Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 16 von 16

Kanonissenstift Niedermünster, Regensburg

vor 788 · damenstift, ausgrabung, roemerlager, herzogsgraeber

Ausführlich

Sie stehen vor dem Stift Niedermünster, etwas nördlich vom Alten Kornmarkt, nahe dem Dom, an dem wir heute angefangen haben. Das dem heiligen Erhard geweihte Stift wurde von Tassilo III., dem letzten baierischen Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger, vor seiner Abdankung im Jahr 788 gegründet. Die Agilolfinger hatten am Ende des 6. Jahrhunderts das von den Römern verlassene Legionslager Castra Regina als Hauptstadt gewählt. Nördlich an diese Residenz anschließend wurden nach 700 zwei römische Profangebäude mit einer steinernen Herzogskirche überbaut. Diese Kirche war die erste Bischofskirche in Regensburg, und sie entstand anlässlich der Grablege des heiligen Erhard, dessen Grabstätte an der Nordwand lag und bis heute in ihrer Lage unverändert geblieben ist. Auf dieser Stelle standen vier Kirchen nacheinander. Von 922 bis 955 entstand unter Herzog Heinrich I. von Bayern und seiner Ehefrau Judith die zweite Damenstiftskirche. Heinrich erlebte die Fertigstellung nicht. Judith führte den Bau zu Ende, trat 973 selbst in das Stift ein und stand ihm bis zu ihrem Tod als Äbtissin vor. Sie gilt als die eigentliche Gründerin. Beim Todesjahr ist eine Quelle mit sich selbst uneins: An einer Stelle nennt er 985, an einer anderen 987. Ich sage Ihnen beides. Die Grabungsbefunde im Untergeschoss zeigen etwas Merkwürdiges. Alle vier Kirchbauten sind in Abmessungen und Gestaltung verschieden, aber die Fluchtlinie der Nordmauer wurde jedes Mal beibehalten. Der Grund liegt in dieser Mauer: das Grab des heiligen Erhard, verankert und mit einem römischen Sarkophagdeckel bedeckt. Der antike Sarkophag steht weiterhin am ursprünglichen Standort, mehrere Meter tief unter dem Boden des Kirchenschiffs. Entdeckt wurde er erst 1963, zusammen mit weiteren bayerischen Herzogsgräbern und mit den Fundamenten des römischen Legionslagers Castra Regina. 1002 erhob Heinrich II. das Stift zur Reichsabtei. Damit kam eine handfeste Pflicht: Als Reichsabtei musste Niedermünster einen Beitrag zur Versorgung des Kaisers leisten, wenn er in Regensburg war. Dieses servitium regis betrug bis 1073 sechzig Schweine. Auf Intervention der Äbtissin Gertrud reduzierte Kaiser Heinrich IV. die als drückend empfundene Abgabe auf vierzig Schweine. Wikidata nennt für diese Station 1002. Im Quelle ist das das Jahr der Erhebung zum Reichsstift, gegründet wurde das Stift vor 788. Damit sind wir am Ende. Wir haben oben angefangen, an den Türmen des Doms. Wir enden an einer Stelle, an der vier Kirchen übereinander liegen, darunter die Residenz eines Herzogs und darunter das Lager einer römischen Legion. Schauen Sie noch einmal auf das Straßenpflaster. Das Raster dieser Gassen ist das Raster des Lagers. Danke, dass Sie mitgegangen sind.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Stift Niedermünster in der Niedermünstergasse, nahe dem Dom. Das Kanonissenstift wurde von Herzog Tassilo III. vor seiner Abdankung im Jahr 788 gegründet. Unter der Kirche liegen die Fundamente des römischen Legionslagers, Herzogsgräber und das Grab des heiligen Erhard.

Für Kinder

Letzte Station. Diese Kirche gehörte zu einem Stift, in dem adelige Frauen lebten. Gegründet hat es ein Herzog vor dem Jahr 788. Das Besondere liegt aber unter dem Boden. Hier standen vier Kirchen nacheinander, eine über der anderen. Darunter wohnte ein Herzog, und noch tiefer liegen die Mauern des römischen Lagers. Die Chefin des Stifts musste dem Kaiser sechzig Schweine geben, wenn er in die Stadt kam. Sie hat verhandelt, bis es nur noch vierzig waren. Was hättest du ihm angeboten?

Quellen

Koordinaten: 49.019508333, 12.100677777 · auf der Karte

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