Sie stehen vor dem Schloss St. Emmeram, auch Schloss Thurn und Taxis genannt. Halten Sie den Gedanken fest, dass das hier eigentlich kein Schloss ist, sondern ein Kloster. Die Kirche, vor der wir gerade standen, war seine Abteikirche. Die Familie von Thurn und Taxis war ab 1748 in Regensburg ansässig. Von 1741 bis zur Auflösung des Reichs 1806 war ihr das Amt des Prinzipalkommissars übertragen, also die Vertretung des Kaisers beim Immerwährenden Reichstag. Als Generalerbpostmeister des Heiligen Römischen Reichs gehörte sie seit 1704 selbst dem Reichsfürstenrat an. 1806 kippte alles. Das Reich war aufgelöst, der Reichstag auch, und damit war das Amt weg, das die Familie hier hielt. Es drohte die Abwanderung nach Frankfurt am Main, wo im Palais Thurn und Taxis die Geschäftszentrale des Postunternehmens saß. Dadurch bestand die Gefahr, dass in Regensburg viele Arbeitsplätze verloren gehen würden. Deshalb beschloss 1810 der damalige Landesherr Karl Theodor von Dalberg, dem Haus die umfangreichen Gebäude und Liegenschaften der 1803 säkularisierten Reichsabtei zu übereignen. Das Königreich Bayern bestätigte die Übereignung 1815, als Entschädigung für die Abtretung der Postrechte. Eine Stadt hielt sich also ihre Arbeitgeber mit einem Kloster. Was danach geschah, können Sie an den Fassaden ablesen. 1827 begann westlich, auf dem früheren Abteigarten, der Bau eines Marstalls mit Reitschule und Reithalle, nach Plänen des Hofbaurates Jean Baptiste Métivier. Die Baustelle beschäftigte zweihundert Arbeiter und viele Handlanger und war damals die einzige größere Baumaßnahme in Regensburg, die der verarmten Bevölkerung Arbeit bot. Die Gesamtkosten lagen bei 250.000 Gulden. Den größten Eingriff brachten die Jahre 1883 bis 1888 unter Fürst Maximilian Maria. Der fürstliche Baumeister Max Schultze riss den alten, maroden Südflügel mit den Wirtschaftsgebäuden des Klosters ab und baute an seiner Stelle einen 150 Meter langen Südflügel im Stil der Neorenaissance, mit Front zur Fürst-Anselm-Allee. Der Fürst, der den Bau wesentlich mitgeplant hatte, starb 1885 im Alter von dreiundzwanzig Jahren. Sein Bruder Albert schloss die Arbeiten 1888 ab. Die Baukosten betrugen 2.100.500 Mark, und darin war die hauseigene Elektroinstallation nicht enthalten, die von einer dampfgetriebenen Dynamomaschine der Nürnberger Firma Schuckert gespeist wurde. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die Wehrmacht-Kommandantur Regensburg im Schloss ihren Sitz. Teile des Schlosses werden bis heute von Angehörigen der Familie bewohnt. Gehen wir noch einmal zurück in die Zeit vor den Fürsten, zum Kloster selbst.
Sie stehen vor dem Schloss St. Emmeram, dem Schloss des Fürstenhauses Thurn und Taxis. Es ist kein Neubau auf freiem Feld, sondern das umgebaute Kloster Sankt Emmeram. Zum Residenzschloss wurde es von 1883 bis 1888 ausgebaut.
Das hier ist ein Schloss, aber es war einmal ein Kloster. Die Kirche daneben war die Klosterkirche. Vor über zweihundert Jahren wurde das Kloster aufgelöst. Danach zog die Familie Thurn und Taxis ein. Die hatte eine wichtige Aufgabe: Sie organisierte die Post im ganzen Reich und brachte Briefe von einer Stadt zur anderen. Als die Familie wegziehen wollte, hatten die Leute Angst um ihre Arbeit. Deshalb schenkte man ihr 1810 die Klostergebäude, damit sie bleibt. Später wurde ein ganzer Flügel neu gebaut, 150 Meter lang.
Koordinaten: 49.014892122, 12.092826553 · auf der Karte