Stadtohr

Stadtrundgang Stralsund · Station 4 von 16

Gymnasium Stralsund

1560 · schule, reformation, bildung, katharinenkloster

Ausführlich

Sie stehen vor dem früheren Gymnasium Stralsund. Die Schule hatte ihr Haus im ehemaligen Dominikanerkloster St. Katharinen, und sie entstand aus einer Vereinigung. Nach der Reformation wurde 1525 in den Schulen der Pfarrkirchen St. Nikolai, St. Jakobi und St. Marien die Kirchen- und Schulordnung von Johannes Aepinus eingeführt. 1535 regte Johannes Bugenhagen in seiner Stralsunder Kirchenordnung an, die drei Schulen zu vereinigen. Doch erst 1559 fasste der Rat den entsprechenden Beschluss. Am 20. April 1560 wurde eröffnet, mit sieben lateinischen Klassen und zusammen 300 Schülern, dazu einer deutschen Einheitsklasse mit 200. Die Schule hieß zunächst Neue Schule, Große Schule oder Schule zu St. Katharinen. Das Wort Gymnasium wurde erst seit dem Ende des 16. Jahrhunderts üblich. Die erste Schulordnung von 1561 räumte dem Katechismus und dem Kirchendienst viel Raum ein, vor allem dem Singen bei Beerdigungen. 1764 veränderte Rektor Christoph Andreas Büttner den Lehrplan so grundlegend, dass er von einer Neuen Einrichtung sprach. Es gab nun mathematische und geographische Klassen, eine Schreib- und Rechnungsklasse und sogar eine Tanz- und Fechtklasse. Ziel war der Zugang zu allen gehobenen Berufen, nicht mehr nur zum Studium. 1815 kam die Schule unter preußische Aufsicht, 1819 wurden Abiturprüfungen eingeführt. Bis 1856 bestanden 305 Schüler das Abitur. Einer der Schüler war Ernst Moritz Arndt, von 1787 bis 1789. Er verließ die Schule plötzlich. Im Innenhof enthüllte man am 2. September 1900 eine Arndt-Büste, die seit 1895 durch Spenden finanziert worden war. Schauen Sie auf die Gewölbe dieses Hauses: Im November 1919 stürzte eines im Remter ein, die Schule zog in ein Ausweichquartier und kehrte erst 1925 zurück. Im Ersten Weltkrieg starben 127 Lehrer und frühere Schüler. In der Zeit des Nationalsozialismus gehörten 1935/36 90 Prozent der Schüler dem Jungvolk und der Hitlerjugend an. 1943 wurden die unteren Klassen nach Putbus verlegt, im Dezember 1944 kehrten die Schüler zurück, aber ein geordneter Unterricht kam nicht mehr zustande. Nach 385 Jahren gab es das Gymnasium Stralsund nicht mehr. Nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee am 1. Mai 1945 wurde es nicht wieder eröffnet.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem früheren Gymnasium Stralsund im Katharinenkloster. Die Schule wurde am 20. April 1560 eröffnet, mit 300 Schülern in sieben lateinischen Klassen und 200 in einer deutschen Klasse. Nach 385 Jahren gab es sie 1945 nicht mehr. Zu ihren Schülern zählte Ernst Moritz Arndt.

Für Kinder

Hier ging vor langer Zeit eine Schule in einem Kloster. Am 20. April 1560 begann der Unterricht. 300 Schüler lernten in sieben Klassen Latein, 200 weitere gingen in eine deutsche Klasse. Später gab es auch eine Klasse für Tanz und Fechten. Was würdest du lieber lernen: Latein oder Fechten? Auch Ernst Moritz Arndt ging hier zur Schule, von 1787 bis 1789. Eine Büste im Innenhof erinnert an ihn.

Quellen

Koordinaten: 54.31263889, 13.08763056 · auf der Karte

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