Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 3 von 16

Stadtamhof

1050 · vorstadt, stadtmauer, welterbe, donau

Ausführlich

Sie sind in Stadtamhof, am Nordufer der Donau, und Sie sind hier genau genommen im Ausland. Jahrhundertelang war das keine Vorstadt, sondern eine eigene Stadt in einem anderen Staat. Regensburg wurde Freie Reichsstadt. Stadtamhof, in alten Texten Stat am Hoff bey Regensburg genannt, blieb ununterbrochen beim Herzogtum und späteren Kurfürstentum Bayern. Eingemeindet wurde es erst am 1. April 1924, und bis Oktober 1929 saß hier noch das eigene Bezirksamt. Mit null Komma sechsundsechzig Quadratkilometern ist es der kleinste der achtzehn Regensburger Stadtbezirke. Der Grund für den langen Streit liegt unter Ihren Füßen. Der Ort liegt am nördlichen Ende der Steinernen Brücke, also an der strategisch entscheidenden Stelle. Wer hier saß, kontrollierte den Zugang zur Brücke. Deshalb gab es von Regensburger Seite immer Versuche, den Vorort einzuverleiben. Im 12. Jahrhundert erhob König Konrad III. den Ort zur Marktgemeinde, um 1250 kam er unter die Oberhoheit der Wittelsbacher. 1322 erließ Kaiser Ludwig der Bayer den Bewohnern für ein Jahr alle Steuern, damit der Ort erstmals eine Stadtmauer bekam. Die Maßnahme richtete sich ausdrücklich auch gegen die Reichsstadt. Fünfzig Jahre später antwortete Regensburg: Im Städtekrieg von 1387 bis 1389 ließ die Stadt Stadtamhof völlig zerstören, damit sich dort keine Feinde festsetzen konnten. 1496 erhob Herzog Albrecht IV. den Ort zur Stadt. Ihr Wappen zeigte drei Schlüssel. Das Ende kam im Dreißigjährigen Krieg. Im November 1633 eroberten schwedische Truppen Regensburg und Stadtamhof. Weil man einen Gegenangriff kaiserlicher Truppen aus Böhmen erwartete, bauten die Schweden Stadtamhof zur vorgelagerten Verteidigungsanlage der Brücke aus, mit dem Schwarzen Turm als Abwehrzentrum. Dafür wurden fast alle Wohnhäuser abgerissen, auch Kirche und Klostergebäude des 1138 gegründeten Stifts St. Mang. Erhalten blieben das Katharinenspital, fünf Häuser und zwei Mühlen. Der Schwarze Turm selbst wurde 1809 in der Schlacht bei Regensburg zerstört, an seiner Stelle liegt heute der St. Katharinenplatz. Noch eine Veränderung, und die ist jung: Seit der Fertigstellung des Europakanals, gebaut von 1972 bis 1978, ist Stadtamhof vom nördlich anschließenden Stadtbezirk Steinweg abgetrennt und damit gleichsam eine Insel. Die Regensburger zählen es trotzdem nicht zu den Donauinseln. Seit dem 13. Juli 2006 gehören Stadtamhof und die Altstadt gemeinsam zum Welterbe der Unesco. Die beiden alten Gegner stehen jetzt auf derselben Urkunde. Gehen wir über die Brücke, um die es ging.

Kurzfassung

Sie sind in Stadtamhof, am Nordufer der Donau. Bis zum 1. April 1924 war das eine eigene bayerische Kleinstadt, nicht Teil von Regensburg. Seit dem 13. Juli 2006 gehört es mit der Altstadt zum Welterbe der Unesco.

Für Kinder

Du stehst in Stadtamhof. Das sieht aus wie ein Teil von Regensburg, war aber lange eine eigene Stadt, die sogar zu einem anderen Land gehörte. Die beiden haben sich gestritten, denn hier endet die wichtige Brücke über die Donau. 1322 durften die Leute hier ein Jahr lang keine Steuern zahlen, damit sie eine Mauer bauen konnten. Die sollte vor Regensburg schützen. Fünfzig Jahre später haben die Regensburger den ganzen Ort kaputt gemacht. Erst 1924 wurden die beiden ein Ort. Hättest du gemerkt, dass hier eine Grenze war?

Quellen

Koordinaten: 49.0244, 12.0972 · auf der Karte

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