Stadtohr

Stadtrundgang Potsdam · Station 7 von 16

Brandenburger Tor

1770 · stadttor, triumphbogen, akzisemauer

Ausführlich

Sie stehen am Brandenburger Tor am Luisenplatz, und ich bitte Sie, einmal um das Bauwerk herumzugehen. Sie werden zwei verschiedene Tore sehen. Zuerst die Vorgeschichte. Um 1733 stand an derselben Stelle ein anderes, einfacheres Tor. Es gehörte zu einer Stadtmauer, aber diese Mauer war keine Festungsanlage. Sie war eine Zollmauer, eine Akzisemauer, und sie sollte zusammen mit den Toren Desertion und Schmuggel unterbinden. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Mauer stand nicht gegen Feinde draußen, sondern gegen Leute drinnen, vor allem gegen Soldaten, die weglaufen wollten, und gegen Händler, die keine Abgaben zahlen wollten. Gegen Ende des Siebenjährigen Krieges ließ Friedrich der Große das alte Tor abtragen und an dieser Stelle ein neues bauen, als Zeichen des Sieges. Daher die Form. Das Brandenburger Tor ähnelt einem römischen Triumphbogen, Vorbild war der Konstantinsbogen in Rom. Den römischen Einfluss erkennen Sie an den korinthischen Doppelsäulen und am kräftig verkröpften Gebälk. Gebaut wurde 1770 und 1771. Jetzt die Doppelgesichtigkeit. Zwei Architekten, zwei Seiten. Carl von Gontard entwarf die Stadtseite, sein Schüler Georg Christian Unger die Feld- oder Landseite. Gontard gestaltete die Stadtseite als Putzfassade mit korinthisierenden Lisenen und Trophäen. Unger gestaltete die Feldseite in Anlehnung an den Konstantinsbogen, mit korinthischen Doppelsäulen und Verzierungen, darunter goldene Trompeten. Wer von draußen kam, sah also den Triumph. Wer in der Stadt wohnte, sah die ruhigere Variante. Suchen Sie die goldenen Trompeten, dann wissen Sie, auf welcher Seite Sie stehen. Die beiden seitlichen Durchgänge für Fußgänger kamen erst 1843 unter Friedrich Wilhelm IV. hinzu, weil das Passagieraufkommen gestiegen war. Ein Tor, das für Kutschen und Kontrolle gebaut war, musste für Fußgänger nachgerüstet werden. Der Name ist der nüchternste Teil der Geschichte: Wer in die Stadt Brandenburg wollte, musste seinerzeit hier hinaus. Von hier führt die Brandenburger Straße in gerader Linie nach Osten bis zur katholischen Kirche St. Peter und Paul, heute als Fußgängerzone. Neben dem Jägertor und dem Nauener Tor ist dies eines von drei erhaltenen Stadttoren Potsdams. Und noch ein Satz, den man leicht überhört: Seit dem Abbruch der Stadtmauer um 1900 ist das Tor ein freistehendes Bauwerk. Es gehört zu nichts mehr. Die Mauer, die es kontrollieren sollte, ist weg, die Straße läuft an beiden Seiten vorbei, und übrig blieb der Durchgang ohne Grenze.

Kurzfassung

Sie stehen am Brandenburger Tor am Luisenplatz. Carl von Gontard und Georg Christian Unger bauten es 1770/1771 im Auftrag Friedrichs II. Es ist eines der drei erhaltenen Stadttore Potsdams, neben dem Jägertor und dem Nauener Tor. Von hier führt die Brandenburger Straße geradeaus nach Osten.

Für Kinder

Dieses Tor steht in Potsdam, nicht in Berlin, auch wenn es Brandenburger Tor heißt. Früher lief hier eine Mauer um die Stadt. Sie war aber nicht gegen Feinde gebaut. Sie sollte verhindern, dass Soldaten weglaufen und dass Händler Waren heimlich hineinbringen, ohne zu zahlen. Jetzt mach etwas: Geh einmal um das Tor herum. Merkst du etwas? Die beiden Seiten sehen völlig verschieden aus. Daran haben zwei Baumeister gearbeitet, ein Lehrer und sein Schüler. Jeder hat eine Seite gemacht. Auf einer Seite findest du goldene Trompeten.

Quellen

Koordinaten: 52.3995, 13.048 · auf der Karte

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