Sie stehen vor der Schloßstraße 12, dem ehemaligen Hôtel du Nord. Von hier an gehen wir die Schloßstraße hinunter zum Alten Garten, Haus für Haus, und Sie werden merken: In dieser einen Straße steht die halbe Landesregierung. Dieses Haus gehört nicht dazu, und genau deshalb fange ich damit an. Auf Wunsch des Großherzogs Paul Friedrich wurde 1842 und 1843 ein repräsentatives Hotel gebaut, das Hôtel du Nord, mit fünfundvierzig Zimmern für gehobene Gäste. Die Pläne stammen von Hofbaumeister Georg Adolph Demmler, dem Mann, der auch das Schloss umbaute und dem Rathaus seine Tudorfassade vorsetzte. Der Komplex ist U-förmig und klassizistisch. Er besteht aus zwei vier- bis fünfgeschossigen verputzten Fachwerkbauten: dem Eingangsgebäude an der Schloßstraße, mit schmuckreicher Fassade und einem Mezzaningeschoss, und dem heutigen Wohnhaus an der Klosterstraße. Ein dreigeschossiges Fachwerkhaus verbindet beide. Jetzt stellen Sie sich einmal vor, wie dieses Haus von unten nach oben organisiert war, denn das erklärt das Reisen im 19. Jahrhundert besser als jede Beschreibung. Im Hinterhaus lagen unten der Pferdestall und der Wagenraum. Wer anreiste, kam mit Pferden, und die mussten versorgt werden. Darüber, in einem Zwischenstock, lagerten deshalb Heu und Stroh. Und über dem Heu, im zweiten Geschoss, lag ein hoher Tanzsaal mit Fenstern zum Hof, dessen Wände und Decken mit Goldleisten, Rosetten und Malereien verziert waren. Pferde unten, Heu in der Mitte, Ballsaal oben, alles im selben Gebäude. Das Hotel gehörte dem Großherzogtum und war an den Oberkellner Friedrich Carl Neudecker verpachtet. Die Bauwerke verursachten ihm hohe Unterhaltungskosten, und 1851 strebte er einen Verkauf an. 1852 war der Hotelbetrieb hier schon wieder eingestellt und die Anlage verkauft. Zehn Jahre Hotel, nach zwei Jahren Bauzeit und auf Wunsch eines Großherzogs. Danach nahm Neudecker ein anderes Haus, das Hotel Stadt Hamburg, und nannte es Hotel du Nord. Der Name wanderte weiter, das Gebäude blieb zurück. Welches Haus das war und warum sich die Quellen an dieser Stelle widersprechen, erzähle ich Ihnen ein paar Schritte weiter, an der Schloßstraße 9 und 11. Nach 1946 war in diesem Haus zeitweise der Sitz des Landesverbandes der CDU. 2011 bis 2013 wurden die Gebäude nach Plänen der Schweriner Architektengruppe foreit umgebaut und saniert. Heute ist es ein Wohn- und Geschäftshaus.
Sie stehen vor dem Gebäude Schloßstraße 12, dem ehemaligen Hôtel du Nord. Auf Wunsch des Großherzogs Paul Friedrich wurde es 1842 und 1843 nach Plänen von Hofbaumeister Georg Adolph Demmler gebaut, mit fünfundvierzig Zimmern für gehobene Gäste. Heute ist es ein Wohn- und Geschäftshaus.
Dieses Haus war früher ein Hotel. Ein Großherzog wollte, dass Schwerin ein feines Hotel bekommt. Also wurde es gebaut, mit fünfundvierzig Zimmern. Das war im Jahr 1843. Damals kamen die Gäste nicht mit dem Auto, sondern mit Pferd und Wagen. Deshalb war im Hinterhaus unten ein Pferdestall. Darüber lagerten Heu und Stroh als Futter. Und noch ein Stockwerk höher war ein großer Tanzsaal mit Gold an den Wänden. Stell dir das vor: unten die Pferde, in der Mitte das Heu, oben wird getanzt. Das Hotel war aber zu teuer im Unterhalt. Nach nur zehn Jahren wurde es geschlossen. Was würdest du in das Haus einbauen?
Koordinaten: 53.6273, 11.41433 · auf der Karte