Stadtohr

Stadtrundgang Potsdam · Station 2 von 16

Bildergalerie

1764 · museum, malerei, kriegsverluste

Ausführlich

Sie stehen vor der Bildergalerie. Das Gebäude wurde 1755 bis 1764 von Johann Gottfried Büring errichtet und ist der älteste erhaltene fürstliche Museumsbau in Deutschland. Das ist der erste bemerkenswerte Satz. Der zweite ist: Ein knappes Drittel der Bilder fehlt. Bleiben wir zuerst am Haus. Vorher stand hier ein Gewächshaus für tropische Früchte. Büring setzte an seine Stelle einen langgezogenen, eingeschossigen Bau mit gelbem Anstrich und orientierte sich dabei an den Neuen Kammern westlich des Schlosses. Die Mitte betont eine Kuppel mit einer Gruppe aus Adler und Schlange im Kampf. Zur Gartenseite stehen 18 Marmorstatuen, zwischen 1756 und 1761 überwiegend von Johann Gottlieb Heymüller und Johann Peter Benkert gearbeitet, Allegorien der Künste und der Wissenschaften. Über den Fenstern 20 Schlusssteinköpfe mit Malerporträts. An der Nordseite läuft ein Gang, der die Bilder vor Feuchtigkeit schützt und über den schon zu Friedrichs Zeiten die nördliche Bilderwand temperiert werden konnte. Im Innern ein einziger Saal, Fußboden aus weißem und gelbem Marmor im Rhombenmuster, Wände grün, Rahmen vergoldet, die Bilder dicht neben- und übereinander. Westflügel flämisch, Ostflügel italienisch, in der Mitte die Höhepunkte beider Schulen. Nun die Sammlung. Friedrich sammelte zuerst französisches Rokoko, sein Lieblingsmaler war Antoine Watteau. Nach der Thronbesteigung 1740 verschob sich der Geschmack zur Historienmalerei, die damals als höchste Bildgattung galt. Kunstagenten kauften in Paris, Amsterdam und Rom. Der 1764 erschienene Katalog des Galerieinspektors Matthias Oesterreich beschreibt 146 Exponate, die zweite Auflage listet 65 Italiener, 96 Flamen und Holländer und sieben Franzosen. Später musste die Forschung Zuschreibungen korrigieren. Keine der Zuschreibungen an Leonardo, Raffael und Tizian hatte Bestand. Und jetzt die Abflüsse. 1829, zur Eröffnung des Alten Museums in Berlin, gingen etwa fünfzig Bilder dorthin, darunter drei Rembrandts und alle Marmorbildwerke. 1929 und 1930 kamen 120 von 159 Bildern aus Berlin zurück. 1942 wurden alle Gemälde nach Schloss Rheinsberg gebracht. 1946 kamen zehn zurück. Zehn. 1958 kam ein großer Teil der von der Sowjetunion erbeuteten Bilder nach Deutschland, eine Reihe blieb dort. 2003 fehlten in der Bildergalerie 99 Werke, darunter die Geburt der Venus von Peter Paul Rubens. An der westlichen Nordwand stammten früher 21 von 28 Bildern von Rubens, heute hängen dort 11. Eine Rückkehr lässt sich datieren: 2016 wurde die Venus im Pelz aus dem Umkreis von Rubens zurückerstattet, seit 1945 verschollen, durch Faltungen und Löcher stark beschädigt. Restauriert hängt sie seit Mai 2023 wieder hier.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Bildergalerie, östlich von Schloss Sanssouci. Sie wurde 1755 bis 1764 unter Friedrich II. von Johann Gottfried Büring erbaut. Sie ist der älteste erhaltene fürstliche Museumsbau in Deutschland. Auf der Westseite des Schlosses liegt ihr Gegenstück, die Neuen Kammern.

Für Kinder

Dieses lange gelbe Haus ist eine Bildergalerie. Es wurde vor mehr als 250 Jahren gebaut, nur für Gemälde. Es ist das älteste Haus in Deutschland, das ein Fürst als Museum bauen ließ. Schau nach oben auf die Kuppel: Dort kämpfen ein Adler und eine Schlange. Und schau über die großen Fenster. Dort sind zwanzig Köpfe aus Stein eingesetzt, das sind Maler. Innen ist alles grün gestrichen, und die Bilder hängen dicht nebeneinander bis fast zur Decke. Im Krieg wurden alle Bilder weggebracht. Viele kamen nie zurück.

Quellen

Koordinaten: 52.4038, 13.041 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.