Stadtohr

Stadtrundgang Trier · Station 5 von 16

Kurfürstliches Palais

1615–1676 · residenz, kurfuerst, rokoko, kaserne

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kurfürstlichen Palais. Hier geht es um die Frage, was man mit einem antiken Gebäude macht, das im Weg steht. Die Fürstbischöfe von Trier regierten als Kurfürsten den Kurstaat Trier und standen bis 1797 gleichzeitig als Erzbischöfe dem Erzbistum vor. Ab etwa dem Jahr 1000 nutzten sie die symbolträchtige Palastaula der römischen Kaiser als Burg, mit Zinnen und einem Bergfried in der nördlichen Apsis. Einige Jahrhunderte später entsprach das nicht mehr dem Geschmack. Kurfürst Johann VII. von Schönenberg plante ein Schloss im Stil der Renaissance und ließ dafür Wohnhäuser um die Basilika abreißen. Von 1615 bis 1676 entstand das Schloss, benannt nach dem Stadtpatron Petrus: St. Petersburg. Gebaut wurde es an und in die Konstantinbasilika, die man dafür teilweise niederlegte. Angeblich sollte der antike Bau ganz verschwinden, doch die römische Ziegelbauweise war so widerstandsfähig, dass der Abriss unerwartet teuer geworden wäre. Daraufhin entschied man, Westseite und Nordapsis stehen zu lassen und als Außenwände in den Schlossbau zu integrieren. Weil der antike Fußboden tiefer lag als der Erdboden des 17. Jahrhunderts, mussten Ost- und Südwand nicht vollständig abgetragen werden. Die untersten Ziegelschichten blieben erhalten und sind heute in der Basilika wieder zu sehen. Der Bau zog sich. 1647 wurde der Rote Turm fertig, ein mächtiger viereckiger Kanzlei- und Archivbau. Dazwischen lag der Dreißigjährige Krieg, in dem der Kurfürst von 1635 bis 1645 von den Habsburgern gefangen gehalten wurde. Und als alles fertig war, wurde es kaum benutzt: Bereits 1629 hatten die Kurfürsten ihre Residenz aus dem unsicher gewordenen Trier nach Koblenz verlegt. Erst Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff zog wieder nach Trier, ohne Koblenz aufzugeben. Er gab 1756 dem Balthasar-Neumann-Schüler Johannes Seiz den Auftrag, den Südflügel im Stil des Rokoko um- und auszubauen. Die bildhauerischen Arbeiten übernahm Ferdinand Tietz. Schauen Sie auf den rosafarbenen Flügel und den Mittelrisalit, den auf ganzer Höhe hervorspringenden Gebäudeteil. Vollendet wurde auch dieses Vorhaben nie: Nach Westen führte man den Flügel verkürzt aus. Dann kam die Umkehrung. 1794 besetzten französische Revolutionstruppen Trier, ab 1803 diente das Palais als Kaserne, und auch die Preußen nutzten es bis 1918 so. Von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg lag hier das 7. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 69 in der Palastkaserne. Entscheidend wurde der Beschluss König Friedrich Wilhelms IV., die Konstantinbasilika wieder in ihren römischen Zustand zu versetzen und der protestantischen Gemeinde zu übergeben. Von 1841 bis 1862 wurde sie wieder aufgebaut. Für das Palais hatte das Folgen: Der Westflügel musste komplett niedergelegt werden. Der Innenhof wurde dadurch kleiner und verlor seine Symmetrie, und im Westen erhebt sich seither unvermittelt die wieder aufgerichtete Basilikamauer in rötlichem Stein. Auch der Rokoko-Südflügel wurde nach Westen verkürzt. Zunächst sollte er so weit abgetragen werden, dass die Südfassade der Basilika freistünde, doch dafür hätte man die Rokokotreppe einreißen müssen. Sie galt schon damals als so wertvoll, dass man einen Kompromiss suchte. Die Treppe steht noch. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt. Heute sitzen hier Behörden, und der Palastgarten im Süden steht seit Beginn des 20. Jahrhunderts als Park offen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kurfürstlichen Palais. Es war im 17. und 18. Jahrhundert Residenz der Fürstbischöfe von Trier, die als Kurfürsten den Kurstaat Trier regierten. Gebaut wurde es von 1615 bis 1676, teilweise auf der Grundfläche der römischen Palastaula. Der rosafarbene Südflügel kam ab 1756 im Stil des Rokoko dazu.

Für Kinder

Hier wohnte der mächtigste Mann der Stadt: der Erzbischof. Er war gleichzeitig Kurfürst, also ein Fürst, der den deutschen König mitwählen durfte. Sein Schloss baute er ab 1615 einfach an das riesige römische Gebäude daneben, und ein Stück davon riss er dafür ab. Eigentlich wollte er alles abreißen. Aber die römischen Ziegelmauern waren so hart, dass es zu teuer wurde. Später, vor etwa 170 Jahren, wurde ein Flügel des Schlosses wieder abgerissen, damit das römische Gebäude ganz zu sehen ist. Schau auf den rosa Teil des Schlosses. Welche Farbe würdest du nehmen?

Quellen

Koordinaten: 49.7531, 6.64361 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.