Stadtohr

Stadtrundgang Potsdam · Station 3 von 16

Neptungrotte

1750 · grotte, wasserspiele, skulptur

Ausführlich

Sie stehen vor der Neptungrotte, und damit vor einem technischen Scheitern in sehr teurem Material. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entwarf die Gartenarchitektur im Auftrag Friedrichs des Großen, die Ausführung fiel in die Jahre 1751 bis 1757. Ab 1754 übernahm der Bildhauer Johann Peter Benkert die Grottierarbeiten und den Skulpturenschmuck. Das Material ist weißer und rosafarbener schlesischer Marmor. Bekrönt wird der Bau von Neptun, dem römischen Gott des Meeres, dazu zwei Najaden und zwei Tritonen. Die Marmorskulptur des Neptun vollendete Benckert 1760, vermutlich nach einem Modell von Georg Franz Ebenhech, der den Auftrag ursprünglich hatte, ihn aus gesundheitlichen Gründen aber nicht ausführen konnte. Schauen Sie jetzt auf die beiden Seiten der Grotte. Dort sind Muschelschalen kaskadenförmig angeordnet. Darüber sollte Havelwasser herabfließen, von Schale zu Schale, ein Geräusch und ein Glänzen mitten im Park. Die Versuche funktionierten nicht. Der Grund steht ohne Umschweife in einer Quelle: technische Unkenntnis. Es gelang erst knapp einhundert Jahre später, zur Zeit Friedrich Wilhelms IV., nach dem Bau des Pumpenhauses, mit Hilfe der Dampfkraft. Merken Sie sich diesen Satz. Er gilt für die Große Fontäne vor dem Schloss genauso, und wir kommen an dem Haus vorbei, das das Problem gelöst hat. Nun in die Grotte hinein, mit den Augen. Benckert schmückte den Innenraum mit Bergkristalldrusen aus dem Harz und aus Schlesien sowie mit Korallen und Muscheln aus Holland. Ein Fürst ließ sich also Steine aus zwei Mittelgebirgen und Meerestiere aus den Niederlanden bringen, um eine künstliche Höhle zu möblieren. 1840 bis 1842 wurde diese Ausschmückung verändert: bunte Muscheln, Festons aus Porzellanblumen, am Eingang ein Eisengitter. Die Figuren wechselten mehrfach. Eine Venus von Medici im Grottenraum und zwei Tritonen seitlich davor sind nicht mehr erhalten. Um 1850 ersetzte man die Venus durch die Gruppe Der erfindungsreiche Jubal lehrt die Kinder Flöten schnitzen aus der Werkstatt des Potsdamer Bildhauers Wilhelm Koch. Von 1907 bis nach 1945 ist eine vergoldete Venus nachweisbar. Heute steht dort eine der ehemals acht großen Marmormuscheln aus der Marmorkolonnade des Rehgartens, die 1751 bis 1762 nach Entwürfen Knobelsdorffs entstand und bereits 1797 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Auch sie gehörte zum Programm der Wasserspiele. Zum Schluss ein Datum aus unserer Zeit: Am 23. Februar 2023 wurden die Neptunskulptur und eine der Najaden durch Vandalismus stark beschädigt. Der Dreizack des Neptun wurde entwendet. Wikidata nennt als Jahr 1750, eine Quelle nennt 1751 bis 1757 als Bauzeit. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Neptungrotte an der Ostseite des Parks Sanssouci. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entwarf sie im Auftrag Friedrichs des Großen, ausgeführt wurde sie 1751 bis 1757. Sie besteht aus weißem und rosafarbenem schlesischem Marmor. Oben sitzt Neptun, der römische Gott des Meeres.

Für Kinder

Das hier ist eine Grotte, also eine Höhle, die Menschen gebaut haben. Oben sitzt Neptun. Er ist in alten Geschichten der Gott des Meeres, und er hat eine große Gabel mit drei Zacken. Neben ihm siehst du Muschelschalen, die wie Stufen übereinander liegen. Darüber sollte Wasser herunterlaufen, von Schale zu Schale. Aber es klappte nicht. Niemand wusste damals, wie man Wasser so hoch pumpt. Erst fast hundert Jahre später hat es geklappt, mit einer Dampfmaschine. Weißt du, was vor drei Jahren passiert ist? Jemand hat Neptun die Gabel geklaut.

Quellen

Koordinaten: 52.4033469, 13.0423675 · auf der Karte

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