Sie stehen am Markt vor dem Altstädtischen Rathaus, dem Rathaus der Residenzstadt von Mecklenburg-Schwerin. Schauen Sie die Front genau an und merken Sie sich, was Sie sehen: eine zweigeschossige Fassade im Tudorstil, zinnenbekrönt, mit zwei Eckrisaliten. Und jetzt der Hinweis: Diese Fassade ist vorgeblendet. Sie wurde 1835 nach Plänen von Georg Adolph Demmler vor das Haus gesetzt, weil die Verwaltung wuchs und der Markt repräsentativ werden sollte. Dahinter steht etwas ganz anderes, nämlich zwei Fachwerkgiebel des 17. Jahrhunderts und Gebäudeteile, deren Entstehungszeiten vom 14. bis ins 20. Jahrhundert reichen. Zur Datierung muss ich Ihnen zwei Angaben nennen. Ein Rathaus an gleicher Stelle wurde 1338 erstmals urkundlich erwähnt. Vielfach, unter anderem im Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler von Dehio, wird auch das Jahr 1351 genannt. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Damals stand hier wohl ein gotisches Giebelhaus mit zwei Schaugiebeln nach Westen und Osten und offenen Arkaden zur Südseite. Nun zur Geschichte dieses Hauses, und sie ist eine Geschichte von Feuer. Die Stadtbrände von 1531 und 1558 zerstörten den gotischen Bau weitgehend. 1567 entstand ein Renaissancebau, dessen Turm 1575 fertig war. 1651 brach in einer Schmiede hinter dem Rathaus ein Feuer aus. Es zerstörte das Rathaus bis auf einige massive Wände und mit ihm etwa hundertfünfzig Häuser der Stadt. Die Stadt war in Finanznot, der Wiederaufbau zog sich bis 1654, und was entstand, war bescheidener als vorher: einfache Fachwerkgiebel auf beiden Seiten, zwei niedrige Satteldächer. Bezahlt wurde das aus Spenden, die im Reich gesammelt wurden. Eine Stadt, die ihr Rathaus nicht selbst bezahlen kann, bittet andere Städte. 1744 wurde wieder umgebaut, weil die Bevölkerung wuchs und die Verwaltung mehr Platz brauchte. In diesem Jahr kam auch die Figur auf das Dach. Der Kupferschmied Albert Paltzoss setzte den goldenen Reiter auf die mittlere Zinne, der Maler Johann Christian Busch vergoldete ihn. Der Reiter ist die Wappenfigur Schwerins und zeigt den Stadtgründer Heinrich den Löwen. Schauen Sie hinauf. Es ist derselbe Mann, der 1160 die slawische Burg auf der Insel erobern ließ, von der wir gerade kommen. Schauen Sie auch nach hinten, zur Ostseite: Der mittelalterliche Torbogen, der den Durchgang zum Schlachtermarkt überspannt, ist das einzige Relikt des mittelalterlichen Vorgängerbaus. Seine eigentliche Funktion verlor das Haus Ende des 19. Jahrhunderts. Pläne für ein neues monumentales Rathaus aus den 1920er Jahren und von 1936, damals im Zusammenhang mit dem Umbau Schwerins zur Gauhauptstadt, wurden nicht verwirklicht. 1983 bis 1985 wurde restauriert, zum 825-jährigen Stadtjubiläum bezog der Oberbürgermeister 1985 seine Diensträume hier. Heute sitzt in dem Haus die Stadtmarketing Gesellschaft mit der Touristeninformation, und im Demmlersaal finden Stadtvertretersitzungen statt.
Sie stehen am Markt vor dem Altstädtischen Rathaus. Es war das Rathaus der Residenzstadt Mecklenburg-Schwerin. An dieser Stelle sind Vorgängerbauten seit 1338 belegt. Die zinnenbekrönte Fassade im Tudorstil wurde 1835 nach Plänen von Georg Adolph Demmler vorgeblendet.
Das ist das alte Rathaus von Schwerin. Schau die Vorderseite an: Oben sind Zinnen, wie bei einer Ritterburg. Das ist aber keine Burg. Die Vorderseite wurde im Jahr 1835 einfach vor das alte Haus gesetzt, damit es schöner aussieht. Dahinter steckt ein viel älteres Haus aus Holz und Lehm. Dieses Haus hatte oft Pech mit Feuer. Dreimal brannte es. Beim letzten Mal, im Jahr 1651, fing es in einer Schmiede dahinter an, und mit dem Rathaus brannten etwa hundertfünfzig Häuser der Stadt ab. Schau nach oben auf die Spitze: Dort steht ein goldener Reiter. Das ist Heinrich der Löwe, der die Stadt gegründet hat. Kannst du ihn sehen?
Koordinaten: 53.6289, 11.4155 · auf der Karte