Sie stehen in den Barbarathermen. Diese Anlage hatte die größte Grundfläche aller römischen Thermen, die nördlich der Alpen errichtet wurden, und zu ihrer Zeit war sie die zweitgrößte im ganzen Römischen Reich. Nur die Trajansthermen in Rom waren von der Fläche größer. Gebaut wurde sie in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts, als die Thermen am Viehmarkt für die wachsende Stadtbevölkerung wahrscheinlich zu klein geworden waren. Die Maße: 172 mal 240 Meter, zusammen 42.500 Quadratmeter. Dafür wurden zwei Wohnblöcke und eine Straße überbaut. Ein solches Bauprogramm kann nur als staatlich finanziertes Projekt erklärt werden. Das Wasser kam über die Ruwerwasserleitung. Das Badegebäude selbst war 172 mal 96 Meter groß und entlang einer Achse von Norden nach Süden geplant, mit zwei weitgehend gleichen Badetrakten links und rechts davon. Vor der langen Eingangsfront im Norden lag der große Hof der Palaestra. Innen folgten kleinere Kaltwasserbecken, dann ein Raum mit Kreuzgratgewölbe, dann das zentrale Laubad, ein kreuzförmiger beheizter Raum. Das Heißbad war zwanzig mal dreißig Meter groß und sprang weit aus der südlichen Front hervor. Aus ihr ragten zwei Großwannen als Apsiden heraus, jede dreizehn mal dreiundzwanzig Meter. Der Grundriss war so angelegt, dass alle Räume natürliches Tageslicht bekamen und leicht zu belüften waren. Die Germaneneinfälle des 3. Jahrhunderts überstand die Anlage anscheinend ohne größere Schäden. Münz- und Keramikfunde bezeugen eine Nutzung bis zum Ende des 4. Jahrhunderts. Eingestellt wurde der Betrieb mit den Zerstörungen Triers zu Beginn des 5. Jahrhunderts. Danach baute man darin Wohnungen ein, was als Beginn der Vorstadt St. Barbara gedeutet wird. Von dieser Vorstadtkirche St. Barbara kommt übrigens der Name der Thermen. Und nun erkläre ich Ihnen, warum hier so wenig steht. Die Größe der Anlage führte in nachrömischer Zeit zu allerlei Nutzungen, unter anderem als Steinbruch. Frühchristliche Grabinschriften deuten auf eine Kirche, möglicherweise schon in merowingischer Zeit. Im Mittelalter wurden wehrhafte Bauten hineingesetzt. Auf der Stadtansicht von Matthäus Merian und auf einer Zeichnung von Alexandre Wiltheim um 1620 ist die Anlage als Ruine zu erkennen. Diese beiden sind die einzigen detaillierten Zeichnungen des Baus, und sie sind gleichzeitig die letzten. Ab 1611 dienten die Barbarathermen als Steinbruch für den Bau des Jesuitenkollegs. Die übrig gebliebenen Reste sprengte 1675 der französische General Vignory im Eroberungskrieg Ludwigs XIV., um im Umkreis der Stadt aus taktischen Gründen ein freies Feld zu schaffen. Der rücksichtslose Umgang mit den antiken Hinterlassenschaften hatte da schon eine gewisse Tradition. Bereits Kaiser Maximilian I. ließ die noch aufrecht stehenden Gebäudeteile während des Trierer Reichstages 1512 zu Testzwecken mit Kanonen beschießen. Man hat hier also auf das größte Badehaus nördlich der Alpen geschossen, um Kanonen auszuprobieren. Seit dem Jahr 2000 war die Anlage für Besucher gesperrt, um die Ruinen zu restaurieren. Am 23. Juli 2015 wurde sie wieder geöffnet. Über einen neu angelegten Steg mit Infotafeln können Sie hineingehen, der Startpunkt liegt am Beginn der Friedrich-Wilhelm-Straße. Eintritt kostet es nicht.
Sie stehen in den Barbarathermen. Diese Thermenanlage hatte die größte Grundfläche, die nördlich der Alpen errichtet wurde: 172 mal 240 Meter. Gebaut wurde sie in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Zu ihrer Zeit war sie die zweitgrößte Therme im Römischen Reich. Nur die Trajansthermen in Rom waren größer.
Hier stand das größte römische Badehaus nördlich der Alpen. Es war 172 Meter breit und 240 Meter lang, größer als zwanzig Fußballfelder zusammen wären es nicht, aber groß genug für zwei ganze Wohnblöcke und eine Straße. Nur ein Badehaus in Rom war noch größer. Heute siehst du fast nur Fundamente. Das hat einen Grund: Die Leute haben sich die Steine geholt, um Häuser zu bauen. 1675 sprengten französische Soldaten den Rest. Und schon vorher, 1512, hat ein Kaiser mit Kanonen darauf schießen lassen, nur zum Ausprobieren. Was glaubst du, wo die Steine heute sind?
Koordinaten: 49.75, 6.63028 · auf der Karte