Stadtohr

Stadtrundgang Schwerin · Station 4 von 16

Schelfkirche

1238 · barock, kirche, grablege, glocken

Ausführlich

Sie stehen vor der Schelfkirche, offiziell die Kirche St. Nikolai, im Stadtteil Schelfstadt. Sie ist eine der wenigen Barockkirchen Norddeutschlands und der erste große nachreformatorische Kirchenbau Mecklenburgs. Dieser Ort ist viel älter als dieses Gebäude. Der früheste Beleg für eine Kirche oder Kapelle auf der Schelfe stammt von 1217, aus einer Urkunde, die einen Geistlichen von St. Nikolai nennt. 1228 stiftete Graf Heinrich I. von Schwerin wahrscheinlich aus Dank für den Sieg über die Dänen in der Schlacht bei Bornhöved eine neue Kirche. Dieser spätromanische Bau wurde spätestens 1238 geweiht. Zwischen 1300 und 1320 baute man ihn in eine gotische Saalkirche um, mit polygonalem Chorschluss und größeren Fenstern. Dann ging es abwärts. Im 16. Jahrhundert verfiel die Kirche zusehends, 1586 gab es eine notdürftige Sanierung, im 17. Jahrhundert war sie nur noch Filialkirche des Schweriner Doms. 1621 bekam sie einen neuen Turm. Fünf Jahre später mussten Turm und Dach schon wieder repariert werden, weil ein Sturm Teile des Glockenturms auf das Dach geworfen hatte. 1670 waren eine Glocke, der Glockenstuhl und das Dach fällig. Und dann, am 8. Dezember 1703, stürzte bei einem Orkan der Turmhelm auf die Kirche. Diesmal war es vorbei. Der Gesamtzustand ließ keinen Wiederaufbau zu, die Kirche wurde abgebrochen. Am 15. Mai 1708 legte man den Grundstein des Neubaus, nach Plänen des Ingenieur-Capitains Jacob Reutz. Das Datum war gewählt, nicht gefunden: Es war der Sophien-Tag, der Namenstag der herzoglichen Gemahlin Sophie Charlotte. Reutz starb 1710, die Bauleitung übernahm Leonhard Christoph Sturm, Architekt, Architekturtheoretiker, Mathematiker und Theologe. Eingeweiht wurde am 24. September 1713. Über dem Hauptportal steht in Stein gemeißelt, wozu dieses Haus gestiftet wurde: Gott zu Ehren, den Untertanen zur Übung der Gottseligkeit und dem Körper des Herzogs zur Ruhe. Das heißt: Es ist auch eine Grablege mecklenburgischer Herzöge. Zu den Maßen: dreiunddreißig Meter lang, siebenundzwanzig Meter achtzig breit, und bis zur Mitte des Turmknopfes zweiundfünfzig Meter zwanzig hoch. Nun zu den Glocken, denn an ihnen hängt das 20. Jahrhundert. Die große und die kleine Glocke, 1751 in Rostock gegossen, wurden im Ersten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Nur die alte Nikolausglocke von etwa 1517 verschonte man. 1925 hatte die Gemeinde genug Geld gesammelt, um neue Bronzeglocken gießen zu lassen. 1942 holte man dieselben, erst siebzehn Jahre alten Glocken wieder aus dem Turm, wieder für die Rüstung. 1959 ersetzte man sie durch Glocken aus Eisenhartguss, weil für Bronze Geld und Material fehlten. Die rosteten. 2015 wurden endlich zwei neue Bronzeglocken gegossen und am 14. Juni geweiht. Zwei Kriege, vier Glockensätze, eine Gemeinde, die nicht aufgehört hat zu sammeln. Ein Detail noch: Die Turmuhr von 1863 ist die älteste öffentliche Uhr der Stadt. Bis 2005 wurde sie täglich von Hand aufgezogen. Wikidata nennt als Jahr 1238, das ist die Weihe des Vorgängerbaus. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Kirche St. Nikolai, der Schelfkirche, im Stadtteil Schelfstadt. Der Backsteinbau wurde von 1709 bis 1711 für Herzog Friedrich Wilhelm I. nach einem Entwurf von Jakob Reutz gebaut. Sie ist eine der wenigen Barockkirchen Norddeutschlands. Seit 2024 ist sie Welterbe.

Für Kinder

Diese Kirche ist eine Barockkirche. Im Norden Deutschlands gibt es nur wenige davon. Sie steht hier, weil ein Sturm die alte Kirche kaputt gemacht hat. Am 8. Dezember 1703 blies ein Orkan die Turmspitze auf das Dach. Die alte Kirche war danach nicht mehr zu retten und wurde abgerissen. Spannend sind die Glocken. Im Ersten Weltkrieg wurden zwei Glocken eingeschmolzen, weil man das Metall für Waffen wollte. Die Gemeinde sammelte Geld und ließ neue gießen. Im Zweiten Weltkrieg passierte genau das Gleiche noch einmal. Erst im Jahr 2015 bekam die Kirche wieder richtige Bronzeglocken. Wie oft würdest du neu anfangen?

Quellen

Koordinaten: 53.6325, 11.417777777 · auf der Karte

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