Stadtohr

Stadtrundgang Potsdam · Station 15 von 16

Historische Mühle von Sanssouci

1990 · windmühle, legende, handwerk, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Historischen Mühle von Sanssouci, und das ist die Station, an der ein Müller und ein König sich jahrzehntelang nicht einig werden. Anfang des 18. Jahrhunderts wuchs Potsdam zur Garnison- und Residenzstadt. Die sieben vorhandenen Windmühlen reichten nicht mehr. 1736 erhielt der Müller Johann Wilhelm Ludewig Grävenitz die Genehmigung zum Bau einer Bockwindmühle auf dem Wüsten Berg. Das zwischen 1737 und 1739 errichtete Gebäude kostete etwa 800 Taler, die jährliche Pacht betrug 40 Taler. 1745 verfügte Friedrich II. den Bau des Sommerschlosses wenige Meter östlich der Mühle. Der Müller befürchtete Beeinträchtigungen der Windzufuhr und beschwerte sich bereits in der Bauphase. Der König ließ die Sache prüfen und hielt den Vorwurf schriftlich fest: die Mühle müsse, nachdem das Lustschloss ganz nahe erbaut, der Weinberg mit hohen Mauern umgeben und hohe Bäume gepflanzt worden seien, aus Mangel des Windes stillstehen, gleichwohl aber die jährliche Pacht entrichtet werden. Aus dieser Auseinandersetzung wurde später die Legende vom Müller von Sanssouci. 1746 untersagte Friedrich die Verlegung der Mühle ausdrücklich, da sie dem Schlosse zur Zierde gereiche. Der Müller sollte also bleiben, wo der Wind fehlte, weil er gut aussah. Die Zahl der Potsdamer Windmühlen stieg von 1736 bis 1786 von 7 auf 26. Friedrich Wilhelm II. ließ die baufällige Bockwindmühle abreißen und zwischen 1787 und 1791 eine Galeriewindmühle nach holländischem Vorbild errichten. Veranschlagt waren 3000 Taler. Nach einem Aufsatz des Stadthistorikers Julius Wilhelm Haeckel sollen die Baukosten letztlich 24.344 Taler betragen haben, also mehr als das Achtfache. 1841 erwarb Friedrich Wilhelm IV. das Gebäude und wandelte das Pachtverhältnis in ein mittelalterliches Lehnsverhältnis um. Der Müller Gottlieb Walsleben hatte nun jährlich 200 Taler zu leisten. Als er die Zahlung schuldig blieb, wurde ihm zum 1. April 1843 gekündigt. Daraufhin verließ Walsleben nachts heimlich die arbeitende Mühle, ohne sie abzustellen. Stellen Sie sich das vor: ein leeres Haus, die Flügel drehen weiter. Als Prinz Wilhelm 1858 die Regierungsgeschäfte übernahm, wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Ab 1861 war die Mühle als denkmalgeschütztes Museum zu besichtigen. Am 27. April 1945 wurde ein sowjetischer Panzer zwischen Mühle und Schloss von einer Panzerfaust getroffen. In den Kampfhandlungen fing die Mühle Feuer, das auch auf das benachbarte Schweizerhaus übergriff. Nur die Mühle wurde wieder errichtet. Von 1991 bis 1993 wurde der Aufbau vollendet. Seit 1995 betreibt die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg das Haus museal. Wikidata nennt 1990, eine Quelle nennt den Wiederaufbau 1991 bis 1993. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Historischen Mühle von Sanssouci, wenige Meter westlich des Schlosses. Sie ist die Rekonstruktion einer Holländerwindmühle, die 1787 bis 1791 erbaut wurde. Ende des Zweiten Weltkriegs brannte der hölzerne Aufbau ab, zwischen 1991 und 1993 wurde er wieder aufgebaut.

Für Kinder

Hier steht eine Windmühle, direkt neben dem Schloss. Die Mühle war zuerst da. Dann baute der König sein Schloss daneben, mit hohen Mauern und hohen Bäumen. Und plötzlich hatte der Müller keinen Wind mehr. Ohne Wind dreht sich nichts, und ohne Drehung gibt es kein Mehl. Der Müller beschwerte sich beim König. Der König sagte: Die Mühle bleibt stehen, sie sieht schön aus neben meinem Schloss. Bezahlen musste der Müller trotzdem. Ein späterer Müller war so wütend, dass er nachts weglief und die Mühle laufen ließ.

Quellen

Koordinaten: 52.4041, 13.0356 · auf der Karte

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