Stadtohr

Stadtrundgang Saarbrücken · Station 14 von 16

Schlosskirche Saarbrücken

2004 · kirche, gotik, mittelalter, museum

Ausführlich

Sie stehen vor der Schlosskirche. Beginnen wir mit einem Versprechen, das nicht gehalten wurde. Graf Johann II. hatte eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela gelobt. Angetreten hat er sie nicht. Papst Innozenz VI. erlaubte ihm von Avignon aus, das Gelübde umzuwandeln, und so ließ Johann II. 1356 in der Burgkapelle einen Altar zu Ehren des heiligen Jakobus des Älteren errichten. Die Stiftung sah vor, dass ein Priester an drei Tagen in der Woche eine Messe liest, zu seinem Heil, dem seiner Frau, seiner Tochter und seiner Vorfahren. Eine Pilgerreise, abgelöst durch eine Dauerleistung. Die Vorgeschichte dieses Ortes ist verschachtelt. Vermutlich im 11. Jahrhundert wurde in der Burg auf dem Saarfelsen eine Burgkapelle eingerichtet, die capella castri Sarapontensis. Sie diente dem gräflichen Hof und den Burgmannen. Erstmals belegt ist sie 1228, als Graf Simon III. sie dem Deutschen Orden übertrug. Graf Johann I. ließ anstelle der alten Kapelle eine Margarethenkapelle errichten, benannt nach der Schutzheiligen seiner Mutter, geweiht am 2. Mai 1315 von Chorbischof Daniel von Metz. 1466 wurde abgerissen, zwei Jahre später eine neue Kapelle geweiht. Daneben gab es die Nikolauskapelle für die Einwohner der Burgsiedlung, erlaubt am 23. August 1261 vom Metzer Bischof Philipp von Flörchingen. Reste dieses Gebäudes haben sich vermutlich in der Taufkapelle und der Sakristei erhalten, und im Dachstuhl der Taufkapelle steckt noch ein staufisches Kapitell. Nun der Bau, vor dem Sie stehen. Er wird 1476 erstmals erwähnt, und zwar aus einem unerwarteten Anlass: In diesem Jahr erstatteten drei der Baumeister zu viel gezahlten Lohn zurück. Begonnen worden sein dürfte er früher. Der Hofhistoriograph Johann Andreae notierte, in diesem Jahr sei die neue Kirche gebaut worden, da vordem eine alte baufällige da gewesen. Die Urkunde nennt als Baumeister Erhard Snyder, Peter Schryber und Nicklas Steynmetz. Aus einer Rechnung von 1478 kennen wir weitere Namen: ein führender Steinmetz, Meister Hans, dazu die Knechte Philipp und Peter und die Zimmerleute Herzog und Albrecht, die die Holzkonstruktion der Dächer errichteten. Die Steine wurden in Güdingen gebrochen und von Bauern aus Güdingen und Bübingen verladen, an die Baustelle gebracht haben sie Knechte des Abtes von Wadgassen und des Deutschen Ordens. Es ist selten, dass man bei einem Bau dieses Alters die Arbeiter mit Namen kennt. Fertig war der zweischiffige, hallenartige Bau vermutlich um 1518. 1575 führte Graf Philipp III. die Reformation zwangsweise ein. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es in Saarbrücken keine katholische Pfarrei mehr, erst am 9. Mai 1803 wurde eine katholische Kantonspfarrei eingerichtet, die aber über keine eigene Kirche verfügte und die Kirche in St. Johann benutzen musste, jene, vor der wir vorhin standen. Von der ursprünglichen Ausstattung ist durch die Zerstörungen der letzten Jahrhunderte nichts erhalten, lediglich der Sockel der spätmittelalterlichen Kanzel wurde nach der Umwandlung in ein Museum wieder aufgestellt. Seit 2004 ist das Haus ein Museum für christliche Sakralkunst, modernisiert und über einen gläsernen Trakt an der Südseite des Chores mit der Alten Sammlung im Kreisständehaus verbunden. Die Hochschule für Musik Saar nutzt die Räume als Spielstätte, und seit 2012 finden im Kirchenschiff auch zeitgenössische Kunstausstellungen statt. Ein letzter Blick nach Osten: Direkt an der Kirche verläuft die Autobahn. Für ihren Bau wurde die zur Saar hin abschließende Häuserzeile abgerissen. Zur Jahresangabe: Wikidata nennt 2004. Das ist das Jahr des Museums, nicht das des Baus.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Schlosskirche. Der gotische Bau wurde 1476 erstmals erwähnt und vermutlich um 1518 fertiggestellt. Bis zur Einführung der Reformation 1575 trug die Kirche das Patrozinium des heiligen Nikolaus von Myra. Seit 2004 ist das Gebäude ein Museum für christliche Sakralkunst.

Für Kinder

Du stehst vor der Schlosskirche. Sie ist sehr alt, über fünfhundert Jahre, und heute ist darin ein Museum. Hier ist eine Geschichte, die wirklich so passiert ist. Vor fast siebenhundert Jahren versprach ein Graf, zu Fuß nach Spanien zu wandern, zu einem berühmten Grab. So ein Versprechen nannte man Gelübde. Gegangen ist er nicht. Also fragte er beim Papst, ob er etwas anderes tun könne. Der Papst erlaubte es. Der Graf ließ in der Kirche einen Altar bauen und bezahlte einen Priester, der dreimal in der Woche für ihn betete. Kein Fußweg, sondern Geld. Findest du das in Ordnung? Übrigens weiß man sogar, wie die Leute hießen, die die Kirche gebaut haben: Meister Hans war der oberste Steinmetz, und zwei Zimmerleute hießen Herzog und Albrecht.

Quellen

Koordinaten: 49.231, 6.99162 · auf der Karte

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