Sie stehen vor der Friedenskirche, und das Erstaunlichste an ihr ist siebenhundert Jahre älter als die Kirche selbst. Zuerst die Baugeschichte. Eine Skizze fertigte Friedrich Wilhelm IV. bereits 1839 als Kronprinz an, orientiert an der frühchristlichen Kirche San Clemente in Rom. Die Thronbesteigung 1840 machte den Bau möglich, allerdings nicht am Schloss Charlottenhof, wie zuerst geplant, sondern im dafür erweiterten Marlygarten. Grundsteinlegung am 14. April 1845, Einweihung am 24. September 1848, Glockenturm 1850 vollendet. Schauen Sie hinauf: 42 Meter, sieben offene Obergeschosse, Vorbild ist der Campanile von Santa Maria in Cosmedin in Rom, den der Kronprinz aus einem Kupferstichwerk kannte. Im dritten Turmgeschoss hängen vier Glocken, sie heißen Gratia, Clementia, Pax und Gloria. 1917 und 1945 wurden sie, bis auf die kleinste, zum Einschmelzen für die Rüstungsproduktion vom Turm geholt. Sie entgingen ihrem Schicksal. Nun das Mosaik. In der Apsis hängt ein veneto-byzantinisches Mosaik aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Es befand sich ursprünglich in der Kirche San Cipriano auf Murano bei Venedig, geweiht 1109, und war zum Abbruch bestimmt. Friedrich Wilhelm ersteigerte es noch als Kronprinz für 385 Taler und ließ es von der Apsis abnehmen. Rund sechzig Quadratmeter Mosaik wurden auf 111 Gipsplatten aufgezogen und auf dem Wasserweg nach Potsdam gebracht. Es zeigt die Deësis, die Fürbitte: in der Mitte der thronende Christus, rechts von ihm Maria, links Johannes der Täufer, beide mit erhobenen Armen. Die vier dunkelgrünen Säulen des Altarziboriums aus sibirischem Jaspis sind ein Geschenk des russischen Zaren Nikolaus I. aus dem Jahr 1842. Und unter zwei Marmortafeln vor den Stufen zum Altarraum liegt die königliche Gruft. Friedrich Wilhelm IV. starb am 2. Januar 1861 nach mehreren Schlaganfällen. Sein Sarkophag kam nach der Einweihung der Gruft im Oktober 1864 hierher. Sein Herz liegt nicht hier, sondern bei seinen Eltern im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg in Berlin. 1873 folgte seine Frau Elisabeth Ludovika. Bettina Vaupel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat den Antrieb dieses Königs in einem Satz zusammengefasst: Wenn er schon nicht dauerhaft in Italien verweilen darf, muss er seine Sehnsucht in Potsdam stillen. Noch eine Zahl aus der Gegenwart: Der Turm war 2020 massiv in seiner Substanz gefährdet. Die Sanierung lief von 2022 bis 2024 und wurde umfänglich aus privaten Spenden finanziert, unter anderem gaben die Hermann Reemtsma Stiftung und Günther Jauch jeweils eine Million Euro. Wikidata nennt 1854, eine Quelle die Einweihung 1848. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.
Sie stehen vor der evangelischen Friedenskirche im Marlygarten, gleich am Grünen Gitter. Friedrich Wilhelm IV. legte 1845 den Grundstein, eingeweiht wurde sie am 24. September 1848. Der freistehende Glockenturm ist 42 Meter hoch. Der Komplex ist oberitalienischen Klosterbauten nachempfunden.
Diese Kirche sieht aus, als stünde sie in Italien. Genau das war der Plan. Der König, der sie bauen ließ, war am liebsten in Italien, musste aber in Potsdam regieren. Also ließ er sich Italien hierher bauen. Der hohe Turm steht ganz allein neben der Kirche, 42 Meter hoch. In ihm hängen vier Glocken mit Namen: Gratia, Clementia, Pax und Gloria. Vorn in der Kirche hängt ein Bild aus vielen kleinen Steinchen, ein Mosaik. Es ist über 700 Jahre alt und kam mit dem Schiff aus Venedig, zerlegt in 111 Teile.
Koordinaten: 52.400966, 13.043411 · auf der Karte