Sie stehen vor dem Potsdamer Stadtschloss, dem flächengrößten Gebäude der Stadt. Und Sie stehen vor einer Frage, die diese Stadt seit Jahrzehnten beschäftigt: Was ist das hier eigentlich. Beginnen wir ganz unten. Im Jahr 993, als Potsdam erstmals urkundlich erwähnt wurde, lag am Havelufer eine Festung. Sie entstand zugleich mit der kleinen Siedlung Poztupimi und sollte sie schützen. Die Havel verlief hier sehr flach, deshalb querten viele Reisende vom Havelland nach Teltow an dieser Stelle, und es gab einen Holzsteg, die spätere erste Brücke Potsdams. Dann eine lange Reihe von Fehlschlägen. Die Burg verfiel durch ständige Verpfändungen. 1598 schenkte Kurfürst Joachim Friedrich das Gut seiner Frau Katharina, man beschloss Abbruch und Neubau als Dauerwohnsitz, doch sie starb früh, ihre Nachfolgerin Eleonore ebenfalls, und 1606 zog der Kurfürst wieder aus. Das junge Gebäude wurde erneut verpfändet, diesmal an den Junker Wolf Dietrich von Hacke, der es als Schafstall und Scheune nutzte. Ein Schloss als Schafstall. Dann der Dreißigjährige Krieg. Erst der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm löste das Gut wieder ein. Ab 1660 ließ er einen Lustgarten anlegen, von 1662 bis 1674 entstand der frühbarocke Neubau nach Vorbildern der niederländischen Schlossarchitektur durch Johann Gregor Memhardt. Ab 1671 war der Kurfürst regelmäßig und dauerhaft hier. Als er seinen gesamten Hofstaat nach Potsdam holen wollte, musste erweitert werden, und dabei wurde eine Vielzahl von Bürgerhäusern abgerissen. Ihre Besitzer erhielten erst Jahre später eine Entschädigung. 1701, nach der Selbstkrönung Friedrichs I., entstand ein neues Eingangstor von Jean de Bodt. Auf seiner Spitze stand die Fortuna, daher der Name Fortunaportal. Friedrich Wilhelm I. verkaufte oder verpachtete 18 seiner 24 geerbten Schlösser. Dieses behielt er und machte es zu seinem Hauptwohnsitz. Zu seiner Wohnung gehörte eine stufenlose Treppe, die er im Rollstuhl nutzte. Friedrich II. ließ das Schloss 1747 bis 1750 von Knobelsdorff umbauen, es galt als ein Hauptwerk des friderizianischen Rokoko. Und dann: 1945 vollständig ausgebrannt, 1959 und 1960 in der DDR abgerissen. Auf Beschluss des Landtags Brandenburg wurde es 2010 bis 2013 nach Plänen von Peter Kulka äußerlich wiederaufgebaut, unter Verwendung von Spolien, also von erhaltenen Bauteilen des alten Hauses. Die Rekonstruktion der barocken Fassaden ermöglichte bürgerschaftliches Engagement: Günther Jauch finanzierte das Fortunaportal, der SAP-Gründer Hasso Plattner gab eine Großspende über 20 Millionen Euro. Im Januar 2014 wurde eingeweiht. Innen ist nichts rekonstruiert. Dort sitzt, funktional ausgebaut, das Landesparlament. Schauen Sie die Fassade entlang und suchen Sie die Steine, die anders aussehen als ihre Nachbarn. Das sind die alten.
Sie stehen am Alten Markt vor dem Potsdamer Stadtschloss. Der frühbarocke Neubau entstand 1662 bis 1674, ab 1670 diente das Haus als Residenz. 1945 brannte es aus, 1959 und 1960 wurde es abgerissen. Von 2010 bis 2013 wurde es äußerlich wiederaufgebaut und ist heute Sitz des Landtags.
Dieses große Haus am Markt ist ein Schloss. Aber es ist ganz neu. Das alte Schloss hat im Krieg 1945 gebrannt, und später wurde es abgerissen. Vor wenigen Jahren hat man es von außen wieder aufgebaut, so wie es früher aussah. Innen ist alles modern, denn dort arbeiten die Politiker des Landes Brandenburg. Im Jahr 993 stand an dieser Stelle eine Burg am Fluss. Wer sie hatte, bestimmte, wer über den Fluss durfte. Und jetzt eine Suchaufgabe: Einige Steine in der Wand stammen aus dem alten Schloss. Findest du Steine, die anders aussehen?
Koordinaten: 52.394722, 13.060556 · auf der Karte