Stadtohr

Stadtrundgang Saarbrücken · Station 16 von 16

Platz des Unsichtbaren Mahnmals

· mahnmal, jüdische friedhöfe, erinnerung, kunst

Ausführlich

Sie stehen auf dem Platz des Unsichtbaren Mahnmals, dem Vorhof des Saarbrücker Schlosses, und damit am Ende dieses Rundgangs. Schauen Sie auf den Mittelstreifen des Platzes, auf die dunklen Pflastersteine. Dort ist etwas eingefräst, und Sie werden es nicht sehen, denn die Beschriftung zeigt nach unten, in den Boden. Das ist der ganze Punkt. Die Geschichte dieses Mahnmals beginnt als Regelverstoß. Zwischen April 1990 und Mai 1993 begannen der Kunstprofessor Jochen Gerz und mehrere Studenten, zunächst heimlich und illegal zu arbeiten. Nachts entnahmen sie Pflastersteine und ersetzten sie durch andere. Die entnommenen Steine wurden bearbeitet: Auf die Unterseite meißelte man den Namen eines Ortes mit jüdischer Begräbnisstätte und das Datum der Beschriftung. Anschließend wurden die beschrifteten Originale, wieder in einer nächtlichen Aktion, an ihren Platz zurückgesetzt. Niemand konnte sehen, welcher Stein bearbeitet war und welcher nicht. Dann geschah etwas Seltenes. Der Stadtverbandstag Saarbrücken griff die Idee auf, statt sie zu verfolgen, und beschloss im August 1991, ein solches Denkmal zu realisieren. Insgesamt 2146 Ortsnamen jüdischer Friedhöfe, die bis zum Jahr 1933 bestanden hatten, wurden in die dunklen Pflastersteine des Mittelstreifens eingefräst und im Boden versenkt. Am 23. Mai 1993 wurde das Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben. Erkennbar ist es seitdem lediglich an den unauffällig angebrachten Schildern zum Platz des Unsichtbaren Mahnmals. Auf diese Weise soll die Verdrängung der Geschichte symbolisiert werden. Denken Sie einen Moment an den Weg zurück, den wir gegangen sind. An der Ludwigskirche wurden in der Französischen Revolution das Landeswappen, der Namenszug und das Brustbild des Fürsten entfernt. Von der Alten Brücke wurde nach 1945 das Reiterstandbild des Kaisers abgetragen, auf Befehl der Besatzungsmacht, als Symbol des Militarismus. Das Kreisständehaus trug zuerst einen preußischen Adler, dann eine Fahne, dann einen neuen Namen. Am St. Johanner Markt wurden einundsechzig Fassaden in zwei Monaten verändert, damit ein Platz zu einem Besuch passte. Diese Stadt hat viel Erfahrung darin, Zeichen anzubringen und wieder abzunehmen. Hier, an der letzten Station, ist es umgekehrt gelöst. Die Namen sind angebracht, dauerhaft, und sie sind nicht zu sehen. Wer sie lesen will, muss wissen, dass sie da sind. Sie stehen darauf. Das ist das Ende des Rundgangs.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Platz des Unsichtbaren Mahnmals, dem Vorhof des Saarbrücker Schlosses. In die dunklen Pflastersteine des Mittelstreifens sind 2146 Ortsnamen jüdischer Friedhöfe eingefräst, die bis 1933 bestanden hatten. Die Beschriftung zeigt nach unten und ist nicht zu sehen. Eingeweiht wurde das Mahnmal 1993.

Für Kinder

Du stehst auf einem besonderen Platz. Er heißt Platz des Unsichtbaren Mahnmals. Ein Mahnmal ist etwas, das man hinstellt, damit niemand etwas Schlimmes vergisst. Normalerweise ist ein Mahnmal groß und gut zu sehen. Dieses hier nicht. Schau auf die dunklen Steine in der Mitte des Platzes. In manche von ihnen sind Namen eingeritzt: Namen von Orten, in denen es jüdische Friedhöfe gab. Aber die Namen sind auf der Unterseite der Steine. Sie zeigen nach unten, in die Erde. Du kannst sie nicht lesen. 2146 Namen sind es. Ein Künstler und seine Studenten haben nachts angefangen, die Steine heimlich auszutauschen. Später hat die Stadt gesagt: Das ist eine gute Idee, machen wir zusammen weiter. Warum macht man ein Denkmal, das man nicht sehen kann? Denk einmal darüber nach, während du darauf stehst.

Quellen

Koordinaten: 49.2305, 6.99157 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.