Sie stehen vor dem Saarbrücker Schloss, und Sie stehen auf einer Baugeschichte von tausend Jahren. Quellen von 999 nennen ein kaiserliches Castell Sarabruca, 1009 heißt es Veste Sarebrugka. Nach einer Urkunde von 1065 hatte Herzog Friedrich von Niederlothringen die Burg als Lehen erhalten, König Heinrich IV. schenkte sie dessen Bruder Adalbero III. von Luxemburg, der Bischof von Metz war. 1168 wurde die Burg des Grafen Simon auf Befehl Kaiser Friedrichs I. zerstört. Eine Urkunde von 1485 berichtet, Graf Johann III. habe 1459 begonnen, wegen Kriegszeiten die beiden Städte Saarbrücken und St. Johann zu befestigen und zu bewachen. Johann IV. legte ab 1563 moderne Bollwerke um die Burg an und baute eine Zugbrücke über den Graben zwischen Stadt und Burg. Es war also eine Festung, und sie wurde immer stärker befestigt. Nun das Entscheidende. Unter Fürst Wilhelm Heinrich, der ab 1741 regierte, wurde das alles aufgegeben. Eine Quelle nennt die Gründe: der Wandel in der fürstlichen Lebensführung, das Aufgeben der Wehrbaufunktionen, eine weltoffenere Haltung, der Wunsch nach einer freieren Anlageform mit Außenhöfen und Gärten, der Wille zu einer bequemeren, prachtvolleren Gestaltung und einer verfeinerten Wohnkultur. Mit anderen Worten: Ein Fürst wollte nicht mehr hinter Mauern wohnen, sondern gesehen werden. Dafür holte er Friedrich Joachim Stengel, 1733 als nassau-usingischer Hofarchitekt berufen und von 1708 bis 1712 an der königlichen Akademie der Künste in Berlin ausgebildet. Und Stengel plante nicht nur ein Haus. Er plante die Stadt: Schloss mit Schlossplatz, Rathaus und Erbprinzenpalais, dazu den Ludwigsplatz mit der Ludwigskirche, der Friedenskirche und einem Palais. Im Stadtgrundriss wurden Geometrie und Symmetrie eingeplant, mit rechteckigen Platzanlagen und Achsenbezügen, dem sogenannten Point de vue. Sie haben heute an beiden Enden dieser Planung gestanden, hier und am Ludwigsplatz. Die Arbeit dafür war grob: Burggräben wurden verfüllt, Mauern geschleift, der Saarlauf umgelegt, eine neue Schlossmauer am Fluss errichtet und die Terrassen zum Saartal hin ausgebaut. Was von der Burg übrig ist, liegt unter Ihnen, und es wurde erst spät wiedergefunden. Bei Kanalisationsarbeiten im August 1977 entdeckte man eine drei Meter dicke Mauer, die zum alten Bergfried gehörte. Im März 1989 wurde beim Abtragen der Freitreppe und bei der Neugestaltung des Schlossplatzes das komplette Turmfundament freigelegt. Im Oktober 1983 grub man bei Ausschachtungsarbeiten für ein technisches Nebengebäude an der Talstraße einen Teil der Befestigungsanlagen aus, in verschiedenen Schichten. Diese Bastion und die südwestliche Wehrmauer wurden in den Neubau einbezogen und können besichtigt werden. Nach umfangreichen Ausgrabungen zwischen 2003 und 2007 sind auch die Kasematten unter dem Schlossplatz vom Historischen Museum Saar aus zugänglich. Heute ist das Schloss Verwaltungssitz des Regionalverbands Saarbrücken. Und noch ein Detail über die Menschen, die hier arbeiteten: 1699 ernannte Graf Ludwig Kraft den Hofbildhauer Jacques Pierrard de Coraille, der zahlreiche Vasen und Statuen für den Schlosspark schuf und die Grabmale für Gustav Adolf und später für Ludwig Kraft in der Schlosskirche, an der wir gerade vorbeigegangen sind.
Sie stehen vor dem Saarbrücker Schloss. Quellen von 999 nennen hier ein kaiserliches Castell Sarabruca, 1009 eine Veste. Aus der Burg wurde ein Renaissanceschloss, daraus unter Fürst Wilhelm Heinrich ein barockes Schloss nach Plänen von Friedrich Joachim Stengel. Heute ist es Verwaltungssitz des Regionalverbands Saarbrücken.
Du stehst vor dem Saarbrücker Schloss. Hier stand vor über tausend Jahren eine Burg. Sie hatte dicke Mauern, Gräben und eine Zugbrücke, und einen hohen Turm, von dem aus man weit sehen konnte. Dann wollte ein Fürst nicht mehr in einer Burg wohnen. Er fand sie dunkel und unbequem. Also riss er sie ab und baute ein Schloss mit Garten, hell und mit vielen Fenstern. Der Baumeister war wieder Friedrich Joachim Stengel, derselbe wie bei der Kirche am Anfang. Aber der alte Turm ist nicht ganz verschwunden. Er liegt unter dem Boden. Im Jahr 1977 gruben Arbeiter ein Loch für ein Rohr und stießen auf eine Mauer, die drei Meter dick war. Später fand man das ganze Fundament. Was glaubst du, liegt unter dem Platz, auf dem du gerade stehst?
Koordinaten: 49.2301, 6.9925 · auf der Karte