Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 14 von 16

Regensburger Synagoge

frühes 13. Jahrhundert · synagoge, vertreibung, archaeologie, bildquelle

Ausführlich

Sie stehen am Neupfarrplatz, und Sie stehen über etwas, das nicht mehr da ist. Unter Ihnen liegen die Grundmauern der Alten Synagoge von Regensburg. Der Bau, den wir kennen, wird in das frühe 13. Jahrhundert datiert und erweiterte einen kleineren Vorgängerbau aus dem späten 11. Jahrhundert. Zuerst die Vorgeschichte, denn sie gehört dazu. Die jüdische Gemeinde zu Regensburg hatte sich 1517 erfolgreich gegen Hetzpredigten des Dompredigers Balthasar Hubmaier gewehrt und dessen Ausweisung aus Regensburg erreicht. Der antijüdisch gesinnte Stadtrat wartete danach auf eine Gelegenheit. Sie kam am 12. Januar 1519, als Kaiser Maximilian I., der Schutzherr der Juden, in Wels starb. Der Beschluss war bereits gefasst. Unverzüglich wurde der Gemeinde mitgeteilt, alle ihre Mitglieder müssten bis zum 25. Februar die Stadt verlassen. Ein Aufschub von drei Tagen zur Regelung ihrer finanziellen Verhältnisse war alles, was der Stadtrat noch zugestand. Die Zerstörung der Synagoge wurde mit großer Eile ins Werk gesetzt. Bereits am 21. Februar begann der Abriss des Portikus, am folgenden Tag wurde der Hauptraum einbezogen. Diese Daten sind wichtig, weil sie sagen, wie viel Zeit ein Mann hatte. Albrecht Altdorfer, dessen Namen Sie auf diesem Rundgang schon zweimal gehört haben, fertigte in diesen Tagen Architekturzeichnungen des Gebäudes an. Sie dienten als Vorlage für zwei Radierungen. Der Kunsthistoriker Thomas Noll schlägt vor, dass der Synagogenraum für Künstler als Hintergrund biblischer Szenen von Interesse war, und tatsächlich benutzte Daniel Hopfer Altdorfers Darstellung als Vorlage. Noll hat aber noch eine zweite Vermutung. Die beiden Blätter sind judenfeindlich betitelt, die Synagoge darin jedoch als ein starkes Gebäude dargestellt, und im Vorraum sind zwei Juden beim Betreten des Gotteshauses zu sehen, die dem Betrachter als Identifikationsfiguren dienen. Altdorfer könnte die Radierungen also an Regensburger Juden verkauft haben, die eine Erinnerung an ihre Synagoge mitnehmen wollten. Was auf den Blättern zu sehen ist, lässt sich beschreiben, auch wenn Sie es hier nicht mehr finden. Der Sakralraum war gut sechzehn Meter lang und sechs Meter breit. Drei Säulen unterteilten ihn. In der Mitte liegt das Geviert der Bima, der um drei Stufen erhöhte Ort für die Toralesung, der die mittlere Säule umschließt. Dann kam die Bestätigung, fast fünfhundert Jahre später. Von 1995 bis 1997 kamen bei Ausgrabungen auf dem Neupfarrplatz überraschend die Grundmauern der zerstörten Synagoge ans Licht. Die Fundamente der drei Mittelsäulen stimmten mit Altdorfers Radierung überein, die Identifizierung war eindeutig. Seit 2005 befindet sich an der Stelle der mittelalterlichen Synagoge das begehbare Relief Misrach von Dani Karavan. Sie können darauf stehen. Genau das ist der Punkt.

Kurzfassung

Sie stehen am Neupfarrplatz, über den Grundmauern der Alten Synagoge von Regensburg. Der Bau wird in das frühe 13. Jahrhundert datiert. 1519 wurde die jüdische Gemeinde aus der Stadt vertrieben und die Synagoge abgerissen. Seit 2005 liegt hier das begehbare Relief Misrach von Dani Karavan.

Für Kinder

Hier auf diesem Platz stand früher eine Synagoge, ein Gotteshaus für jüdische Menschen. 1519 hat der Stadtrat beschlossen, dass alle jüdischen Familien Regensburg verlassen müssen. Sie hatten nur wenige Wochen Zeit. Danach wurde die Synagoge abgerissen. Ein Maler namens Albrecht Altdorfer hat das Haus in den letzten Tagen schnell abgezeichnet. Deshalb weiß man heute noch, wie es innen aussah. Später haben Forscher die Fundamente gefunden, und sie passten genau zu den Zeichnungen. Was würdest du mitnehmen, wenn du schnell weg musst?

Quellen

Koordinaten: 49.018333333, 12.095833333 · auf der Karte

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