Stadtohr

Stadtrundgang Schwerin · Station 5 von 16

Neustädtisches Palais

· palais, witwensitz, umnutzung, ddr

Ausführlich

Sie stehen vor dem Neustädtischen Palais in der Puschkinstraße 19, auch Marienpalais genannt. Dieses Haus hat in zweihundertfünfzig Jahren so oft die Aufgabe gewechselt, dass man seine Geschichte am besten als Liste von Bewohnern erzählt. Das Grundstück erwarb 1708 Friedrich Wilhelm für seinen Bruder Christian Ludwig II., und darauf entstand zunächst der Prinzenhof. 1779 ließ Herzog Friedrich an dieser Stelle einen Witwenwohnsitz bauen, für Charlotte Sophie von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die Frau seines Bruders Ludwig. Die Pläne stammten von Johann Joachim Busch. Charlotte Sophie lebte hier bis zu ihrem Tod 1810. Dann stand das Haus zehn Jahre leer. Es folgte der großherzogliche Finanzminister Leopold von Plessen. Während das Schloss auf der Insel umgebaut wurde, von 1843 bis 1857, diente dieses Palais als großherzoglicher Wohnsitz. Ab 1879 wohnte hier die Familie von Friedrich Franz III. und seiner Frau Anastasia, und ab 1883, nach einem weiteren Anbau, war es wieder ein Witwenwohnsitz, nun für die Großherzogin Marie. Daher der zweite Name. Zur Baugestalt: Die dreiflügelige, zweigeschossige Anlage mit dreigeschossigem Mittelrisalit und Ehrenhof blieb erhalten, aber 1877 und 1878 baute Hermann Willebrand das Haus im Stil der französischen Renaissance so weitgehend um, dass es einem Neubau nahekam. Das Mansarddach wich einem Plateaudach mit Gauben, die Fassaden bekamen eine kräftige Putzquaderung, stark profilierte Gesimse, Hermen und Festons. Georg Adolph Demmler hatte 1849 auf der Rückseite einen Saal angebaut, angelehnt an den Thronsaal des Schweriner Schlosses. Im Inneren lohnen die gusseiserne Treppe im seitlichen Treppenhaus, die Stuckdecken und die Rahmenfüllungstüren. Nach der Abdankung des letzten Großherzogs Friedrich Franz IV. ging das Palais 1920 an den Freistaat Mecklenburg-Schwerin, bis 1945 saßen hier verschiedene Behörden. 1947 bekam es eine neue Aufgabe: Es wurde der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion zur Verfügung gestellt und in Maxim-Gorki-Haus umbenannt, auch Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft genannt. Bis zur Wende fanden hier gesellschaftliche und festliche Veranstaltungen statt. Im Eingangsbereich hing ein Bild mit dem Titel Triumph des Leninismus. An der Restaurierung des Goldenen Saales in diesem Haus und des Thronsaales im Schloss war in den 1970er Jahren maßgeblich eine Schweriner Produktionsgenossenschaft des Handwerks beteiligt, gegründet 1958, mit dem Namen Drei Schilde. Sie wurde 1984 mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold ausgezeichnet. Von 1990 bis 1998 saßen hier die Stadtverordnetenversammlung und der Stadtpräsident, danach stand das Haus wieder leer. Von 2003 bis 2008 wurde es für 11,3 Millionen Euro saniert. Im Juni 2006 zog das Justizministerium des Landes ein, nachdem ein Neubau für die Behörde an anderer Stelle abgelehnt worden war. Der Goldene Saal wurde danach hergerichtet und im April 2009 wiedereröffnet. Er hat einen eigenen Eingang und steht den Einwohnern Schwerins für Feierlichkeiten zur Verfügung. 2010 gab es für die Rekonstruktion dieses Saals einen Sonderpreis beim Landesbaupreis. Seit 2024 ist der Bau Teil des Welterbes.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Neustädtischen Palais in der Puschkinstraße 19, auch Marienpalais genannt. Der Putzbau entstand 1779 nach Plänen von Johann Joachim Busch. Hermann Willebrand gestaltete ihn 1877 und 1878 im Stil der französischen Renaissance um. Seit Juni 2006 sitzt hier das Justizministerium.

Für Kinder

Dieses Haus sieht aus wie ein kleines Schloss. Es wurde im Jahr 1779 gebaut, und zwar für eine Witwe aus der Herzogsfamilie. Eine Witwe ist eine Frau, deren Mann gestorben ist. Sie wohnte hier bis zu ihrem Tod. Danach zogen immer wieder andere Leute ein: ein Finanzminister, dann der Großherzog mit seiner Familie, dann noch eine Witwe. Später gab es hier Feste und Veranstaltungen. Dann stand das Haus leer. Heute arbeiten darin Leute vom Justizministerium. Im Haus gibt es einen Saal mit viel Gold. Darin dürfen auch die Menschen aus Schwerin feiern. Wie viele Male würdest du umziehen wollen?

Quellen

Koordinaten: 53.6312, 11.4164 · auf der Karte

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