Stadtohr

Stadtrundgang Regensburg · Station 6 von 16

Altes Rathaus

Mitte des 13. Jahrhunderts · rathaus, reichstag, patrizier, museum

Ausführlich

Sie stehen vor dem Alten Rathaus am Rathausplatz, und Sie sehen nicht ein Gebäude, sondern drei, die zu verschiedenen Zeiten entstanden sind. Im Süden das Reichssaalgebäude mit dem Erker, daran anschließend der Portalbau mit Treppenhaus und Tordurchgang, östlich des Durchgangs das älteste Rathausgebäude mit dem Rathausturm. Fangen wir mit dem ältesten an. Es wurde Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet, im Typus der Hausburgen der Patrizier, also im Stil eines reichen Kaufmannshauses, das sich verteidigen kann. Der Ratsturm ist achtgeschossig und fünfundfünfzig Meter hoch. Treten Sie durch das große Stichbogentor in den inneren Rathaushof. Dort steht der Venusbrunnen des Regensburger Bildhauers Leoprand Hilmer von 1661. Nun zum Reichssaalgebäude. Es entstand um 1320 bis 1330 als freistehendes Versammlungsgebäude. Der Saal im Obergeschoss, heute Reichssaal genannt, war damals als städtischer Tanz- und Festsaal gedacht und nur über eine Außentreppe erreichbar. Der Portalbau mit Treppenhaus entstand erst um 1408. Erst seitdem sind Reichssaalgebäude und Rathaus baulich verbunden. Schauen Sie über den Treppenzugang. Dort hängen erhöht zwei steinerne, geharnischte und bewaffnete Halbfiguren, genannt Schutz und Trutz, die die Wehrhaftigkeit der Stadt symbolisieren. Wie ernst man das nahm, zeigt das Jahr 1942: Zum Kriegsbeginn wurde das Portal mit einer massiven Backsteinmauer vor Bombenschäden geschützt. Ab 1594 fanden die Reichstage nur noch in Regensburg statt, ab 1663 tagte der Reichstag hier als Immerwährender Reichstag, im Reichssaal und in den Beratungsräumen der Kollegien. War der Kaiser anwesend, nutzte er den hochgotischen Erker an der Fensterfront, um sich den Bürgern zu zeigen und Huldigungen entgegenzunehmen. Danach wurde es still. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs stand der Saal mit seiner gotischen Holzbohlendecke leer und wurde nach 1806 als Depot und Lagerraum genutzt. 1904 befasste sich der bayerische Landtag mit dem Fall und bemängelte das fehlende historische Verantwortungsbewusstsein der Regensburger Stadtväter: Es sähe im Reichssaal wie in einer Scheune aus, was eine Schande für das Deutsche Reich sei. Daraufhin ließ Bürgermeister Hermann Geib renovieren. Das Geld kam über eine Lotterie, die in allen deutschen Staaten durchgeführt wurde und sehr erfolgreich verlief. 1910 war die Sanierung abgeschlossen. Heute ist hier das Reichstagsmuseum als Dauerausstellung document Reichstag, 1963 eingerichtet. Im Untergeschoss sind Gefängniszellen und eine Folterkammer zu besichtigen, im Obergeschoss der Reichssaal mit Holzdecke und Kaiserthron. 2020 benannte der bayerische Landtag das Alte Rathaus zusammen mit zwölf weiteren Orten als einen der Orte der Demokratie in Bayern.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Alten Rathaus am Rathausplatz. Der älteste Teil mit dem fünfundfünfzig Meter hohen Ratsturm entstand Mitte des 13. Jahrhunderts. Im Obergeschoss liegt der Reichssaal, in dem ab 1663 der Immerwährende Reichstag tagte. Heute zeigt dort ein Museum die Geschichte der Reichstage.

Für Kinder

Du stehst vor dem Alten Rathaus. Der Turm daneben ist fünfundfünfzig Meter hoch und hat acht Stockwerke. Oben im Haus liegt ein großer Saal. Dort trafen sich ab 1663 die Gesandten aus dem ganzen Reich und machten Politik, Jahr für Jahr. Deshalb heißt das der Immerwährende Reichstag. Ein Gesandter ist jemand, der für seinen Fürsten spricht. Schau über die Treppe. Da stehen zwei Steinfiguren in Rüstung, sie heißen Schutz und Trutz. Unten im Haus kannst du Gefängniszellen besichtigen.

Quellen

Koordinaten: 49.020131334, 12.094266516 · auf der Karte

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