Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 15 von 16

Stiftskirche zur Alten Kapelle

1002 · rokoko, kollegiatstift, legende, spolien

Ausführlich

Sie stehen vor der Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle am Alten Kornmarkt, der ältesten Kirche Regensburgs und der Hauptkirche des ältesten noch bestehenden Kollegiatstifts in Bayern. Zuerst die Legenden, und zwar ausdrücklich als Legenden. Die Kirche soll auf eine Pfalzkapelle der Agilolfinger zurückgehen, die an der Stelle eines römischen Juno-Tempels errichtet wurde, den Bischof Rupert von Salzburg in ein Marienheiligtum umgewandelt haben soll. Die Keimzelle soll die heutige Marienvermähl-Kapelle in der Nordwestecke sein, und dort soll der Agilolfingerherzog Theodo von Rupert getauft worden sein. Sie haben diese Taufe heute schon gesehen, auf dem Hochaltarbild von St. Rupert aus dem Jahr 1690. All das ist weder urkundlich noch baugeschichtlich nachweisbar und muss der mündlichen Tradition und der Legende zugeschrieben werden. Zum ersten Mal trat die Alte Kapelle 875 aus dem Dunkel der Geschichte. König Ludwig der Deutsche, der von 826 bis 876 von Regensburg aus regierte, bezeichnete sich in einer Schenkungsurkunde als Erbauer der Kirche zu Ehren Mariens und als Errichter eines Kollegiatstifts. Für den Bau seien, so die Urkunde, Steine der römischen Stadtmauer von Castra Regina verwendet worden. Schauen Sie an der westlichen Außenwand: Einige sind dort noch sichtbar. Die Römer sind hier nicht Geschichte, sie sind Baumaterial. Weil Arnulf, der Nachfolger Ludwigs, die Königspfalz 887 in die unmittelbare Nähe des Klosters St. Emmeram verlegte, löste sich das Kollegiatstift schnell auf, und der Baukomplex wurde sich selbst überlassen. Im Jahr 967 ist in einer Urkunde erstmals von der antiqua capella die Rede, der Alten Kapelle, denn der Kirchenbau verfiel zusehends. Der Name beschreibt also keinen Ehrentitel, sondern einen Zustand. 1002, kurz nach seinem Regierungsantritt, gründete der später heiliggesprochene König Heinrich II. das Stift erneut und ließ die Kirche von 1002 bis 1004 unter Beibehaltung des Grundrisses grundlegend umbauen. Zwischen 1441 und 1452 ersetzte der Baumeister Hans Engel die zu klein und baufällig gewordene Apsis durch einen deutlich überhöhten spätgotischen Chor. Schauen Sie die Kirche von außen an: Der hohe gotische Chor und das niedrigere ottonische Langhaus sind deutlich zu unterscheiden. Und dann kam das Rokoko. Unter dem Stiftsdekan Johann Michael Franz Velhorn begann 1747 die Umgestaltung zur bedeutendsten Rokokokirche Bayerns nach der Wieskirche. Der Grund für diesen Aufwand war Konkurrenz. Das Kollegiatstift wollte seine Eigenständigkeit gegenüber dem mächtigen Domstift und dem Bischof demonstrieren. Bis heute ist der Spruch überliefert: St. Peter ist der Mächtige, die Kapelle die Prächtige. Bei den Maßnahmen des 18. Jahrhunderts gingen fast alle mittelalterlichen Bauelemente verloren.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stiftskirche zur Alten Kapelle am Alten Kornmarkt. Sie ist die älteste Kirche Regensburgs und die Hauptkirche des ältesten noch bestehenden Kollegiatstifts in Bayern. Der Kern geht auf 1002 zurück, als Heinrich II. und Kunigunde das Stift gründeten. Innen dominiert der Rokokostil.

Für Kinder

Das ist die älteste Kirche von Regensburg. Von draußen siehst du, dass der hintere Teil höher ist als der vordere. Das ist kein Fehler: Der hohe Chor wurde zwischen 1441 und 1452 angebaut, der niedrige Teil ist viel älter. Vor über elfhundert Jahren hat man beim Bauen alte Steine der Römer benutzt, die hier herumlagen. An der Westwand kannst du einige noch sehen. Drinnen ist alles weiß, gold und bunt. Das nennt man Rokoko. Die Leute hier wollten zeigen, dass ihre Kirche schöner ist als der große Dom. Was findest du besser, groß oder bunt?

Quellen

Koordinaten: 49.01833333, 12.1 · auf der Karte

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