Sie stehen vor dem Dom St. Marien und St. Johannis, der einzigen echten Kathedrale in Mecklenburg-Vorpommern und dem einzig verbliebenen mittelalterlichen Gebäude Schwerins. Alles andere in dieser Stadt ist jünger. Fangen wir mit dem Anfang an. Nachdem Heinrich der Löwe die Lande der Obotriten unterworfen und Niklot besiegt hatte, stellte er das Bistum wieder her, das hundert Jahre verwaist war. Sein erster Bischof Berno verlegte es 1167 aus der abgelegenen Mecklenburg in das 1160 neu begründete Schwerin. Am 9. September 1171 fand am romanischen Vorgängerbau ein Weiheakt statt, im Beisein des Grafen Gunzelin I., des Herzogs Pribislaw, zweier Bischöfe und Heinrichs des Löwen selbst. Fertig war dieser romanische Dom erst am 15. Juni 1248, nach mindestens 77 Jahren Bauzeit. Er war etwa sechzig Meter lang, vierzig Meter kürzer als der heutige Bau. Von ihm ist nichts übrig außer dem Turmsüdportal an der südwestlichen Seite. Nun zum Grund für den Neubau, und er ist klein. 1222 kam Graf Heinrich von Schwerin von einem Kreuzzug zurück und brachte eine Reliquie mit: einen angeblichen Blutstropfen Christi, eingeschlossen in einen Jaspis. Wegen dieses einen Steins wurde der Dom die bedeutendste Wallfahrtskirche Nordostdeutschlands. Der Pilgerstrom sprengte die romanische Basilika. Dazu kam der Wettbewerb: Der Bischof baute gegen die aufblühenden Hansestädte der Umgebung an, gegen Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald. Wallfahrt, Pilgerspenden und Wetteifer führten um 1270 zum vollständigen Neubau. Um 1272 berichten die Quellen von Arbeiten am neuen Chor, 1327 waren Chor, Kapellenkranz, die östlichen Querhausschiffe und das Kapitelhaus fertig. Erst dann brach man die alte Kirche komplett ab. Bis Ende des 14. Jahrhunderts standen Querhaus und Langhaus bis auf die Gewölbe. Stralsunder Bauleute vollendeten 1416 die Fenster des Langhauses und die Einwölbung. Diese Bauleute kamen nicht freiwillig: Der Ausbau des Langhauses wurde den Stralsundern vom Bischof als Buße auferlegt, weil sie drei Priester verbrannt hatten. Eine Chronik hält das fest. Sie können das heute noch sehen. Während der übrige Dom klassische Spitzbogenfenster hat, schließen die Fenster des Langhauses mit einem stumpfen Dreieck ab. Man nennt sie Stralsunder Fenster. Schauen Sie die Südseite entlang und vergleichen Sie. Eine zweite Neuerung steckt im Dach der Chorkapellen. Üblich wäre gewesen, jeder Kapelle ein eigenes Dach zu geben. Der Baumeister zog stattdessen Pfeiler in die Winkel zwischen den Kapellen und legte darauf ein durchgehendes Pultdach. Damit wurde der Schweriner Dom beispielgebend für spätere Bauten. Der Makel dieser Lösung: Die eingezogenen Pfeiler quetschen die seitlichen Fenster der Kapellen ein. Der Chorumgang hatte eine praktische Aufgabe. Er leitete die Pilger, die durch das Seitenschiffportal eintraten, an den Reliquien in den Kapellen vorbei. Die Prozession begann außerhalb der Kirche, am sogenannten Jerusalemsberg, der wahrscheinlich am Ostorfer See lag. Der Weg Christi von Jerusalem nach Golgotha sollte nachempfunden werden. Zum Bau selbst: dreischiffige gotische Basilika in Backstein, 105 Meter lang, Gewölbehöhe 26,5 Meter. Der Domberg ist der höchste Punkt der Altstadt. Der heutige Westturm ist kein Mittelalter, sondern ein neugotischer Anbau von 1889 bis 1893, gestiftet 1888 von Arthur von Bernstorff. Mit 117,5 Metern ist er der höchste Kirchturm Ostdeutschlands und das höchste Bauwerk Schwerins. Wikidata nennt als Jahr 1260, eine Quelle nennt 1270 als Baubeginn. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.
Sie stehen vor dem Dom St. Marien und St. Johannis. Er wurde zwischen 1270 und 1416 errichtet und gehört zu den Hauptwerken der Backsteingotik. Der Dom ist 105 Meter lang, der neugotische Westturm von 1889 bis 1893 ist mit 117,5 Metern der höchste Kirchturm Ostdeutschlands.
Das ist der Dom von Schwerin. Er ist das einzige Gebäude der Stadt, das noch aus dem Mittelalter stammt. Gebaut wurde er aus Backstein, also aus gebrannten Ziegeln. Das hat 146 Jahre gedauert. Warum so ein großes Haus? Wegen eines kleinen Steins. Ein Graf brachte von einer Reise einen Stein mit, in dem angeblich ein Tropfen Blut von Jesus eingeschlossen war. Deshalb kamen sehr viele Pilger nach Schwerin, und die alte Kirche war zu klein. Lustig ist eine Sache an den Fenstern. Die Bauleute aus Stralsund mussten hier als Strafe arbeiten. Ihre Fenster sehen anders aus als die übrigen: Sie laufen oben spitz zu wie ein Dreieck. Findest du sie?
Koordinaten: 53.629444, 11.414444 · auf der Karte