Stadtohr

Stadtrundgang Potsdam · Station 6 von 16

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

1995 · stiftung, denkmalpflege, teilung, kriegsverluste

Ausführlich

Diese Station ist kein Bauwerk. Sie ist eine Verwaltung, und sie erklärt, warum Sie heute hier spazieren können. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, kurz SPSG, ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Potsdam. Gegründet wurde sie am 23. August 1994 durch einen Staatsvertrag zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg, der zum 1. Januar 1995 in Kraft trat. Die Stiftung ist der Zusammenschluss zweier Verwaltungen, die die deutsche Teilung hervorgebracht hatte: der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci in der DDR und der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Berlin in West-Berlin. Beide gingen aus derselben Wurzel hervor, der preußischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, gegründet am 1. April 1927 und bis 1947 bestehend. Jetzt die Zahlen, denn hier lohnt sich das Zuhören. Mit etwa 550 Angestellten betreut und verwaltet die Stiftung rund 30 Museumsschlösser und andere Museen, 800 Hektar denkmalgeschützte Parkanlagen, 100.000 Einzelkunstwerke, 150 Denkmäler und 300 bauliche Anlagen. Allein der Park Sanssouci, in dem wir uns bewegen, umfasst 289 Hektar. Warum es die Verwaltung von 1927 überhaupt gab, ist eine eigene Geschichte. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie wurde das Vermögen des Hauses Hohenzollern im November 1918 beschlagnahmt. In Deutschland betrachtete man die Auseinandersetzung nicht als politische, sondern als Rechtsfrage. Es folgte ein Volksentscheid am 20. Juni 1926, der die entschädigungslose Enteignung aller zweiundzwanzig Fürstenhäuser des Deutschen Reichs regeln sollte. 14,5 Millionen Stimmen sprachen sich dafür aus. Das war die relative Mehrheit, aber nicht die nötige Zahl von mindestens 20 Millionen. Am 26. Oktober 1926 wurde stattdessen ein Gesetz verabschiedet, das den Hohenzollern gut sechzig Prozent des beschlagnahmten Vermögens an Grund und Boden, die Mehrzahl der Schlösser und Tausende Kunstgegenstände einräumte. Zur Verwaltung des Teils, der beim Staat blieb, entstand 1927 die genannte Verwaltung, und sie machte die Schlösser als Museen öffentlich zugänglich. Und nun die Rechnung, die nie aufgeht. Durch Krieg, Gebietsverlust und Beutenahme fehlen in den Schlössern der Stiftung bis heute mehr als 3000 Ölgemälde, etwa 1000 Skulpturen, Tausende Porzellane, Möbel, 80.000 Bände aus den königlichen Bibliotheken und mehrere tausend Grafiken. 1955 und 1957/58 kamen Kunstschätze aus der Sowjetunion zurück. Die Lücke bleibt. Wenn Sie im nächsten Schloss einen leeren Sockel sehen oder eine Wand mit großen Abständen zwischen den Bildern, dann wissen Sie jetzt, wovon diese Abstände erzählen. Wikidata nennt 1995, eine Quelle die Gründung 1994. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Hier arbeitet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, kurz SPSG. Sie wurde am 23. August 1994 durch einen Staatsvertrag zwischen Berlin und Brandenburg gegründet und trat 1995 in Kraft. Ihre Aufgabe ist es, die Schlösser und Gärten des ehemaligen Landes Preußen zu bewahren.

Für Kinder

Hier geht es nicht um ein Haus, sondern um die Leute, die auf alle Häuser aufpassen. Ungefähr 550 Menschen arbeiten für diese Stiftung. Sie kümmern sich um etwa 30 Schlösser, um 800 Hektar Park, das sind über tausend Fußballfelder, und um 100.000 einzelne Kunstwerke: Bilder, Figuren, Vasen, Stühle. Weißt du, was ihnen am meisten fehlt? Mehr als 3000 Gemälde, etwa 1000 Figuren und 80.000 Bücher. Die sind im Krieg verschwunden und nie zurückgekommen. Wenn du in einem Schloss einen leeren Sockel siehst, stand dort einmal etwas.

Quellen

Koordinaten: 52.40037, 13.04465 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.