Sie stehen vor dem N+M Haus, Berliner Straße 77. Nach zwei Kirchen des 18. Jahrhunderts ein Haus von 1969, und es ist mit Absicht hier eingeordnet. Dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz, und zwar seit 2015, aus künstlerischen, städtebaulichen und baugeschichtlichen Gründen. Errichtet wurde es 1969 und 1970 nach Entwürfen von Fritz Novotny und Arthur Mähner. Ihr Architekturbüro Novotny und Mähner saß hier bis in die 2000er Jahre, daher der Name. Was sie hineinpackten, war bemerkenswert: neben dem eigenen Büro eine Bank, ein Restaurant mit Kegelbahn, diverse Läden und zweiunddreißig Wohnappartements. Arbeiten, Geldgeschäfte, Essen, Kegeln, Einkaufen und Wohnen in einem Haus. Jetzt schauen Sie bitte von unten nach oben, denn der Bau gliedert sich in drei Zonen. Im Erdgeschoss und im als Tiefgarage genutzten Untergeschoss ist das neunachsige und vierreihige Stützensystem offen zu sehen, mit einer Verdoppelung der zweiten Stützenreihe zwischen den bündig liegenden Fenstern. Darüber kragen fünf Bürogeschosse allseitig aus. Sie haben vorgeblendete Brüstungen aus Fertigbeton, die bandartig das Gebäude umfangen, und die Fenster sitzen als parallel verlaufende Glasbänder dahinter. Beide wechseln sich ab: Transparenz und Spiegelung auf der einen, Materialität und Körperlichkeit auf der anderen Seite, im Spiel von Licht und Schatten. Achten Sie auf die Kanten. Fenster und Brüstungsbänder sind gerundet und entschärfen damit die eigentliche Kantigkeit des Gebäudes. Über dem letzten Bürogeschoss, von der Brüstung zurückgesetzt, erhebt sich die dreigeschossige Betonskulptur des Appartementhauses, gegliedert durch Loggien, Nischen und Balkone sowie auskragende Bauteile und asymmetrische Fenstereinschnitte. Markant überragt und durchdringt der Turm für Treppe und Fahrstühle das Gebilde. Innen zeichnet sich der Betonskelettbau vor allem in den Büroetagen durch Funktionalität und Flexibilität aus; bemerkenswert sind der hochwertig gestaltete Eingangsbereich und die noch erhaltene Briefkastenanlage. Zur Einordnung zitiert die Quelle die Denkmalbegründung, und die greift zu einem Bild. Vorbild für Novotny und Mähner war der Beton-Brutalismus, wie ihn neben anderen Le Corbusier vertreten hat; die beiden Architekten hätten diesen in den 1960er Jahren modernen Baustil konsequent weiterentwickelt und einen individuellen, zukunftsweisenden Entwurf von hohem künstlerischem Anspruch vorgelegt. In seiner Geschlossenheit und in seinem Aufbau wirke der massige Baukörper geradezu wie eine biblische Arche, wobei hier ein Bezug zu dem nahe vorbeifließenden Main gegeben sei. Eine Arche am Main. Das Haus war das mutige Produkt eines damals noch jungen Architektenteams, das in der Folgezeit weltweit erfolgreich agierte. Dass dieses Haus heute dasteht, ist eine Entscheidung von vorgestern. Für die Sanierung in den Jahren 2016 und 2017 wurden die damals ausführenden Eigentümer 2019 mit dem Denkmalschutzpreis der Stadt Offenbach ausgezeichnet, gewürdigt wurde ihr über das übliche Maß hinausgehendes Engagement und der vorbildliche Umgang mit der Substanz. Genutzt werden die Büroflächen heute von der Stadt für die Volkshochschule, das Jugendbildungswerk und ein Projekt für Berufsorientierung; der Mietvertrag läuft bis Ende 2037, die Jahresmiete betrug 2017 einschließlich Nebenkosten 914.000 Euro. Dazu kommen dreißig Wohnungen.
Sie stehen vor dem N+M Haus, Berliner Straße 77, einem Wohn- und Geschäftshaus unter Denkmalschutz. Errichtet wurde es 1969 und 1970 nach Entwürfen von Fritz Novotny und Arthur Mähner, deren Architekturbüro bis in die 2000er Jahre hier saß und dem Haus den Namen gab.
Du stehst vor einem großen Haus aus Beton. Es wurde 1969 und 1970 gebaut, und zwei Architekten haben es entworfen: Fritz Novotny und Arthur Mähner. Deshalb heißt es N+M Haus. In diesem einen Haus gab es damals alles: Büros, eine Bank, ein Restaurant mit Kegelbahn, Läden und 32 Wohnungen. Schau genau hin: Unten siehst du die Betonstützen, in der Mitte liegen fünf Etagen mit Fensterbändern, und oben sitzen die Wohnungen wie eine Skulptur. In der Denkmalakte steht, das Haus sehe aus wie eine Arche, ein großes Schiff. Findest du, dass das passt?
Koordinaten: 50.106525, 8.76317 · auf der Karte