Stadtohr

Stadtrundgang Trier · Station 10 von 16

Museum Karl-Marx-Haus

1727 · geburtshaus, museum, barock, zeitgeschichte

Ausführlich

Sie stehen vor dem Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße. Schauen Sie zuerst das Haus an, nicht den Namen. Es wurde 1727 im typischen Trierer Barockstil für die Beamtenfamilie Polch erbaut: zweistöckig, traufständig, fünf Fensterachsen, segmentbogige Fenstergewände mit Keilsteinen, Mansarddach. Das entsprach dem regionalen Bauschema der Saar-Mosel-Region im 18. Jahrhundert. Es ist ein normales Haus. Die Besitzgeschichte ist die eines normalen Hauses: 1802 vermachte eine Hofratswitwe es der Pfarrkirche St. Laurentius, drei Jahre später wurde es an einen Apotheker versteigert. Nach dem Tod der Eheleute zog im April 1818 die jüdische Familie Marx zur Miete ein. Karl Marx kam hier am 5. Mai 1818 als drittes Kind des Advokaten Heinrich Marx und dessen Ehefrau Henriette zur Welt. Gewohnt hat die Familie hier gut ein Jahr. Im Oktober 1819 bezog sie ein kleineres, gekauftes Wohnhaus in der Simeongasse, der heutigen Simeonstraße, nahe der Porta Nigra. Dort erinnert heute nur noch eine Gedenktafel. Danach passierte dem Haus, was Häusern passiert. Nach einem Brand, der das Mansarddach zerstörte, wurde es 1875 um eine Etage erhöht. 1893 kam im Erdgeschoss ein Ladenlokal hinein, 1901 der Anschluss an die Kanalisation. 1909 erwarb ein Glasermeister das Haus bei einer Zwangsversteigerung. Dass hier jemand geboren wurde, war vergessen. Erst 1904 entdeckte der sozialdemokratische Grafiker Friedrich Schnetter eine Umzugsanzeige von Heinrich Marx in der Trier'schen Zeitung vom 5. April 1818. Danach wird die Geschichte des Hauses zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Nachdem die KPD 1926 mit einem Kaufversuch gescheitert war, gelang es der SPD 1928, das Haus für 93.739 Goldmark zu erwerben. Ab 1930 restaurierte der Trierer Architekt Gustav Kasel es und versuchte, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen: Das aufgesetzte Stockwerk wurde abgetragen, das Mansarddach rekonstruiert, die Schaufenster entfernt. Geplant war die Eröffnung als Haus der Arbeiterschaft, mit Museum und internationaler Forschungsstelle, zum 113. Geburtstag von Marx am 5. Mai 1931. Dazu kam es nicht. Die Arbeiten gingen langsam voran, und in der Endphase der Weimarer Republik war das Haus wegen seiner Symbolkraft Gegenstand politischer Kontroversen. Am 6. März 1933 besetzte die Sturmabteilung das Haus, am 4. Mai wurde es zwangsenteignet und danach als Druckerei der lokalen NSDAP-Parteizeitung genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zu dreiunddreißig Prozent beschädigt, konnte aber nach 1945 saniert werden. Am 5. Mai 1947 wurde zunächst nur das Geburtszimmer für die Öffentlichkeit geöffnet, die übrigen Räume blieben Büros. 1968 eröffnete Willy Brandt das Museum neu. Am 10. September 1987 besuchte der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, das Haus gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel, und legte einen Kranz nieder. Honecker sah darin einen besonderen Höhepunkt seiner Reise. Zur Neueröffnung am 5. Mai 2018, dem 200. Geburtstag, war unter anderen Günther Jauch anwesend, dessen Vorfahre als zweiter Bürgermeister Triers die Geburtsurkunde von Karl Marx unterzeichnet hatte. Rund sechzig Prozent der Besucher kommen heute aus dem Ausland, der Großteil davon aus China.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße. Gebaut wurde es 1727 im typischen Trierer Barockstil für die Beamtenfamilie Polch. Hier kam Karl Marx am 5. Mai 1818 als drittes Kind des Advokaten Heinrich Marx zur Welt. Seit 1947 ist das Haus ein Museum.

Für Kinder

In diesem Haus wurde am 5. Mai 1818 Karl Marx geboren. Er hat später Bücher darüber geschrieben, wie Arbeit, Geld und Macht zusammenhängen, und viele Länder haben sich danach gerichtet. Gewohnt hat seine Familie hier nur ungefähr ein Jahr, dann zog sie um. Danach vergaßen alle, dass hier jemand Besonderes geboren wurde. Erst 1904 fand ein Mann in einer alten Zeitung eine Umzugsanzeige von Marx' Vater. So wusste man es wieder. Heute ist das Haus ein Museum. Die meisten Besucher kommen aus anderen Ländern, besonders aus China. Würdest du am Haus ein Schild anbringen?

Quellen

Koordinaten: 49.753889, 6.635556 · auf der Karte

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