Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 11 von 16

Benediktinerabtei St. Emmeram

um 739 · kloster, reichsabtei, buchmalerei, renaissance

Ausführlich

Sie stehen auf dem Gelände des Reichsklosters Sankt Emmeram, das um 739 gegründet wurde und bis zur Säkularisation 1803 bestand. Alles hier hängt an einem Grab. Das Kloster ging aus einer Georgskirche über einer frühchristlichen Gräberstätte hervor, südwestlich außerhalb des römischen Legionslagers Castra Regina. Im 7. Jahrhundert wurde dort der heilige Emmeram beigesetzt, im 8. Jahrhundert entstand das Benediktinerkloster. Von 739 bis 975 waren die Vorsteher des Klosters gleichzeitig Bischöfe von Regensburg. Das ist eine ungewöhnliche Doppelrolle, und sie erklärt, warum der Dombezirk bis heute dort liegt, wo wir angefangen haben. Dass das Kloster überhaupt in der Stadt liegt, ist das Ergebnis einer Entscheidung. Unter Herzog Arnulf I. wurde nach 920 die Westmauer des ehemaligen römischen Legionslagers abgerissen, um die Klostergebäude durch den Neubau der Arnulfinischen Stadtmauer in das geschützte Gebiet der entstehenden Stadt einbeziehen zu können. Man hat also die alte Römermauer geopfert, um das Kloster hereinzuholen. 972 wurde Sankt Emmeram zum Reichskloster erhoben, 975 Ramwold als erster selbstständiger Abt berufen. Nun der unschöne Teil. Die Rechtsstellung, auf die dieses Kloster stolz war, beruhte zum Teil auf Fälschungen. 1295 verlieh König Adolf von Nassau der Abtei aufgrund einer gefälschten Urkunde des Königs Ludwig das Kind die Regalien, und damit erhielt St. Emmeram die Reichsunmittelbarkeit. Was dieses Kloster unbestreitbar leistete, war Kultur. Sein Skriptorium entwickelte sich zu einem Zentrum der Buchmalerei. Hier entstanden das Sakramentar Heinrichs II., zwischen 1002 und 1014, und der Uta-Codex, kurz nach 1002. Die Bedeutung als Kulturmittelpunkt ließ im 16. Jahrhundert nach, als Regensburg 1555 auf Grund des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens evangelisch-lutherisch wurde. Ein katholisches Reichskloster in einer protestantischen Reichsstadt, das war die Lage für die nächsten Jahrhunderte. Nach 1625 kam ein zweiter Aufschwung, und zwar in den Naturwissenschaften. Unter den Äbten Frobenius Forster und Cölestin Steiglehner und den Patres Roman Zirngibl und Placidus Heinrich wurde die Akademie des Klosters zu einem Gegenpol der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Die Benediktiner konnten dabei auf eine lange Tradition astronomischer Forschungen zurückgreifen. Schauen Sie jetzt zum freistehenden Glockenturm nördlich der Kirche. Er wurde von 1575 bis 1579 errichtet, nachdem der Vorgängerturm wegen Alters und nach mehreren Blitzeinschlägen baufällig geworden war. Sechs Geschosse, Grünsandstein-Sichtmauerwerk, dreiundsechzig Meter hoch, ein freistehender Campanile. Er gilt als das bedeutendste Bauwerk der Renaissance in Regensburg. Als er gebaut wurde, stand er mitten im Klosterfriedhof.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Gelände der Benediktinerabtei Sankt Emmeram, um 739 gegründet. Von 739 bis 975 waren die Vorsteher des Klosters gleichzeitig Bischöfe von Regensburg. Der freistehende Glockenturm von 1575 bis 1579 gilt als bedeutendstes Renaissancebauwerk der Stadt.

Für Kinder

Hier war einmal ein großes Kloster. Gegründet wurde es um 739, weil an dieser Stelle ein Mann begraben lag, den die Leute als Heiligen verehrten: Emmeram. Im Kloster saßen Mönche und schrieben und malten Bücher ab, mit Gold und Farben, denn Drucker gab es noch nicht. Später erforschten die Mönche hier die Sterne. Schau zum hohen Turm, der allein steht. Er ist dreiundsechzig Meter hoch und wurde gebaut, weil der alte Turm oft vom Blitz getroffen wurde. Wie lange würdest du brauchen, ein Buch abzuschreiben?

Quellen

Koordinaten: 49.015277777, 12.092777777 · auf der Karte

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