Sie stehen vor dem Dreikönigenhaus in der Simeonstraße, unweit der Porta Nigra. Es ist ein Patrizierhaus in der Form eines frühgotischen Wohnturms. Der Name ist jünger als das Haus: Er stammt aus der Zeit um 1680, als Johann Cornet hier das Gasthaus Zu den drei Königen betrieb. Ursprünglich hieß es Zum Säulchen, mit Bezug auf das bekrönende Säulchen im Giebel und die aufwendigen Marmorsäulen der Fenster. Nach dendrochronologischen Befunden, also nach den Jahresringen des verbauten Holzes, wurde das Haus um 1200 begonnen und bis 1231 fertiggestellt. In Trier sind dreizehn mittelalterliche Turmbauten nachgewiesen. Die älteren, darunter der Turm Jerusalem aus dem 11. Jahrhundert, der Frankenturm von um 1100 und der Konviktsturm, entsprechen dem Typ Burg oder Wehrturm und dienten bischöflichen Ministerialen als Wohn- und Wehrbauten. Die jüngeren, zu denen dieses Haus und die Steipe gehören, sind eher Haus als Burg: Wohnhäuser wohlhabender und einflussreicher Patrizier. Dieses Haus gehörte vermutlich einer Trierer Schöffen- und Ratsherrenfamilie. Jetzt zur entscheidenden Stelle. Suchen Sie im ersten Obergeschoss die drei gekuppelten Zwillingsfenster, und daneben eine Tür, die etwas nach unten versetzt ist, über dem heutigen rechten Eingang. Das war der Haupteingang. Man kam nur über eine Holztreppe hinein, die bei Gefahr abgebaut und durch eine einziehbare Leiter ersetzt wurde. Die Eingänge im Erdgeschoss, die Sie heute benutzen würden, stammen aus späterer Zeit. Es gibt einen Vergleich, der das einordnet. Das Kölner Overstolzenhaus aus etwa der gleichen Zeit ist auch im Erdgeschoss durchfenstert. Daraus schließt man, dass die Stadtmauern Triers damals noch nicht die gleiche Sicherheit boten wie die in Köln. Wer hier wohnte, baute seine Tür in den ersten Stock. Das Haus bestand ursprünglich aus zwei eigenständigen Bauten, einem Vorder- und einem Hinterhaus, die später durch ein Treppenhaus zusammengeführt wurden. Anders als bei den älteren steinsichtigen Wohntürmen ist die Fassade des Vorderhauses als verputzte und farbig gefasste Schauseite angelegt, mit vertikalen Lisenen und Rundbogenfriesen. Im zweiten Obergeschoss sitzen vier gekuppelte Zwillingsfenster mit spitzbogigen Überfangbögen. Darüber hat die abgetreppte Schirmwand seitlich zwei runde Öffnungen und in der Mitte eine Dreifenstergruppe. Was Sie dort oben sehen, ist allerdings Denkmalpflege und nicht Mittelalter. 1938 wurde das Gebäude nach Plänen des Stadtkonservators Friedrich Kutzbach restauriert, und dabei wurde der dreieckige Giebel zu einer abgetreppten Schirmwand erweitert, wie sie auf der Stadtansicht Sebastian Münsters von 1542 abgebildet ist. Man hat also eine alte Zeichnung als Vorlage genommen. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Haus Schäden am Dach und im hinteren Bereich des obersten Stockwerks sowie Splitterschäden an der Fassade. 1973 folgte eine umfassende Sanierung, bei der die Farbgebung an den 1938 freigelegten Originalbefund angepasst wurde. Das Dreikönigenhaus ist damit zweierlei: eine Übergangsform vom romanischen Wohnturm zum frühgotischen Wohnhaus, gut ablesbar an den Fenstern der verschiedenen Geschosse, und ein Beispiel für die Denkmalpflege der Vorkriegszeit, die um eine möglichst genaue, wissenschaftlich belegte Zurückführung auf das mittelalterliche Erscheinungsbild bemüht war.
Sie stehen vor dem Dreikönigenhaus in der Simeonstraße. Es ist ein Patrizierhaus in der Form eines frühgotischen Wohnturms. Nach den Jahresringen seines Holzes wurde es um 1200 begonnen und bis 1231 fertiggestellt. Der Haupteingang lag ursprünglich nicht unten, sondern im ersten Obergeschoss.
Dieses Haus ist über achthundert Jahre alt. Man weiß das genau, weil Forscher die Jahresringe der Holzbalken gezählt haben: gebaut um 1200, fertig 1231. Hier wohnte eine reiche Familie. Und jetzt das Spannende: Die Haustür war nicht unten. Schau in den ersten Stock, neben die Doppelfenster. Dort ist eine Tür. Hinauf kam man über eine Holztreppe, und wenn Gefahr drohte, baute man die Treppe ab und nahm eine Leiter, die man hochziehen konnte. So kam niemand ins Haus. Die Türen unten wurden erst viel später eingebaut. Wo wäre deine Haustür?
Koordinaten: 49.7581, 6.64278 · auf der Karte