Stadtohr

Stadtrundgang Quedlinburg · Station 4 von 16

Schlossberg

· geologie, sandstein, hangsicherung

Ausführlich

Sie stehen auf dem Schlossberg, und diese Station handelt nicht von Menschen, sondern vom Untergrund. Der Berg ist eine Erhebung des Nördlichen Harzvorlandes und liegt im Naturpark Harz, südwestlich der Altstadt. Er besteht aus Sandstein und gehört zum Höhenzug des Quedlinburger Sattels. Dieser Höhenzug teilt die naturräumliche Einheit in zwei Mulden, die Blankenburger und die Halberstädter. Nach Süden und Osten fällt der Berg zum Mühlengraben ab, einem Abzweig der Bode. Nun zur Bewegung. Während der Hebung der variszischen Bruchscholle, die den Harz bildet, wurden die Sedimentschichten des Harzvorlandes so stark aufgerichtet, dass sie zerbrachen. Die Unterkreide-Sandsteinschichten dieses Berges weisen eine Neigung von etwa siebenundzwanzig Grad in südsüdwestlicher Richtung auf. Stellen Sie sich einen Stapel Platten vor, den jemand angekippt hat. Die Platten sind dabei nicht gleich. Es wechseln grobkörnige, fester gebundene Schichten mit feinkörnigen, eher schluffigen ab. Darüber liegen Schichten, die durch eingelagerte Eisen- und Manganoxide sehr fest gebunden sind. Eine sehr feinkörnige Schicht aber ist besonders empfindlich gegen das Eindringen von Wasser. Im nassen Zustand beginnt sie zu fließen. Damit ist alles gesagt: Oben liegt harter Stein, darunter eine Schicht, die bei Nässe nachgibt, und das Ganze steht schräg. Schauen Sie zum südwestlichen Bergfuß, zu den sogenannten Klippen. Dort ist diese Schicht gut zu sehen, und dort sind in den letzten Jahrzehnten große Schollen des festeren Sandsteins abgerutscht. Deshalb wurde in den vergangenen Jahren umfangreich gesichert. Die Stützmauern werden von Ankern gehalten, die tief in den Sandstein eingebracht sind. Damit konnte weiteres Abrutschen vorerst abgewendet werden. Vorerst ist hier das wichtige Wort: Für eine grundlegende Sicherung sind umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich. Und nun legen Sie die Geschichte darüber. 936 wurde genau auf diesem geologisch instabilen Untergrund das Stift gegründet. Die romanische Stiftskirche St. Servatius, zu der wir am Ende kommen, wurde im Wesentlichen zwischen 1070 und 1129 errichtet. Wer hier baute, baute auf eine Kippe. Niemand wusste das damals. Der Platz war gewählt worden, weil er sich verteidigen ließ und weil ein König hier begraben lag, nicht weil der Fels verlässlich war. Dass die Anlage tausend Jahre überstanden hat, ist auch eine Leistung derer, die immer wieder Mauern verankert und Hänge gesichert haben.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Schlossberg, einer Erhebung des Nördlichen Harzvorlandes südwestlich der Altstadt. Der Berg besteht aus Sandstein. Nach Süden und Osten fällt er zum Mühlengraben ab, der von der Bode abgezweigt ist. Auf diesem Untergrund steht das Stift Quedlinburg.

Für Kinder

Dieser Berg ist aus Sandstein. Aber die Steinschichten liegen nicht flach, sie stehen schräg, etwa so wie ein Stapel Bücher, den jemand angekippt hat. Das kommt daher, dass sich der Harz einmal gehoben hat und die Schichten dabei zerbrachen. Eine der Schichten ist sehr feinkörnig. Wenn Wasser hineinkommt, wird sie weich und fängt an zu fließen. Dann rutschen die harten Steinplatten darüber langsam ab. Genau das ist hier unten am Berg passiert. Deshalb haben Bauleute lange Anker tief in den Fels gebohrt, damit die Mauern halten. Und ganz oben darauf steht ein tausend Jahre altes Stift. Was glaubst du: Haben die Leute damals gewusst, dass der Berg rutscht?

Quellen

Koordinaten: 51.7861, 11.1369 · auf der Karte

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