Sie stehen vor dem Gebäude Schloßstraße 9 und 11. Hier muss ich Ihnen zuerst einen Widerspruch auflösen, oder genauer: ihn offenlegen, denn auflösen kann ich ihn nicht. An der Schloßstraße 12, wo wir vorhin standen, baute Demmler 1842 und 1843 das Hôtel du Nord. Der Pächter gab 1852 auf, und laut einer Quelle über jenes Haus nannte er danach ein anderes Hotel, das Hotel Stadt Hamburg, in Hotel du Nord um. Eine Quelle über dieses Haus hier sagt etwas anderes: Das Hotel Stadt Hamburg, das ab etwa 1850 an dieser Stelle stand, habe den Namen Hotel du Nord 1952 und 1953 erhalten. Einmal kurz nach 1852, einmal hundert Jahre später. Zwei Wikipedia-Quelle, zwei Daten. Ich bügle das nicht glatt und sage Ihnen, dass es beides gibt. Einig sind sich beide in einem Punkt: 1909 wurde das alte Fachwerkgebäude an dieser Stelle für einen Neubau abgerissen. Dieser Neubau steht vor Ihnen. Bis 1911 entstand hier das Hotel Nordischer Hof, gebaut für den Bankier Hugo Berger nach einem Entwurf des Berliner Architekten Georg Roensch. Roensch kennen Sie schon, von ihm ist das Weinhaus Uhle in der Schusterstraße. Das Haus ist viergeschossig und fünfzehnachsig, verputzt, neoklassizistisch, mit drei Giebelrisaliten und einem Portikus mit Rundbögen. 1912 übernahm eine Schweriner Hotelgesellschaft den Betrieb, kaufte die Häuser Ritterstraße 5 und 7 dazu und ergänzte einen Ballsaal. Dann wechselte die Nutzung, und zwar immer wieder. 1920 kaufte die Landesregierung die Gebäude. 1925 richtete man im Keller vier Trainingsplätze für zwei Rudervereine ein. Lassen Sie das einen Moment stehen: Ruderer trainieren im Keller eines Hotels, mitten in der Stadt, weil der See zufriert oder weil es regnet. Im Juli 1945 übernahm die sowjetische Militäradministration Mecklenburg den Komplex, geführt von Generaloberst Iwan I. Fedjuninski. Die Stadtkommandantur saß im nahen Gebäude des Landeshauptarchivs, und die Stadthallen am Marienplatz wurden zum Haus der sowjetischen Besatzungsmacht. 1951 erhielt der Rittersaal ein Bühnenhaus und einen separaten Zugang, nach Plänen von Paul Nehls. Bis 1990 waren hier auch Verwaltungsräume des Rates des Bezirks Schwerin. Seit Oktober 1990 nutzt das Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern das Haus, zusammen mit dem benachbarten neoklassizistischen Gebäude Schloßstraße 5. Außerdem sitzen hier die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landes und die Dienststelle Staatliche Schlösser und Gärten. Ein Hotel, ein Ballsaal, ein Ruderkeller, eine Besatzungsverwaltung, ein Bezirksrat, ein Finanzministerium. Schauen Sie die Straße hinunter: Das nächste Haus ist die Staatskanzlei.
Sie stehen vor dem Gebäude Schloßstraße 9 und 11, heute Sitz des Finanzministeriums von Mecklenburg-Vorpommern. Das viergeschossige neoklassizistische Haus wurde bis 1911 als Hotel Nordischer Hof für den Bankier Hugo Berger gebaut, nach einem Entwurf von Georg Roensch.
Dieses Haus war einmal ein Hotel. Vorher stand hier ein älteres Hotel aus Holz und Lehm. Das wurde im Jahr 1909 abgerissen, und bis 1911 baute man dieses große Haus. Dann wechselten die Bewohner oft. Zuerst kamen Hotelgäste. Im Jahr 1925 wurde im Keller etwas Seltsames eingebaut: vier Trainingsplätze für Ruderer. Die konnten dort üben, wenn sie nicht auf den See konnten. Nach dem Krieg saßen hier die Soldaten der Sowjetunion und machten von hier aus Verwaltung. Später arbeitete hier die Bezirksverwaltung. Heute ist es das Finanzministerium. Dort wird über das Geld des Landes entschieden. Wie viele verschiedene Sachen waren das in einem Haus?
Koordinaten: 53.62709, 11.41529 · auf der Karte