Stadtohr

Stadtrundgang Schwerin · Station 13 von 16

Kollegiengebäude I

· klassizismus, staatskanzlei, demmler, brand

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kollegiengebäude I, auch Regierungsgebäude I oder Staatskanzlei genannt, Schloßstraße 2 und 4, direkt am Alten Garten. Das ist das Haus, nach dem sich das Gebäude richtet, vor dem wir gerade standen, und es ist das Haus, mit dem die Karriere eines Mannes beginnt, der heute in jeder zweiten Station vorkam. Erst die Vorgeschichte des Grundstücks. Hier stand ab etwa 1236 ein Franziskanerkloster. In der Reformation wurde es 1548 aufgelöst, die Kirche 1557 abgetragen, der Rest im 16. Jahrhundert. Was übrig blieb, nutzte danach die Fürstenschule, später diente es im 17. und 18. Jahrhundert als Wirtschaftsgebäude des herzoglichen Marstalls. Beim Bau des Regierungsgebäudes wurden wahrscheinlich Baumaterialien des ehemaligen Klosters verwendet. Ein Kloster steckt also buchstäblich in den Wänden der Staatskanzlei. Geplant wurde ab 1819. Pläne von Johann Georg Barca wurden verworfen, die Planung ging an Carl Theodor Severin, dessen Vorschläge ab 1823 von Carl Heinrich Wünsch überarbeitet wurden. 1825 genehmigte der Großherzog den Bau, und Wünsch beauftragte Georg Adolf Demmler mit der Bauleitung. Demmler war damals einundzwanzig Jahre alt. Von diesem Haus aus führt sein Weg zum Umbau des Schlosses, zur Tudorfassade des Rathauses, zum Hôtel du Nord und zum Saalanbau am Neustädtischen Palais. Die Grundsteinlegung war am 29. September 1825, drei Jahre später das Richtfest, im Dezember 1834 zog die Verwaltung ein. Mit der Warmluftheizung kam eine technische Neuerung ins Haus. Zur Gestalt: eine dreiflügelige klassizistische Anlage mit terrassiertem Ehrenhof und Terrasse auf umlaufendem Sockel. Die Fassadengliederung des dreigeschossigen Putzbaus ist an den schinkelschen Stil des Berliner Schauspielhauses angelehnt. In der Mitte der Nordseite treten das Portal mit Altan und darüber eine Säulenhalle in Kolossalordnung hervor, die beiden Außenflügel haben über dem Rustikageschoss Dreiecksgiebel. Schauen Sie nach oben auf die Figuren von Emil Cauer: Zur Schloßstraße stehen Zeus zwischen Athene und Demeter, zur rückseitigen Graf-Schack-Allee Poseidon und Hermes. Eine Artemis fehlt, sie wurde bei einem Brand zerstört. Dieser Brand von 1865 zerstörte das Gebäude, bis 1867 wurde es wieder aufgebaut. Aus der Zeit danach stammen das Vestibül mit der mehrläufigen gusseisernen Treppe, das Intarsienparkett, die Kappendecke mit Stuckarbeiten und die stuckierten Marmorwände des Kabinettssaals im ersten Obergeschoss. Im Kollegiensaal im zweiten Obergeschoss hängt eine Galerie der Amtshäuser des Großherzogtums von Friedrich Jentzen. Auch dieses Haus hat alle Regierungen der letzten zwei Jahrhunderte gesehen. Bis 1918 war es Sitz des Großherzoglichen Staatsministeriums, bis 1933 des bürgerlichen Kabinetts, von 1933 bis 1945 des Reichsstatthalters der NSDAP für den Gau Mecklenburg. Nach dem Krieg nutzte es die Landesregierung Mecklenburgs, ab 1952 die SED-Bezirksleitung Schwerin. 1916 war das Kupferdach für Kriegszwecke abgenommen worden, 1975 wurden bei Bauarbeiten historische Details zerstört. Im Oktober 1990 wurde das Haus Sitz der Staatskanzlei. Seit 2024 ist es Teil des Welterbes.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kollegiengebäude I in der Schloßstraße 2 und 4, heute Sitz der Staatskanzlei des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die klassizistische Anlage entstand 1825 bis 1834 nach Plänen von Carl Heinrich Wünsch. Die Bauleitung hatte Georg Adolf Demmler.

Für Kinder

In diesem Haus arbeitet die Regierung des Landes. Es heißt Staatskanzlei. Gebaut wurde es vor fast zweihundert Jahren. Der junge Mann, der die Bauarbeiten geleitet hat, war erst einundzwanzig Jahre alt. Er hieß Georg Demmler. Später baute er noch viele Häuser in Schwerin um, auch das Schloss. Vor dem Haus stand früher ein Kloster. Die Steine des Klosters wurden wahrscheinlich für dieses Haus benutzt. Das Kloster steckt also in den Wänden. Schau nach oben auf die Figuren aus Stein. Es sind griechische Götter. Eine Göttin fehlt: Sie wurde bei einem Brand im Jahr 1865 zerstört. Wie viele Figuren kannst du zählen?

Quellen

Koordinaten: 53.6264, 11.4153 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.