Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 12 von 16

Kanonissenstift Obermünster, Regensburg

spätes 8. Jahrhundert · damenstift, kriegszerstoerung, mahnmal, adel

Ausführlich

Sie stehen vor den Ruinen des Stifts Obermünster, im Süden der Altstadt, westlich vom Jesuitenplatz. Zuerst das Wort: Ein Kanonissenstift war kein Kloster im strengen Sinn. Die Frauen hier legten keine strengen Ordensregeln ab. Es war eine Gemeinschaft adeliger Damen, und sie blieb exklusiv, und zwar nachweisbar: Wer aufgenommen werden wollte, musste acht adelige Ahnen nachweisen. Für Ausländerinnen waren es sechzehn. Gegründet wurde das Maria Himmelfahrt geweihte Stift vermutlich im späten 8. Jahrhundert durch den Herzog von Baiern Tassilo III. 866 wird es erstmals urkundlich erwähnt. Sein Nachfolger Ludwig der Deutsche erwarb das Stift auf Bitten seiner Ehefrau Hemma im Tausch gegen die Abtei Mondsee bei Salzburg, wobei urkundliche Belege dafür fehlen. Hemma stand dem Stift bis zu ihrem Tod 876 als Äbtissin vor. Ihr Grabmal haben wir in St. Emmeram gesehen, in die Wand eingefügt neben dem Dionysiusaltar. Hier hat sie regiert, dort liegt sie. Nach 1002 wurde das Stift durch Schenkungen und Privilegien Kaiser Heinrichs II. aufgewertet und zu einem freien gefürsteten Reichsstift erhoben. Die Stiftsdamen strengen Ordensregeln zu unterwerfen, gelang ihm nicht. 1484 bestätigte Papst Innozenz VIII. den Status als weltliches Damenstift, und ab diesem Jahr hatte das Stift Sitz und Stimme im Reichstag. Eine Frauengemeinschaft mit einer Stimme in der Reichsversammlung, das war keine Selbstverständlichkeit. Das Ende kam in zwei Schritten. 1802 wurde das Reichsstift dem neuen Landesherren Dalberg unterstellt, 1810 im Zuge der Säkularisation aufgelöst und mit der Stadt in das Königreich Bayern eingegliedert. Die Bewohnerinnen hatten Bleiberecht bis 1822, als die letzte Äbtissin starb. Der zweite Schritt war der 13. März 1945. Bomben zerstörten einen Teil der Stiftsgebäude und fast das gesamte Gebäude der Kirche. Schauen Sie die Ruinen an, dann den Turm. Der Glockenturm stand entfernt und frei und blieb kaum beschädigt weithin sichtbar erhalten. Die Ruinen der Kirche sind absichtlich stehen geblieben, als Mahnmal. In ihnen empfangen die Regensburger Pfadfinder alljährlich das Friedenslicht von Bethlehem. Ein Stück der alten Kirche hat überlebt. Ein Altar im nördlichen Seitenschiff, gestiftet von Wandula von Schaumberg und zwischen 1534 und 1540 erbaut, wurde nur im Giebelbereich beschädigt. Er wurde restauriert und in das Domschatzmuseum gebracht. Der Entwurf wird Albrecht Altdorfer zugeschrieben, dessen Namen wir an St. Johann schon gehört haben und an der nächsten Station noch einmal hören werden. Eine Quelle nennt das späte 8. Jahrhundert, Wikidata nennt 1315. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor den Ruinen des Stifts Obermünster. Das Kanonissenstift wurde im späten 8. Jahrhundert erbaut und 866 erstmals urkundlich erwähnt. Am 13. März 1945 zerstörten Bombentreffer das Kirchengebäude fast vollständig. Die Ruinen sind als Mahnmal erhalten.

Für Kinder

Hier stehen Mauern ohne Dach. Das war einmal eine Kirche. Sie gehörte zu einem Stift, also zu einer Gemeinschaft von adeligen Frauen. Wer dort mitmachen wollte, musste beweisen, dass acht Vorfahren adelig waren. Kam man aus einem anderen Land, mussten es sechzehn sein. Am 13. März 1945, im Krieg, fielen hier Bomben. Die Kirche wurde fast ganz zerstört. Man hat die Ruine stehen gelassen, damit alle daran denken. Nur der hohe Turm, der etwas weiter weg allein steht, blieb heil. Warum hat man die kaputte Kirche nicht einfach weggeräumt?

Quellen

Koordinaten: 49.0159, 12.0953 · auf der Karte

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