Stadtohr

Stadtrundgang Trier · Station 8 von 16

Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier

1986 · welterbe, roemerzeit, ensemble, christianisierung

Ausführlich

Sie stehen mitten im Welterbe. An dieser Station erzähle ich Ihnen den Zusammenhang hinter allem, was wir heute sehen. 1986 nahm die Unesco die römischen Denkmale, den Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche in Trier in die Liste des Welterbes auf. Zur Stätte gehören sieben römische Baudenkmäler: die Porta Nigra, die Römerbrücke, das Amphitheater, die Kaiserthermen, die Barbarathermen, die Konstantinbasilika und die Igeler Säule. Dazu kommen der Dom und die Liebfrauenkirche. Ein Bestandteil liegt gar nicht in der Stadt: Die Igeler Säule steht in Igel, rund sieben Kilometer moselaufwärts. Sie ist ein reich verzierter Grabpfeiler einer wohlhabenden Tuchhändlerfamilie aus dem 3. Jahrhundert, dreiundzwanzig Meter hoch, mit Reliefszenen aus dem Alltagsleben. Fangen wir mit dem Alter an, denn da gehen die Quellen auseinander. Eine Quelle zur Welterbestätte nennt das Jahr 17 vor Christus als Gründungsjahr der römischen Stadt Augusta Treverorum. Eine Quelle zur Porta Nigra sagt, die Stadt sei um 16 vor Christus gegründet worden. Und der Pfahl der ersten Römerbrücke im Landesmuseum datiert die Gründung nach seinen Jahresringen auf 18 oder 17 vor Christus. Drei Angaben, die sich um zwei Jahre unterscheiden. Ich nenne Ihnen alle drei. Was sie gemeinsam sagen: Diese Stadt ist über 2000 Jahre alt und beansprucht den Titel der ältesten Stadt Deutschlands. Die Lage an einer Moselquerung und an wichtigen Fernstraßen machte sie früh zu einem Handels- und Verwaltungszentrum im Nordwesten des Reichs. Im 1. Jahrhundert wurde Trier römische Kolonie, im 2. Jahrhundert entstanden die großen öffentlichen Bauten: Brücke, Thermen, Amphitheater. Das Amphitheater liegt östlich der Altstadt unterhalb des Petrisbergs und bot schätzungsweise bis zu 18.000 Zuschauern Platz, für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen. Heute finden dort Konzerte statt. Dann kam der Aufstieg, der alles erklärt. Am Ende des 3. Jahrhunderts wurde Trier eine der Hauptresidenzen der Tetrarchie, der Herrschaft von vier Kaisern, und als zweites Rom bezeichnet. Von hier aus wurde der gesamte Nordwesten des Römischen Reichs regiert, und das schlug sich in großmaßstäblichen Kaiserpalästen und Thermenanlagen nieder. Unter Konstantin dem Großen wurde die Stadt zu einem wichtigen Ort der Christianisierung. Genau das ist der Grund für die Begründung der Unesco: Die Stätte erfüllt vier Kriterien der Welterbekonvention, unter anderem als herausragendes Beispiel eines architektonischen Ensembles und als Ort, der mit bedeutenden Ereignissen der Menschheitsgeschichte verbunden ist, insbesondere mit der Anerkennung des Christentums als Staatsreligion. Was Sie heute hier sehen, ist also kein Bestand von Einzelstücken, sondern ein Nachweis. Dass so viel davon da ist, hat einen praktischen Grund: Im Hochmittelalter wurden die römischen Monumente vielfach umgenutzt oder überbaut. Die Porta Nigra wurde zur Kirche, der Bereich des kaiserlichen Palastes zum Standort von Dom und Liebfrauenkirche, die unfertigen Kaiserthermen zur Kaserne und zur Festung. Erst im 19. Jahrhundert setzten systematische archäologische Untersuchungen und staatliche Denkmalpflege ein. Schauen Sie sich um. In dieser Stadtlandschaft liegen römische, mittelalterliche und neuzeitliche Bauphasen dicht übereinander.

Kurzfassung

Sie stehen mitten im Welterbe. 1986 nahm die Unesco die römischen Denkmale, den Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche in die Welterbeliste auf. Die Stätte umfasst sieben römische Baudenkmäler und zwei Kirchenbauten. Ein Teil davon liegt nicht in Trier, sondern in Igel, sieben Kilometer moselaufwärts.

Für Kinder

Seit 1986 gehört ein Teil von Trier zum Welterbe. Das heißt: Die ganze Welt findet diese Bauten so wichtig, dass sie erhalten bleiben sollen. Es sind sieben römische Bauwerke und zwei Kirchen. Eines steht nicht einmal in Trier, sondern sieben Kilometer entfernt im Dorf Igel: ein dreiundzwanzig Meter hoher Grabstein einer reichen Händlerfamilie. Trier war einmal so wichtig, dass man es zweites Rom nannte. Ein Kaiser regierte von hier aus den ganzen Nordwesten seines Reiches. Übrigens weiß niemand ganz genau, wann die Stadt gegründet wurde. Die Bücher nennen 18, 17 oder 16 Jahre vor Christus.

Quellen

Koordinaten: 49.75, 6.63306 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.