Sie stehen in den Kaiserthermen. Schauen Sie an der Mauer des Heißbades hinauf, sie steht teilweise noch neunzehn Meter hoch. Dieser Bau gehört zu den größten römischen Thermen nördlich der Alpen, und er wurde nie fertig. Das ist das zweite unvollendete Großbauwerk auf diesem Rundgang, nach dem Stadttor, an dem wir angefangen haben. Der Baubeginn lag vor 300 nach Christus. Die Anlage sollte dem Repräsentationsanspruch des damaligen Caesar Constantius Chlorus und seines Sohnes und Nachfolgers Konstantin genügen, die Augusta Treverorum zu ihrer Residenz gemacht hatten. Abgesteckt wurde das Areal im römischen Straßenraster, südwestlich des kaiserlichen Palastbezirks. Was hier vorher stand, ist gut untersucht. Die vier Wohnblöcke, die der Badepalast einnehmen sollte, waren dicht bebaut, und allein für die frühe und mittlere Kaiserzeit muss man mit vier Bauphasen rechnen. Die ältesten Bauspuren gehören in die Regierungszeit des Kaisers Claudius. Die letzte Baustufe war ein großes Peristylhaus, das einen ganzen Block einnahm, mit eigenem Bad, vielen beheizten Räumen und offenen Innenhöfen. Zwei Bodenmosaiken daraus zeigen Rennfahrer, eines davon den Fahrer Polydus mit seinem Leitpferd, das wir im Landesmuseum gesehen haben. Gut war der Bauplatz auch wegen des Wassers, das aus Altbach und Herrenbrünnchen und über die Ruwerwasserleitung kam. Jetzt die Umnutzungen, denn davon lebt die Ruine. Schon in der Antike wurde die unfertige Therme zur Reiterkaserne umgebaut. Der innere Bereich diente möglicherweise bereits im 6. Jahrhundert als Burg. Mit dem Bau der mittelalterlichen Stadtmauer unter Erzbischof Bruno von Lauffen wurde die Ruine zur südöstlichen Eckbastion, und man setzte ein Stadttor hinein. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts heißt diese Burg in den Quellen Alteburg. Dieser Umfunktionierung ist zu danken, dass der Kernbereich bis heute steht. Alle anderen Bereiche fielen dem mittelalterlichen Steinraub zum Opfer. Mitten auf dem Hof der Palaestra entstand um 1100 eine Pfarrkirche, 1295 öffnete auf der Nordecke eine Klosterkirche, und dazu kamen Handwerker- und Wohnbauten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brauchte man die Bastion nicht mehr. Ihr Ende begann 1806 mit dem Abbruch eines Wachturms im Heißbad, und ab 1816 wurde auf Staatskosten damit begonnen, dieses Heißbad freizulegen. 1907 kam ein Vorschlag, der viel über seine Zeit sagt: Der Verband der Steine- und Erden-Industrie wollte die Kaiserthermen wiederaufbauen, um die Möglichkeiten des neuen Baustoffs Zement vorzustellen. Die Fachwelt protestierte heftig. Damals war noch nicht einmal geklärt, ob die Baureste zu einer Thermen-, Kirchen- oder Palastanlage gehörten. Diese Frage klärten erst die Grabungen zwischen 1912 und 1914. Dass Sie hier heute frei stehen können, ist auch die Leistung einzelner Personen. Der Bauforscher Arnold Tschira erwarb sich große Verdienste darum, den Bereich zwischen Dom und Kaiserthermen nach dem Krieg von allen Neubebauungsplänen freizuhalten. Heute ist das Gelände als Archäologischer Park ausgewiesen.
Sie stehen in den Kaiserthermen. Es sind die Überreste einer spätantiken Badeanlage, deren Mauern teilweise noch neunzehn Meter hoch stehen. Der Bau begann vor 300 nach Christus, fertig wurde die Anlage nie. Später wurde sie zur Reiterkaserne umgebaut. Seit 1986 gehört sie zum Welterbe der Unesco.
Hier wollten die Römer ein riesiges Badehaus bauen, mit warmem Wasser, Dampf und großen Becken. Schau nach oben: Die Mauer ist noch neunzehn Meter hoch. Fertig wurde das Bad aber nie. Stattdessen machten die Römer eine Kaserne daraus, in der Soldaten mit Pferden wohnten. Später wurde die Ruine eine Burg und ein Teil der Stadtmauer. Genau deshalb steht sie noch: Was man brauchte, riss man nicht ab. Von den anderen Teilen haben die Leute im Mittelalter die Steine zum Hausbau weggeholt. Was hättest du aus so einer Ruine gemacht?
Koordinaten: 49.7497, 6.64222 · auf der Karte