Stadtohr

Stadtrundgang Schwerin · Station 14 von 16

Siegessäule

1874 · denkmal, krieg 1870, megalopolis, granit

Ausführlich

Sie stehen an der Siegessäule auf dem Alten Garten. Dieses Denkmal erinnert an die Soldaten Mecklenburgs, die im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 fielen. Nach dem Krieg, als dessen Ergebnis das zweite Deutsche Kaiserreich gegründet wurde, gab Großherzog Friedrich Franz II. 1872 seinem Oberhofbaurat Hermann Willebrand den Auftrag, Entwürfe zu fertigen. Es ist derselbe Mann, der das Museum am anderen Ende dieses Platzes gebaut hat, bezahlt aus den Reparationszahlungen genau dieses Krieges. Im Februar 1873 wurde der Öffentlichkeit ein erstes Modell vorgestellt. Was danach kam, war Arbeit im Boden. Der Untergrund hier ist weich, und für das Fundament musste Erdreich teilweise bis auf etwa vier Meter sechzig Tiefe abgetragen werden. Um ein quadratisches Mittelfundament läuft in unregelmäßiger achtseitiger Form ein Tonnengewölbe mit einer Ringwand von etwa einem Meter Stärke, daran schließt ein weiterer niedriger Gewölbering an, und das Ganze ruht auf Feldsteinfundamenten. Eine zunächst geplante Pfahlgründung war nicht nötig. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Dezember 1873, dem Tag der Schlacht bei Loigny und Poupry, mit den Worten: Den Gefallenen zum Gedächtnis. Den Lebenden zur Mahnung. Im Oktober 1874 stand die Säule, am 2. Dezember 1874 wurde sie geweiht. Eine Abrechnung von 1875 bezifferte die Gesamtkosten auf 114.136 Mark und 32 Pfennig, davon 72.080 Mark für das Denkmal selbst, 39.055 Mark für den Unterbau, 1.799 Mark für Sonstiges und 1.200 Mark für die Gärtnerei ringsum. Nun das Ding selbst. Die Säule ist in Anlage und Größenverhältnissen eine Nachbildung der Phokassäule auf dem Forum Romanum in Rom. Bis zur Schwertspitze der Figur ist sie rund dreiundzwanzig Meter hoch. Sechs Stufen führen zu einem Vorplatz, der ursprünglich mit Mosaiken belegt war. An den Ecken standen zwischen schildhaltenden Greifen gusseiserne Kandelaber, die mit Gas betrieben wurden, und unterhalb der beiden Kandelaber der Schauseite standen bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg zwei erbeutete französische Kanonen. Der Unterbau ist aus blaugrauem sächsischem Granit, Sockel und Säule aus rotem schwedischen Granit. Am Sockel hängen vier bronzene Schrifttafeln. Darauf stehen 796 Namen: die Soldaten, die im Krieg fielen, ihren Wunden erlagen oder an Krankheit starben. Dazu die ursprünglich vergoldete Widmung: Den im Kriege 1870 bis 71 Gebliebenen. Das dankbare Mecklenburg. Schauen Sie nach oben. Über dem Ende der Säule sitzt ein korinthisches Kapitell, darauf steht eine etwa zwei Meter sechzig hohe weibliche Figur, die Megalopolis, die Personifikation Mecklenburgs. Sie trägt die Wendische Krone, erhebt mit der rechten Hand ein Schwert mit Lorbeerkranz über ihren Kopf, am linken Arm einen Spitzschild mit dem mecklenburgischen Stierkopf. Modelliert hat sie Gustav Willgohs, gegossen wurde in der Kunstgießerei Lauchhammer. Und nun das Detail, das diese Stadt sich gemerkt hat: Modell für die Figur soll dem Bildhauer seine Tochter Anna Willgohs gestanden haben. Lange gab es in Schwerin den Spruch: Dor steiht Anna Willgohs. Da steht Anna Willgohs. Ein Staat lässt sich eine Allegorie bauen, und die Leute sehen darin die Tochter des Bildhauers. Um 1947 wurde es noch einmal knapp. In unmittelbarer Nähe sprengte man einen Luftschutzbunker. Augenzeugen berichteten, die Säule habe erheblich geschwankt. Sie blieb weitgehend unbeschadet. Im Juni 2021 wurde die Megalopolis restauriert, mit einer Farbgebung, die dem einstigen Originalanstrich nachempfunden ist.

Kurzfassung

Sie stehen am Alten Garten vor der Siegessäule. Sie erinnert an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870 und 1871 gefallenen Soldaten Mecklenburgs. Errichtet wurde sie 1873 und 1874 nach einem Entwurf von Hermann Willebrand. Die Säule ist rund 23 Meter hoch.

Für Kinder

Das ist eine hohe Säule aus Granit, etwa dreiundzwanzig Meter. Sie erinnert an die Soldaten aus Mecklenburg, die in einem Krieg gegen Frankreich gestorben sind. Das war vor über hundertfünfzig Jahren. Unten am Sockel sind vier Tafeln aus Bronze. Darauf stehen 796 Namen, einer für jeden Gefallenen. Ganz oben steht eine Frau aus Bronze mit einer Krone, einem Schwert und einem Schild. Sie ist ein Bild für das Land Mecklenburg. Und jetzt das Lustige: Der Bildhauer hat sie nach seiner eigenen Tochter gemacht. Sie hieß Anna Willgohs. Lange sagten die Leute in Schwerin deshalb: Da steht Anna Willgohs. Kannst du das Schwert sehen?

Quellen

Koordinaten: 53.6256, 11.4161 · auf der Karte

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