Sie stehen vor dem Metzlerschen Badetempel, den der Volksmund Lili-Tempel nennt. Erbaut wurde er 1798 vom französischen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort, für den Frankfurter Bankier Friedrich Metzler, der 1792 seinen Sommersitz nach Offenbach verlegt hatte. Der Bau gilt als Montforts einziges Werk im Rhein-Main-Gebiet, das im Ursprungszustand erhalten ist. Zuerst zum Namen, denn er stimmt nicht ganz. Der Tempel heißt im Volksmund nach Anna Elisabeth Schönemann, genannt Lili, der Verlobten Johann Wolfgang von Goethes, mit der sich dieser 1775 im umliegenden Park zu treffen pflegte. Rechnen Sie nach: das Gebäude wurde 1798 errichtet, dreiundzwanzig Jahre nach diesen Treffen. Goethe hat diesen Tempel nie gesehen. Der Park erhielt den Namen Lili-Park sogar erst 1932, zum hundertsten Todestag Goethes. Ein Bauwerk, benannt nach einer Begegnung, die vor ihm lag. Jetzt zum Haus, und es ist ein Haus für ein einziges Vergnügen. Es besteht aus einem Bade- und einem Teehaus, hat 250 Quadratmeter Grundfläche und ist etwa sieben Meter hoch. Das Untergeschoss ist aus Granitblöcken gebildet und zum Main hin halbrund geschlossen; zwei Fenster gaben einst den Blick auf den Fluss frei. Darin lagen neben Zimmern ein Tauchbad, eine Heizungsanlage und ein Kaltwasserreservoir. Über die Ausstattung ist nur wenig belegt: im Volksmund hieß das Bad Marmorbad, zeitgenössische Berichte weisen auf eine Verkleidung mit Spiegelplatten hin. Von beidem ist heute nichts mehr erhalten. Das Erdgeschoss war als Gartenpavillon gestaltet. Über eine dreistufige Freitreppe erhebt sich die Rotunde, der ehemalige Eingangsbereich, die sich zum Garten mit einem viersäuligen Portikus korinthischer Ordnung öffnet; darauf ruht der verzierte Architrav. Von der Rotunde kam man in die Grotte, in das Untergeschoss oder auf das Dach. Die Grotte wird außen von einer Aufeinandertürmung von Felsblöcken gebildet. Ein Verbindungsgang führte zu einem ovalen Saal, dessen Ausstattung nicht erhalten ist. Sie war sehr aufwändig und kostbar, und ein Detail sollten Sie sich vorstellen: durch raffinierte Mechanismen konnten die Fenster in den Wänden und in der Decke des Salons geöffnet und geschlossen werden. Zum Main hin schloss sich ein halbrunder, ehemals gedeckter Balkon an, geschlossen von einer Balustrade und Postamenten mit vier kannelierten ionischen Säulen. Die Ausführung war für einen Privatmann besonders kostbar und repräsentativ, und der Tempel war weit über die Grenzen Offenbachs hinaus als Sehenswürdigkeit bekannt. Er war Ausdruck für den Reichtum, den erlesenen Geschmack und die Bildung seines Besitzers. Ursprünglich lag das Gebäude direkt am Main, sodass in seinem grottenartigen Untergeschoss im Mainwasser gebadet werden konnte. Beim Straßen- und Hochwasserdammbau im 19. Jahrhundert verlor es diesen Bezug, die Mainseite des Parks wurde durch eine Mauer mit Zaun verschlossen. 1892 wurde die Herrnstraße vom Linsenberg bis zum Main verlängert, quer durch die Anlage. Der Park selbst, zehntausend Quadratmeter, entstand Ende des 18. Jahrhunderts aus den Gärten der Bankiers- und Unternehmerfamilie Jean Georg d'Orville und Jeanne Rahel Bernard; Metzler ließ das Gelände 1793 im englischen Stil umgestalten. Dieselben Namen wie am Büsing-Palais. 1951 ging das Bauwerk samt Park an die Stadt Offenbach und war erstmals öffentlich betretbar. 2004 wurde das sanierungsbedürftige Haus unter der Auflage einer Restaurierung an den Unternehmer Volker Hohmann durch Erbbaurecht vergeben; er ließ den umfangreichen Stuck im Inneren wiederherstellen, ausführender Architekt war Christopher Pierre Hefele. Am 3. September 2007 war die offizielle Eröffnung, am Tag des offenen Denkmals desselben Jahres war das Bauwerk erstmals öffentlich zugänglich. Für die Sanierung erhielt Hohmann 2008 den hessischen Denkmalschutzpreis. 2016 wurde der Tempel an eine Unternehmensberatung verkauft, die Stadt kann die Räume weiter für Kulturveranstaltungen nutzen. Im Dezember 2025 wurde wieder ein neuer Eigentümer gesucht, was sich angesichts eines Angebotspreises von rund 3,86 Millionen Euro als schwierig gestaltete.
Sie stehen vor dem Metzlerschen Badetempel, den der Volksmund Lili-Tempel nennt. Erbaut wurde er 1798 für den Frankfurter Bankier Friedrich Metzler, vom französischen Architekten Nicolas Alexandre Salins de Montfort. Er gilt als Montforts einziges im Ursprungszustand erhaltenes Werk im Rhein-Main-Gebiet.
Du stehst vor einem kleinen Tempel mit Säulen. Gebaut hat ihn 1798 ein reicher Bankier aus Frankfurt, Friedrich Metzler, und zwar nur zum Baden und Teetrinken. Unten im Keller war ein Tauchbad. Damals floss der Main direkt daneben, man konnte also im Flusswasser baden. Später wurde ein Damm gebaut, und der Fluss war weg. Der Tempel heißt Lili-Tempel, nach Goethes Verlobter Lili. Aber Achtung: Goethe traf sie 1775 hier im Park, und das Haus wurde erst 1798 gebaut. Goethe hat diesen Tempel also nie gesehen.
Koordinaten: 50.1089, 8.76111 · auf der Karte