Sie stehen vor der Konstantinbasilika und damit vor einem Thronsaal. Gebaut wurde dieses Gebäude in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Palastaula, als Audienzhalle der römischen Kaiser, die damals in Trier residierten. Von hier aus wurde der gesamte Nordwesten des Römischen Reichs regiert. Der Name führt allerdings zweifach in die Irre. Vom Bautyp ist das keine Basilika, sondern eine Saalkirche. Die Bezeichnung stammt vom Heimatforscher Johannes Steiner im 19. Jahrhundert, der sie einer spätantiken Lobrede auf Kaiser Konstantin entnahm. Und der katholische Ehrentitel Basilika trifft auch nicht zu, denn das Bauwerk war nie eine katholische Kirche. Nun zu den Maßen, denn die sind der Punkt. Der Innenraum ist siebenundsechzig Meter lang, siebenundzwanzig Meter breit und dreiunddreißig Meter hoch. Die Mauern haben eine Stärke von zwei Komma sieben bis drei Komma vier Metern und ruhen auf einem vier Meter breiten Fundament aus römischem Beton. Wer hier vor dem Kaiser stand, sollte sich klein fühlen. Was danach geschah, ist eine Kette von Umnutzungen. Im Frühmittelalter kam die ausgebrannte Ruine in den Besitz der Trierer Bischöfe, die sie in ein burgartiges Anwesen umbauten: mit Zinnen versehen, die nördliche Apsis zum Bergfried ausgebaut. 1614 wurden Süd- und Ostwand abgerissen und der Rest in die neue Bischofsresidenz einbezogen, das Kurfürstliche Palais, zu dem wir als nächstes gehen. Erhalten blieben die Apsis im Norden, die Westwand und Teile der Südwand. Suchen Sie außen an der Apsis und in den Fensternischen der Westwand nach Putzresten. Es sind römische. Von 1844 bis 1856 wurde das Gebäude wiederhergestellt, am 28. September 1856 eingeweiht und auf ewige Zeiten der evangelischen Kirchengemeinde übergeben, die es seither als Kirche nutzt. Damit ist es das älteste als Kirche genutzte Gebäude Deutschlands. Leicht war das nicht. 1903 zählte die Zivilgemeinde etwa 4000 Personen, die Militärgemeinde 2300, und auch zusammen waren sie nicht in der Lage, das im Vergleich zur Gemeindegröße riesige Gebäude zu unterhalten. Im selben Jahr richtete das Presbyterium ein Gesuch an den König: Das Gebäude habe wegen seiner Größe Eigenschaften bei Akustik und Kälte, die es zum Gotteshaus ungeeignet machten. Man bat um Mittel für eine neue Kirche. Dazu kam es nicht. Bis heute finden die Gottesdienste im Winter im Nachbarsaal statt. Am 14. August 1944 wurde die Basilika durch einen amerikanischen Luftangriff stark beschädigt und brannte völlig aus. Der Wiederaufbau erfolgte in den 1950er Jahren, mit einer Dachkonstruktion aus Spannbeton und einer daran aufgehängten Kassettendecke aus Fichtenbohlen. Der Innenraum blieb unverputzt. Weil der Bau zerstört war, konnte man von 1950 bis 1954 im Innern graben und die Vorgängerbauten erforschen. Ein Teil dieser Ausgrabungen ist bei einer Spezialführung zugänglich, der Eingang liegt in der Nähe der Kanzel. Einen eigenen Glockenturm hat die Basilika nicht. Ihr sechsstimmiges Geläute hängt seit 1968 im Roten Turm, dem ehemaligen Archivgebäude der erzbischöflichen Verwaltung.
Sie stehen vor der Konstantinbasilika. Sie war ursprünglich keine Kirche, sondern eine römische Palastaula, die Audienzhalle der Kaiser, die im 4. Jahrhundert in Trier residierten. Der Innenraum ist siebenundsechzig Meter lang und dreiunddreißig Meter hoch. Seit 1856 nutzt sie die evangelische Gemeinde als Kirche zum Erlöser.
Dieses riesige Gebäude war keine Kirche, als es gebaut wurde. Es war der Thronsaal eines römischen Kaisers. Hier empfing er Besucher. Der Saal ist siebenundsechzig Meter lang und dreiunddreißig Meter hoch, so hoch wie ein Haus mit zehn Stockwerken. Die Mauern sind fast drei Meter dick. Wer hier hereinkam, sollte sich winzig fühlen. Später wurde die Ruine eine Burg, dann ein Teil vom Schloss daneben, und seit 1856 ist sie eine Kirche. Im Winter ist es darin so kalt, dass der Gottesdienst woanders stattfindet. Wie würdest du einen so großen Raum warm bekommen?
Koordinaten: 49.753333333, 6.643333333 · auf der Karte