Stadtohr

Stadtrundgang Schwerin · Station 11 von 16

Kollegiengebäude II

· regierungsgebäude, franziskanerkloster, spätklassizismus, ministerien

Ausführlich

Sie stehen vor dem ehemaligen Kollegiengebäude II, Schloßstraße 6 und 8. Schauen Sie nach oben, und zwar auf die Verbindung zum Nachbarhaus. Zwischen diesem Gebäude und dem Kollegiengebäude I, der heutigen Staatskanzlei, führt ein Gang über einen Torbogen. Die Schweriner nennen diesen Gang ironisch die Beamtenlaufbahn. Ein überdachter Weg von einer Behörde in die andere, einen Stock über der Straße. Das Haus ist drei- bis viergeschossig, vierzehn Fensterachsen breit, verputzt, spätklassizistisch, um einen rechteckigen Innenhof gelegt, mit Mezzaningeschoss, vier Giebelrisaliten und einem Portikus. Gebaut wurde es 1890 bis 1892 als Regierungsgebäude II nach Plänen von Georg Daniel, demselben Baurat, der die Bauausführung des neugotischen Domturms leitete. Die Architektur orientiert sich an dem von Georg Adolph Demmler gestalteten Kollegiengebäude I. Der jüngere Bau ahmt also den älteren nach, damit die Straße zusammenpasst. Dieser Boden hat eine ältere Schicht. Auf dem Gelände der Kollegiengebäude stand ab etwa 1236 ein Franziskanerkloster. 1557 wurde es weitgehend abgetragen. Die noch erhaltenen Gebäude dienten danach als Wirtschaftsgebäude des Herzogtums und wurden beim Bau des Kollegiengebäudes I abgerissen. Drei Nutzungen übereinander: Kloster, Wirtschaftshof, Regierung. Und nun die Liste der Behörden, die hier saßen, denn sie liest sich wie die deutsche Geschichte im Zeitraffer. Das Verwaltungsgebäude diente den Ministerien des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin und, nach 1918, denen des Freistaats Mecklenburg-Schwerin bis 1934. Von 1934 bis 1945 war es Sitz der Verwaltung des Reichsstatthalters und Gauleiters. Bis 1990 saßen hier der Rat des Bezirks Schwerin und die Arbeiter-und-Bauern-Inspektion der DDR. Vier Staatsformen, ein Haus, dieselben Schreibtische. Seit 1990 sind hier verschiedene Ministerien des Landes Mecklenburg-Vorpommern untergebracht, und auch diese Reihe wechselt oft: Umwelt, dann Bau, Landesentwicklung und Umwelt, dann Verkehr, Bau und Landesentwicklung, dann Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, später Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, und seit 2021 Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten. Seit 2012 hat außerdem der Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern hier seinen Sitz. Seit 2024 ist das Bauwerk Teil des Residenzensembles Schwerin und damit Welterbe. Auf der Welterbeliste steht also nicht nur ein Schloss, sondern auch ein Bürohaus, das seit hundertdreißig Jahren verwaltet.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem ehemaligen Kollegiengebäude II, Schloßstraße 6 und 8. Das spätklassizistische Haus wurde 1890 bis 1892 als Regierungsgebäude II nach Plänen von Georg Daniel errichtet. Seit 1990 sitzen hier Ministerien des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Für Kinder

In diesem Haus arbeiten Leute für die Regierung des Landes. Gebaut wurde es vor über hundert Jahren. Schau nach oben zwischen dieses Haus und das Nachbarhaus. Dort geht ein Gang über die Straße, ein Stück über deinem Kopf. So konnten die Beamten von einem Büro ins andere laufen, ohne nach draußen zu gehen. Die Leute in Schwerin nennen diesen Gang spöttisch die Beamtenlaufbahn. Vor sehr langer Zeit stand hier etwas ganz anderes: ein Kloster mit Mönchen. Das wurde abgerissen. In diesem Haus haben schon viele verschiedene Regierungen gearbeitet. Immer neue Leute, immer dieselben Räume. Würdest du den Gang über der Straße nehmen?

Quellen

Koordinaten: 53.62692, 11.41476 · auf der Karte

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