Stadtohr

Stadtrundgang Trier · Station 3 von 16

Liebfrauenkirche

um 1230 · gotik, zentralbau, westportal, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Liebfrauenkirche, direkt neben dem Dom. Sie gilt zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg als älteste gotische Kirche in Deutschland und als der bedeutendste und früheste gotische Zentralbau des Landes. An dieser Stelle stand die Südbasilika der antiken Doppelkirchenanlage, die wir am Dom gesehen haben. Nach tausend Jahren war sie baufällig und musste abgebrochen werden. Erzbischof Theoderich von Wied begann den Neubau und benutzte teilweise die Fundamente des Vorgängers. Das genaue Datum des Baubeginns lässt sich nicht mehr ermitteln. Eine später aufgemalte Inschrift im Innern, auf einer Säule, nennt die Jahre 1227 bis 1243. Heute geht man von einem Baubeginn um 1230 aus. Beteiligt waren Baumeister und Künstler aus der Champagne und der Île de France, und mit ihnen kam die Gotik, die in Frankreich bereits hoch entwickelt war. Der Grundriss beruht auf Quadraten, aus denen nur der Chor herausragt und die von acht Kapellen umgeben sind. Zwölf Säulen tragen das Gebäude, als Symbol der zwölf Apostel. Dann ging das Geld aus. Etwa die Hälfte war 1243 vollendet, danach fehlten dem Kapitel die Mittel. Das könnte mit dem Tod des Erzbischofs zusammenhängen, denn er war der Förderer des Baus. Erst eine Kollekte in der Diözese Köln brachte 1243 Geld, genehmigt vom Kölner Erzbischof und mit einem Ablassbrief beworben. In dieser Urkunde wird die Kirche bereits als Mutterkirche aller Kirchen der Trierischen Provinz bezeichnet. Um 1260 war der Bau wohl beendet. Jetzt zum Westportal, und nehmen Sie sich Zeit. Das Tympanon darüber zeigt in der Mitte die thronende Madonna mit dem Jesuskind, die Füße auf einen Drachen gesetzt, der das Böse darstellt. Links huldigen die Heiligen Drei Könige, ganz links stehen die Hirten. Rechts sehen Sie die Darstellung Jesu im Tempel und den Kindermord von Bethlehem. In den Bogenläufen stehen Engel mit liturgischen Geräten, darüber Bischöfe, Kirchenlehrer, musizierende Könige und die klugen und törichten Jungfrauen. Die Figuren, die Sie hier sehen, sind Abgüsse. Die Originale kamen 1992 ins Museum, und was längst verloren war, wurde durch Neuschöpfungen ersetzt. Diese Kirche war die Grabkirche des Domkapitels, und sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mit Gräbern regelrecht überladen. In der Französischen Revolution wurden die meisten entfernt. Und es gibt eine Trierer Überlieferung, die man nicht beweisen kann: Die Kirche sollte abgerissen werden, doch der Trierer Bürgermeister habe Napoleon bei seinem Besuch auf den Balkon des Palais Kesselstatt gegenüber geführt und zu ihm gesagt, er wolle doch wohl nicht das Meisterwerk eines französischen Architekten abreißen. Was sich belegen lässt: Abgerissen wurde die nahe Kirche St. Laurentius. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Liebfrauenkirche schwerste Zerstörungen und wurde von 1946 bis 1951 wiederhergestellt. Große Teile des Mauerwerks, die Fenstermaßwerke und viele Skulpturen mussten erneuert werden. Bei den Arbeiten entdeckte man in einem der Treppentürme einen eingemeißelten Grundriss aus der Erbauungszeit.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Liebfrauenkirche, unmittelbar neben dem Dom. Zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg gilt sie als älteste gotische Kirche in Deutschland. Der Bau begann um 1230 und war etwa um 1260 beendet. Zwölf Säulen tragen das Gebäude, als Symbol der zwölf Apostel.

Für Kinder

Diese Kirche gehört zu den ältesten gotischen Kirchen in Deutschland. Gotisch heißt: hohe spitze Bögen, große Fenster, viel Licht. Gebaut wurde sie ab etwa 1230, zusammen mit Baumeistern aus Frankreich. Von oben gesehen ist sie fast ein Quadrat, und innen tragen zwölf Säulen das Dach. Zwölf, weil Jesus zwölf Apostel hatte. Über der Tür an der Westseite sitzt Maria mit dem Jesuskind, und ihre Füße stehen auf einem Drachen. Links siehst du die drei Könige, rechts noch mehr Figuren. Zähl mal, wie viele Figuren du erkennst.

Quellen

Koordinaten: 49.7558, 6.64306 · auf der Karte

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