet haben Trier die Römer. Trotzdem haben die Leute den Satz 1684 an ihr Haus geschrieben, weil sie stolz waren. Im Krieg wurde das Haus am 21. Dezember 1944 zerstört und später wieder genauso aufgebaut. Welchen Satz würdest du an dein Haus schreiben?

Quellen

Koordinaten: 49.7568, 6.64077 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.