Stadtohr

Stadtrundgang Quedlinburg · Station 3 von 16

Schlossmuseum

1929 · museum, äbtissinnen, welterbe, sanierung

Ausführlich

Sie stehen im Schlossmuseum. Die Ausstellung erzählt von Äbtissinnen als geistlichen und weltlichen Herrscherinnen, und sie tut das in deren eigenen Räumen. Im Untergeschoss liegen Reste einer ottonischen Palastanlage aus dem zehnten Jahrhundert. Im Obergeschoss liegt das Paradeappartement der Äbtissin aus dem achtzehnten Jahrhundert, darin der Audienzsaal und der Blaue Saal. Dieser Saal diente als Aufenthaltsraum, als Theater, als Festsaal und für Aufbahrungen. In einem Raum also feiern und trauern. Gehen wir die Objekte durch, denn sie sind konkreter als jede Zusammenfassung. Die Goldscheibenfibel aus der Mitte des siebten Jahrhunderts ist eine merowingerzeitliche Gewandspange, gefunden 1878 in Groß Orden. Sie ist älter als das Stift. Der sogenannte Raubgrafenkasten aus der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts ist ein hölzernes Schau-Gefängnis. Später verband man ihn mit der Legende um Graf Albrecht II. von Regenstein, der nach der Überlieferung vom 7. Juli 1336 bis zum 20. März 1338 gefangen gesetzt war. Der Kasten stand früher im Rathaus, zu dem wir später kommen. Der Quedlinburger Knüpfteppich, um 1200 entstanden, gehört zu den ältesten erhaltenen Textilkunstwerken Europas und stammt aus dem Domschatz. Ein Goldschautaler von 1617 wurde im Auftrag der Äbtissin Dorothea von Sachsen zum Reformationsjubiläum geprägt. Eine Ledertapete vom Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ist das Fragment einer venezianischen Goldledertapete aus dem Wartesaal des Damenstifts. Es gab also einen Wartesaal, und er war mit Gold ausgelegt. Dazu ein Paar Schuhe aus weißem Ziegenleder mit grüner Seide, verbunden mit der letzten Äbtissin Sophie Albertine, 1803 einer Stiftsdame geschenkt. Und ein Gemälde der Äbtissin Dorothea von Sachsen, Öl auf Leinwand, Künstler unbekannt. Zur Sanierung noch die Zahlen, weil sie zeigen, was Denkmalpflege heißt. Die baulichen Reste aus ottonischer Zeit, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und dem zwanzigsten Jahrhundert wurden einzeln restauriert. Die Schwarze Küche und das Gartenhaus im barocken Garten wurden rekonstruiert. Der barocke Terrassengarten auf dem Stiftsberg und der Landschaftspark Brühl gehören zur Initiative Gartenträume. Die Stiftskirche mit dem Domschatz wurde am 28. März 2026 wieder zugänglich gemacht, das Museum am 3. Oktober 2026. Beide Bereiche bilden heute einen geschlossenen Rundgang. Seit 1994 steht der Stiftsberg auf der Welterbeliste der Unesco. Die Unesco begründete das mit der engen Verbindung von Geschichte und Architektur dieses Ortes, die mit der sächsisch-ottonischen Herrscherdynastie verflochten ist. Im Museum wird auch gezeigt, was im Nationalsozialismus hier geschah. Darauf kommen wir am Ende des Rundgangs zurück, in der Stiftskirche.

Kurzfassung

Sie stehen im Schlossmuseum. Eingerichtet wurde es 1929 in den Räumen, die den Äbtissinnen und Stiftsdamen als Residenz dienten. Von Februar 2020 bis 2026 war es für den Umbau geschlossen. Seit dem 3. Oktober 2026 ist es wieder offen, mit einer neuen Dauerausstellung zum Damenstift.

Für Kinder

Hier haben die Chefinnen des Stiftes gewohnt, die Äbtissinnen. Heute ist es ein Museum, und es war sechs Jahre lang wegen Umbau zu. Seit Oktober 2026 darf man wieder hinein. Ein Stück musst du suchen: einen hölzernen Kasten, der ein Gefängnis war. Man nennt ihn den Raubgrafenkasten. Erzählt wird, dass ein Graf darin eingesperrt war, fast zwei Jahre lang. Außerdem gibt es eine goldene Spange, die älter ist als das Stift, und ein Paar Schuhe aus weißem Leder mit grüner Seide. Was würdest du ins Museum stellen, wenn deine Familie in tausend Jahren bekannt wäre?

Quellen

Koordinaten: 51.786301, 11.136609 · auf der Karte

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