Sie stehen vor der Stiftskirche St. Johann am Krauterermarkt, eingeklemmt zwischen dem Domplatz im Süden und dem Bischofshof im Norden. Sie ist der geistliche Mittelpunkt des 1127 gegründeten Kollegiatstifts, geweiht Johannes dem Täufer, dessen Gedenktag der 24. Juni ist, und Johannes dem Evangelisten. Merken Sie sich den 24. Juni. Diese Kirche ist mehrfach verschwunden und mehrfach wiedergekommen. Der erste Bau, nicht mehr genau zu lokalisieren, war die Taufkirche des alten Doms. Deshalb verortet man hier die Taufe von vierzehn böhmischen Fürsten im Jahr 845, bezeugt in den Fuldaer Annalen. Seit 1995 erinnert daran eine Gedenktafel an der nördlichen Außenmauer. Dann kam der Dombau. Die Stiftsgebäude und die Stiftskirche standen der Westerweiterung im Weg. Die Nikolauskapelle an der Südseite wurde 1325 noch ausdrücklich vom Abriss ausgenommen, kurz darauf aber doch abgetragen, denn 1341 bekam das Stift eine Ausgleichszahlung dafür. Über Jahrzehnte widersetzte sich das Stift dem Abriss der eigenen Kirche, und es hatte Gewicht: 1369 schrieb Bischof Konrad VI., St. Johann sei im Ansehen des Bistums die zweite Kirche. Am 2. Juli 1380 wurde der Handel geschlossen. Abriss gegen Neubau mit fünf Altären, zu errichten innerhalb von zwölf Jahren. Der gotische Neubau stand vermutlich bereits 1381, an der Stelle, an der Sie jetzt stehen: eine zweischiffige Hallenkirche mit Flachdecke, im Obergeschoss des südlichen Seitenschiffs das Stiftsarchiv und der Kapitelsaal. Am Turm und an der Nordfassade sind noch Bruchsteinmauern dieser Bauphase erhalten. Schauen Sie zum Turm hinauf. Die Uhr dort erhielt 1628 ein Vierwochengangwerk, das sich bis heute in Betrieb befindet. Von 1766 bis 1769 wurde die Kirche durchgreifend umgebaut: der gotische Bau bis auf die Grundmauern niedergelegt, die beiden Schiffe zu einem einheitlichen Saal vereinigt, der Chor abgetrennt und zweigeschossig geteilt, unten die Sakristei, oben der neue Kapitelsaal. Der Hofmaler Johann Nepomuk Schöpf malte 1768 drei Deckenfresken, darunter die Gründung und Erbauung dieser Stiftskirche. Die Gemälde sind nicht erhalten. Und nun der 24. Juni. Von 1874 bis 1878 war die Kirche gerade aufwendig renoviert worden. Am 24. Juni 1887, dem Gedenktag Johannes des Täufers, brach im Bischofshof nördlich von hier ein Brand aus, griff auf die Stiftskirche über und machte die Anstrengungen weitgehend zunichte. Der Turm brannte aus. Wiederaufgebaut wurde in neobarocken Formen. Das Tafelbild der Schönen Maria von Albrecht Altdorfer aus der Zeit um 1520, das hier in einem Altarretabel stand, liegt heute als Leihgabe im Diözesanmuseum. Altdorfers Namen hören Sie auf diesem Rundgang noch zweimal.
Sie stehen vor der Stiftskirche St. Johann am Krauterermarkt, zwischen Domplatz und Bischofshof. Sie ist der geistliche Mittelpunkt des 1127 gegründeten Kollegiatstifts St. Johann. Der heutige Bau geht auf den Wiederaufbau nach dem Brand von 1887 zurück.
Diese Kirche heißt St. Johann. Sie musste abgerissen werden, weil der große Dom daneben nach Westen wachsen wollte. Die Leute hier haben sich viele Jahre gewehrt. Am Ende machten sie einen Handel: Wir reißen unsere Kirche ab, und ihr baut uns eine neue. Schau zum Turm hinauf, dort hängt eine Uhr. Ihr Uhrwerk ist von 1628, und man muss es nur alle vier Wochen aufziehen. Es läuft immer noch. Was würdest du sagen, wenn jemand dein Haus abreißen will, weil sein Haus größer werden soll?
Koordinaten: 49.0197, 12.0975 · auf der Karte