Sie stehen vor dem Isenburger Schloss, einem Renaissance-Schloss am Main. Sie stehen damit auch am tiefsten Punkt dieser Stadt: 97 Meter über Normalhöhennull, vor dem Isenburger Schloss am Mainufer. Gehen Sie einmal herum, dann sehen Sie, warum Kunsthistoriker diesen Bau bemerkenswert finden. Die Südseite zur Stadt hin ist eine aufgelockerte Renaissancefassade mit Bogengängen zwischen zwei Treppentürmen. Die dem Main zugewandte Nordseite ist wehrhaft und besteht aus Teilen der älteren Bausubstanz. Zur Stadt offen, zum Fluss geschlossen. Geplant war einmal ein Vierflügelschloss; dieses Bauvorhaben wurde nie durchgeführt. Zum Vorläufer gibt es zwei Angaben. Eine Quelle über das Schloss nennt eine 1394 von Werner von Falkenstein gebaute Wasserburg, eine Quelle über die Stadt sagt, Werner III. von Falkenstein habe um 1400 am Main ein Schloss bauen und Münzen prägen lassen, worauf Frankfurt sich provoziert fühlte und protestierte. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Das Renaissance-Schloss selbst wurde 1559 fertiggestellt und brannte schon 1564 völlig nieder. Dem folgenden Bau sind die bis heute erhaltenen Schlossgalerien auf der Südseite zu verdanken. Im Schloss wurde Geschichte gemacht, und zwar auf Kosten des Nachbarn. Während des Dreißigjährigen Krieges residierte hier König Gustav II. Adolf von Schweden, um die Frankfurter Ratsherren zur Aufgabe ihrer Stadt zu bewegen. 1631 war die bayerische Besatzung Offenbachs von den Schweden vertrieben worden, und im Schloss wurde die Kapitulation der Reichsstadt Frankfurt entgegengenommen. Später tagten hier mehrfach bedeutende Kongresse, unter anderem 1741 zur Reform der Reichsverfassung. Das war das Jahr, in dem die vierzehn Fürsten der Stadtkirche ihre 772 Taler schenkten. Von 1628 bis 1711 war das Haus Residenzschloss der Grafen von Isenburg-Offenbach, danach verblieb es im Besitz der Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein. Eine ungewöhnliche Episode gehört dazu. Fürst Wolfgang Ernst II. zu Isenburg und Büdingen war bekannt dafür, dass er ein offenes Herz für religiöse Schwärmer hatte. Er überließ das Schloss ab 1787 Jakob Joseph Frank, dem Anführer des Frankismus. Frank hatte in Polen-Litauen mit einem messianischen Erlösungswerk versucht, die Tore des ostjüdischen Schtetls zu öffnen, war dafür vom traditionellen Judentum mehrfach verbannt, von der römisch-katholischen Kirche getauft und nobilitiert, wegen nicht-christlicher Glaubenspraktiken aber lebenslang verbannt und verfolgt worden. Der Fürst gab damit einem religiös Verfolgten Schutz. Frank lebte bis zu seinem Tod 1791 zurückgezogen hier, als selbsterklärter Baron von Offenbach, mit rund vierhundert Anhängern, die nach außen das Leben emigrierter polnischer Adeliger führten. Nach seinem Tod wurde seine Tochter Eva Frank Hausherrin; sie starb 1816. Bis 1883 hatte der Landschafts- und Historienmaler Leopold Bode ein Atelier im Schloss. 1900 fiel das Schloss aus dem Privatbesitz in den Besitz des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es schwer beschädigt. Von 1952 bis 1956 wurde es unter Leitung des Architekten Paul Friedrich Posenenske wieder aufgebaut, begonnen hatte Erwin Schwarzer; außen wurden zahlreiche Details aufwändig restauriert, spätere Zierformen jedoch entfernt. Im September 1956 eröffnete hier das Haus der offenen Tür, später Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum, das am 28. Februar 1997 schloss. 1977 wurde das Schloss orangerot gestrichen. Heute gehört es zum Campus der Hochschule für Gestaltung: Fotografie und Computer-Arbeitsraum sind hier untergebracht, das Erdgeschoss dient Veranstaltungen. Und zwischen 1907 und 1934 saß im ersten Obergeschoss die Stadtbücherei, von der wir heute schon gesprochen haben.
Sie stehen vor dem Isenburger Schloss, einem Renaissance-Schloss am Main. Das Grafengeschlecht Isenburg ließ es im 16. Jahrhundert errichten, 1559 war es fertig. Von 1628 bis 1711 war es Residenzschloss der Grafen von Isenburg-Offenbach. Heute gehört es zum Campus der Hochschule für Gestaltung.
Du stehst vor einem Schloss am Fluss. Es gehörte den Grafen von Isenburg und wurde 1559 fertig. Fünf Jahre später brannte es völlig ab und musste neu gebaut werden. Geh einmal herum und vergleiche die Seiten. Zur Stadt hin hat das Schloss hübsche Bogengänge. Zum Main hin sieht es aus wie eine Burg, dick und wehrhaft. Vor dem Schloss ist übrigens der tiefste Punkt von Offenbach. Im Krieg vor 400 Jahren wohnte hier der König von Schweden. Heute lernen hier Studenten das Fotografieren. Welche Seite gefällt dir besser?
Koordinaten: 50.1078, 8.765 · auf der Karte